HISTORISCHER VEREIN FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN 2004 Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein TÄTIGKEITSBERICHT 2004 Im Januar 2004 erschien die dritte Lieferung von Band V (Wortgeographie II). Anschliessend wurde mit den Vorarbeiten für die fünfte Lieferung von Band III begonnen. Diese Vorarbeiten bestehen hauptsächlich im Exzerpieren der Originalmateria- lien. Es handelt sich hier um so genannte «besonde- re Verben» 
wie schlagen, fanjfangen, geben, neh- men sowie um einzelne Verbformen 
von werden, le- sen und treffen. Begonnen wurde auch mit der Be- arbeitung und Darstellung der so genannten «Präterito-Präsentien». Vorerst werden Verben der ersten Ablautreihe 
wie wissen und gewusst behan- delt. Auch hier konnten markante Unterschiedein den Mundarten des Fürstentums festgestellt werden. Das betrifft vor allem die Bildung der Konjunktive, wobei beide, der Konjunktiv I bei der abhängigen Rede und der Konjunktiv II bei Wünschsätzen, auch in Liechtenstein noch sehr lebendig sind. Während man im Unterland der so genannten «schwachen» Bildung 
wie lässt, käämt, näämt usw. «(wenn er doch) liesse, käme, nähme» usw. den Vorzug gibt, hat man im Oberland Bildungen 
wie liass(t), kiam(t), niam(t). Weitere Unterschiede sind bei- spielsweise: nenn «(wir, ihr, sie) 
nehmen», genn «(wir, ihr, sie) geben» im 
Unterland, nöönd, geend beziehungsweise gäänd im Oberland; im Unterland heisst 
es troff für «(ich) treffe», im 
Oberland treff; im Unterland sagt 
man wessa, gwesst für «wissen, ge- wusst», im 
Oberland wössa, gwösst; nur in Balzers exisitiert das Partizip 
Perfekt g'foocht für «gefan- gen», deshalb haben sie (auch) den Übernamen «Foochi». Auch diesmal konnte die Sonderstellung des lYie- senberger Dialekts herausgearbeitet werden. Es wird jeweils die erste und dritte Person Plural von der zweiten Person Plural unterschieden. Beispiele hierfür 
sind: Schleend, schleed, schleend für «wir schlagen, ihr schlägt, sie schlagen», 
ebenso feend, feed, feed. für «fangen» 
und seend, seed, seend für «sehen». Ansonsten heisst es im 
Rheintal schla(a)- ha, fooha, seha, in Schaan und 
Vaduz säha. Wäh- rend im Rheintal 
einheitlich gee «geben» 
und nee «nehmen» gesagt wird, heisst es in 
Triesenberg gä und nä. Auch/oa 
«fangen», f aascht «(du) fängst» 
faad «fängt» wird nur in Triesenberg gesagt. An- derswo in Liechtenstein heisst 
es foocha, foochst, foocht, oder 
neu fang usw. In der vierten Lieferung von Band V (Wortgeogra- phie II), die im Januar 2005 ausgeliefert werden kann, ist wiederum viel altes, vor 40 Jahren erhobe- nes Wortgut publiziert. Viele dieser Begriffe haben ihren Ursprung in der vorindustriellen bäuerlichen Gesellschaft. Rüüssig «brünstig» (von der Sau), botza, «kastrieren» (des Ziegenbocks oder des Ebers), wobei nur noch in 
Balzers hääla «heilen» bekannt war. Weitere Beispiele 
sind: broota «Gären des Heus im 
Heustock»; Schtiar «Stier», auch im Fürstentum noch in der alten Bedeutung «Ochse» bewahrt; Klattera «Kotklümpchen am Hinterteil des Rindviehs», Worb (Unterland: Warb) für «Sen- senstil»; Gaart für «Peitschenstil» (Unterland), usw. Noch bekannt sein 
dürfte Binda für die «Speckseite» oder gumpa für «Llüpfen». Anderer, hier festgehal- tener Wortschatz ist hingegen ausser Gebrauch ge- raten. Beispiele hierfür 
sind: Pipfolder (Triesen: Pip- pold) für 
«Schmetterling», hölpa «hinken» oder Fergger «Schüttstein». Somit konnte wiederum ein wichtiger Teil des Wortschatzes, wie ihn die althergebrachte Mundart überliefert hat, festgehalten und veröffentlicht wer- den. Wangen, 14. Dezember 2004 VORARLBERGER SPRACHATLAS MIT EIN- SCHLUSS DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN Professor Dr. Eugen Gabriel ANSCHRIFT Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürsten- tums Liechtenstein Flandernstrasse 13/1 D-88239 Wangen im Allgäu Tel. 0049/7522/809 11 Fax 0049/7522/293 Ol 271
        

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