DIE LIECHTENSTEINISCHE LANDESHYMNE JOSEF FROMMELT An der Feier zur Erbhuldi- gung für den neuen Fürsten Franz Josef II. legte die liechtensteinische Bevölke- rung am 29. Mai 1939 mit erhobener Hand den Treu- eid ab. te. Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Im «Liechtensteiner Volksblatt» erschien am 28. Juni 1918 folgender, nicht namentlich gezeichneter Gegenartikel: «Unsere Volkshymne. Auf mehrfachen Wunsch kommen wir hier kurz auf das Eingesandt über unsere Volkshymne in Nr. 25 der <0. N>. zurück. Sicher fehlt es dem Herrn Einsender nicht am guten Willen und guter Ab- sicht. Es scheint aber, dass ihm das Gefühl für Deutsch und Deutschtum abgeht. Jetzt soll unser lieber Rhein und unser noch teureres Ländchen auf einmal nicht mehr deutsch sein! Wir und unser Rhein sind aber deutsch - wenn auch nicht reichs- deutsch - und wollen und werden es so Gott will bleiben. Und unsere altehrwürdige Volkshymne las- sen wir so wie sie ist. Jedenfalls soll sie nicht durch klingende Phrasen und unrichtige Worte verun- staltet werden.» Der gebürtige Triesenberger Josef Gassner,32 der eine ganze Reihe patriotischer Gedichte und Lied- texte geschrieben hatte, meldete sich am 22. Sep- tember 1918 im «Liechtensteiner Volksblatt» zu 
Wort. Er stellte fest, dass es «keine rechte Liechten- steiner Hymne» sei, da die Melodie aus England stamme und auch der Text «keineswegs einwand- frei» sei und regte einen Wettbewerb zur Schaffung einer neuen Landeshymne an. Der Streit um eine neue Hymne, oder zumindest um eine Abänderung des Textes, ebbte nach dem Ersten Weltkrieg etwas ab. Das Thema schien in den Zeitungen zwar für längere Zeit nicht mehr auf, blieb aber virulent. Laut mündlicher Überliefe- rung kam es immer wieder zu heftigen Auseinan- dersetzungen zwischen Reformern und Deutsch- Freundlichen. Am 1. November 1919 erschien im Zürcher «Ta- gesanzeiger» folgende kurze Mitteilung zur liech- tensteinischen Nationalhymne: «Der Komponist Emerschitz hat für das Fürstentum Liechtenstein eine neue Volkshymne verfertigt und dafür vom 30) Jahrbuch des Liechtensteiner Vereins von St. Gallen und Umge- bung. 1918. S. 44. 31) Ebenda. S. 5. 32) Gassner war Gymnasiallehrer und Schuldirektor in Innsbruck, Salzburg und Bregenz. 41
        

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