- der kollektive, körperliche Aufwand der Hinter- bliebenen, eine Brand- oder Erdbestattungsstätte anzulegen konnte sehr unterschiedlich sein. In der Bronzezeit erfolgte die Verbrennung in der Regel an anderer Stelle als die Beisetzung. Verein- zelt wurden Tote auf der Grabstelle selbst ver- brannt.67 Die während der Bronzezeit in Europa vor- kommenden Grabformen und Bestattungsweisen waren im wesentlichen bereits während der Kup- ferzeit bekannt und sind teilweise in die Eisenzeit eingegangen.68 Im Zeitraum zwischen der jüngeren Bronzezeit und der spätrömischen Kaiserzeit wird die Leichen- verbrennung die ausschliessliche oder vorherrschen- de Bestattungsform im vor- und frühgeschichtlichen Europa.69 Hier am «Runda Böchel» handelt es sich um eisen- zeitliche Brandbestattungen. Nachfolgend soll ver- sucht werden, dieses Bestattungsritual im Zusam- menhang mit der Eisenzeit zu interpretieren. Dazu ist es notwendig, sich in den eisenzeitlichen Men- schen einzufühlen, denn der Mensch wird immer auch durch sein Umfeld (Sozietät, Natur, in der er lebt) geprägt. Der Eisenzeit gingen, wie schon erwähnt, andere Metallzeiten voraus, ihnen wiederum die Zeit der Sesshaftwerdung mit Holz und Ton als zu verarbei- tenden Materialien. Diesen Zeiten ihrerseits gingen die Steinzeiten voraus, in welchen schon lange Mi- neralien und hartes Gestein Verwendung fanden.70 Auch mit den metallverarbeitenden Kulturen fan- den bedeutende gesellschaftliche Strukturwandlun- gen statt, welche sich im Alltag, in der Kultur und im religiösen Ritual auswirkten. Beck schreibt in der Einleitung zu seinem Buch «Die Geschichte des Eisens»,71 dass die Wichtigkeit des Eisens auf seinen Eigenschaften und auf der Verarbeitung beruhe. «Von allen metallischen Ele- mentarbestandteilen nimmt das Eisen den hervor- ragendsten Anteil an der Zusammensetzung unse- res Erdkörpers ein. Seine Oxide bilden einen wichti- gen Gemengteil der Gesteine, welche die feste Erd- kruste bilden.» 
Ausserdem sind drei bis fünf Gramm Eisen in je- dem Menschen von Natur aus vorhanden.72 Eisen transportiert über das Hämoglobin im Blut den Sauerstoff in die Zellen und ermöglicht damit Leben schlechthin. So wie der Kern des Erdkörpers 2900 km unter der Erdoberfläche aus flüssigem Ei- sen besteht, das an die Oberfläche drängt, so be- ginnt alles irdische Leben mit diesem Metall. In der Homöopathie wird eisenhaltige Medizin verabreicht (zum Beispiel Ferrum D 20), um die Lebenskraft zu steigern. Blutarme Menschen sind dem Leben nicht gewachsen. Sie können durch Essen von eisenhalti- gen Pflanzen (wie Brennesseln, Eisenkraut, Spinat) ihren Lebensmut zurückgewinnen. Im Märchen «Die wilden Schwäne» von Hans Christian Ander- sen73 wurden die Brüder einer Prinzessin von einer bösen Fee in Schwäne verzaubert. Sie traten aus ihren Körpern aus und wollten die Erde verlassen. Die Prinzessin webte darauf hin Brennesselnhem- den, um ihre verzauberten Brüder wieder auf die Erde zurück zu holen und in Menschen zurück zu verwandeln. Eisen bindet also die Seele an den Kör- per. Dem Menschen war Eisen schon lange in Form von Meteoreisen bekannt.74 Etliche Tonnen schwere Stücke haben im Laufe der Geschichte die Erdober- fläche erreicht und pro Jahr fallen ein paar Millio- nen Tonnen meteorischer Eisenstaub auf die Erde. Meteoreisen kommt also vom Himmel. Mit der Entdeckung von Eisenerz drang der Mensch ins Erdinnere vor. Vielleicht wurde er sich auch des Eisens in seinem Blut bewusst? In der Homöopathie gilt: «Die Kraft des Eisens gibt dem Menschen Ta- tendrang und das Vermögen, im Stoff zu verwirkli- chen, was sich die Seele vorgestellt hat.»75 Die Möglichkeit, Erze zu schmelzen und die ge- wonnenen Metalle zu verarbeiten, zu härten, mobi- lisierten im Menschen Unternehmungslust, Arbeits- und Kampfkraft. Er versuchte wiederum (und tut es immer noch!) sich mit der neuen Materie zu verbin- den. Der Mensch in der Eisenzeit erlebte «hand- fest», wie durch die Bearbeitung von Eisen mittels Feuer und Luft Gebrauchs- und Ritualgegenstände sowie Waffen hergestellt werden konnten. 214
        

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