Titelblatt von Band 1. Aquarell der Brüder Bauer, 1776 
DER CODEX LIECHTENSTEIN Das als «Codex Liechtenstein» bezeichnete Werk - ein Unikat, entstanden in der Zeit von 1770 bis 1805 - trägt den Titel «Liber regni vegetabilis» (Buch des Pflanzenreiches) und umfasst vierzehn Folianten mit mehr als 3000 handgezeichneten und aquarel- lierten Pflanzendarstellungen. Neben den jeweils beschrifteten Pflanzenabbildungen - dem eigentli- chen Inhalt - enthält jeder der vierzehn Bände ein Titelblatt, dem häufig die Ansicht eines Gartens, Ge- bäudes oder einer Landschaft - die Gegend rund um das mährische Feldsberg - vorangestellt ist. Am Ende findet sich ein Bandregister. Der letzte Band weist zudem ein Generalregister für die Bände eins bis dreizehn auf. Professor Hans Walter Lack, Direktor des Bota- nischen Gartens und des Botanischen Museums Berlin, rückte im Dezember 2000 den bis dahin nur in Fachkreisen bekannten Codex Liechtenstein durch eine umfassende und reichhaltig illustrierte Publi- kation1 ins Licht der Öffentlichkeit. DER AUFTRAGGEBER Das in einem Zeitraum von mehr als 30 Jahren ent- standene Werk ist eine Gemeinschaftsarbeit, an der mehrere Hände beteiligt waren. Auftraggeber für das Liber regni vegetabilis war P. Norbert Boccius, Arzt und Ordensmann des Kon- vents der Barmherzigen Brüder in Feldsberg (heute amtl.: Valtice). Er wurde 1731 als Sohn eines Arztes in Temesvar (heute amtl.: Timi§oara) geboren. Er scheint in Temesvar, Wien und Znaim gelebt zu haben und hat offensichtlich in Prag studiert. Am 27. Juli 1749 legte er in Prag die Ordensgelübde ab und trat als Laienbruder in den Hospitalorden des Heiligen Johannes von Gott, den Orden der Barm- herzigen Brüder, ein. Jeder Konvent umfasste eine Kirche, ein Spital und häufig eine Apotheke mit da- zugehörigem Garten, in dem Heilpflanzen kultiviert wurden. In Wien absolvierte er die medizinisch- chirurgischen Studien und wurde 1763 zum diplo- mierten Wundarzt ernannt. Im Mai 1763 kam der 310
        

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