DIE LIECHTENSTEINISCHE LANDESHYMNE JOSEF FROMMELT Aus St. Gallen schickte Albert Schwarz am 21. Juni 1945 einen weiteren Textvorschlag an die Regierung. Schwarz, dessen Nichte in Liechtenstein verheiratet war, berichtete, dass die Schweiz seit vier bis fünf Jahren ebenfalls an einer neuen Nationalhymne ar- beite, doch man habe diese «noch nicht gefunden». Dies sei eine «Schande»: «Die  Dichter und Musiker bringen nichts fertig und von Dilletanten will man nichts, also erreicht man nichts» - so äusserte sich Schwarz in seinem Schreiben.36 In den hechtensteinischen Zeitungen wurde das Thema auch wieder aufgegriffen, diesmal jedoch we- niger emotional. In allen Artikeln befürworteten die Verfasser die Abänderung der Hymnen und griffen dabei auf die Textvorschläge von Gustav Alfons Matt zurück. Gegenstimmen werden nicht mehr laut. Im Jahr 1946 schaltete sich auch der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein in die Dis- kussion ein. Intern hatte der Vereinsausschuss be- reits an seinen Sitzungen vom 8. Mai und 18. Juni 1946 über den Inhalt der Landeshymne disku- tiert.37 Der Historische Verein wollte demzufolge «die Melodie und den Rhythmus bewahren, aber einzelne Stellen oder Ausdrücke ändern».38 In die- sem Sinn richtete der Historische Verein am 19. Juni 1946 ein Schreiben an die Regierung. Darin wurde vorgeschlagen, die zweite und dritte Strophe des Textes von Kaplan Jauch wegzulassen und die verbleibenden zwei Strophen, mit geringfügigen Wortänderungen versehen, zum Text der National- hymne zu machen. Ersetzt werden sollte der «deut- sche Rhein» durch den «jungen Rhein» sowie die Passage «im deutschen Vaterland» durch «mein teures Vaterland».39 Mit Ausnahme der soeben er- wähnten Stelle - sie lautete definitiv «das teure Va- terland» - wurde der Vorschlag des Historischen Vereins vom Landtag 1963 zum Text der offiziellen Landeshymne erklärt; siehe dazu die Ausführun- gen auf Seite 46. Damit kommt dem Historischen Verein das Verdienst zu, an der Ausarbeitung des heutigen Texts der Landeshymne einen nicht un- wesentlichen Anteil zu haben. 1950 wurde Walter Kaufmann, damals Lehrer in Schellenberg, beauftragt, ein neues Liederbuch für die Volksschule zusammenzustellen. Er wollte die 
Gelegenheit wahrnehmen, um die Landeshymne in der bereits vielerorts gesungenen Version «Oben am jungen Rhein» in das Buch aufzunehmen und so die Annahme des geänderten Text zur erreichen. Auf sein entsprechendes Gesuch erhielt er von der Regierung am 11. Januar 1951 eine ablehnende Antwort: «... Eine Volkshymne kann nicht von heute auf mor- gen geschaffen werden. Sie muss ein Lied sein, das, als neue Volkshymne verwendet, aus dem Volke stammt und von ihm als Vaterlandslied getragen wird. Dazu muss aber etwas völlig Neues geschaf- fen werden. Nur eine Wortänderung in der heutigen Volkshymne scheint uns nicht das Gegebene zu sein. ... Aus diesen und anderen Erwägungen be- schloss die Regierung heute, es beim alten zu belas- sen und in das neue Liederbuch die Volkshymne in der ursprünglichen Form aufzunehmen.»*0 Trotz dieses Regierungsentscheids drängten wei- terhin mehrere Privatpersonen, die Pfadfinder und Rover sowie der Historische Verein auf eine Lösung des schon so lange anstehenden Problems. Landes- bibliothekar Robert Allgäuer versuchte gleichzeitig, die geschichtliche Entwicklung der Volkshymne zu dokumentieren und wandte sich an Lehrer Alfons 33) «Umbruch», 13. Oktober 1940. 34) LLA RF 230/439: Schreiben von Gustav Alfons Matt an die Fürstliche Regierung in Vaduz, 17. Mai 1945, mit Textvorschlag für eine vierstrophige Landeshymne. 35) Ebenda. Beilage zum Schreiben von Gustav Alfons Matt an die Regierung, 15. Juni 1945. 36) Ebenda. Schreiben von Albert Schwarz an Regierungssekretär Ferdinand Nigg, 21. Juni 1945. 37) Archiv des Historisehen Vereins für das Fürstentum Liechten- stein, Protokollbuch II, Protokolle der Ausschuss-Sitzungen vom S.Mai 1946 und vom 18. Juni 1946. 38) Ebenda, Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom 18. Juni 1946. 39) Archiv des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechten- stein, Brief des Historischen Vereins an die Regierung, 19. Juni 1946; auch im Landesarchiv unter: LLA RF 242/455. 40) Schreiben der Fürstlichen Regierung, unterzeichnet von Regie- rungschef Alexander Frick, an Walter Kaufmann in Schellenberg. 11. Januar 1951. 45
        

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