BRANDBESTATTUNGEN AUS DER EISENZEIT VOM «RUNDA BÖCHEL» IN BALZERS / MARIANNE LÖRCHER Altersbestimmung Anhand der Masse und Schädelnahtbefunde kann davon ausgegangen werden, dass sich in diesen sie- ben spätbronzezeitlichen Gräbern keine knöcher- nen Reste von Personen befanden, welche im Kin- des- oder Jugendalter verstorben waren. In Grab 2 befanden sich Leichenbrandreste einer sicher über 40-jährigen Person. Geschlechtsbestimmung und Robustizität Merkmale zur Geschlechtsbestimmung sind in die- sen Leichenbrandresten nur wenige zu beobachten. Lediglich im Leichenbrand aus Grab 6 fanden sich LIinweise, dass es sich um die knöchernen Reste ei- ner Frau handeln könnte. Bei den anderen Gräbern können nur Aussagen über die Robustizität der Knochenreste gemacht werden: Grab 2, 3 und 5 ent- hielten relativ robust ausgebildete Knochenreste, in Grab 1 waren sie eher grazil und bei den Gräbern 4 und 7 kann über die Robustizität nichts ausgesagt werden, da die Knochenreste nur spärlich in sehr kleinen Fragmenten vorhanden sind. Um über die Robustiziät auf das Geschlecht der Verstorbenen zu schliessen ist die Repräsentativität zu gering und die Anzahl der Bestattungen zu klein. Auffallend ist die sehr grosse Wandstärke der Schädelfragmente im Leichenbrand von Grab 5. Es könnte sich hier allenfalls auch um eine pathologi- sche Veränderung handeln. Repräsentativität und Mindestindividuenzahl In keinem der sieben Gräber sind Hinweise gefun- den worden, welche für Doppel- oder Mehrfachbe- stattungen sprechen würden. Die Repräsentativität in den Gräbern 1, 2 und 5 ist gemäss der Definition, dass auch kleinste knöcherne Körperteile vertreten sein sollten, gewährleistet. Im Leichenbrand der Gräber 3, 4 und 6 fehlen diese kleinsten Knochentei- le. Grab 7 enthält lediglich zwei Schädelfragmente und einige Langknochensplitter. Es ist denkbar, dass der Inhalt von Grab 7 nicht vollständig gebor- gen wurde, zumal in den Tagebuchnotizen dieses Grab gar nicht erwähnt wird. 
Pathologische Veränderungen und Verschleiss- erscheinungen Zwei Gräber enthielten Leichenbrand mit pathologi- schen Veränderungen: in Grab 2 fanden sich Wir- belreste, an welchen Spuren festzustellen sind, die auf Verschleiss hindeuten: Wirbelkörperfragmente zeigen Randwulstbildungen, welche eventuell auf Spondylosis deformans durch Degeneration der Bandscheibe zurückzuführen sind. Teilweise sind auch die Zwischenwirbelgelenke davon betroffen. In Grab 5 sind Schädelfragmente enthalten, die eine sehr grosse Wandstärke aufweisen. Die Kno- chenstruktur erscheint ausserdem sehr porös. Epigenetica An Schädelfragmenten vom Leichenbrand zweier Gräber konnten Varianten epigenetischen Merkma- le beobachtet werden: das Individuum aus Grab 5 zeigt am Hinterhauptknochen ein Foramen mastoi- deum exsuturalis^''. Am Stirnbeinfragment der knö- chernen Reste aus Grab 6 gibt es rechts eine Varian- te des Foramen supraorbitalism, eine so genannte Incisura frontalis. Tierknochen Im Leichenbrand von fünf der sieben spätbronze- zeitlichen Gräber waren Tierknochenfragmente ent- halten. Sie waren nur teilweise verbrannt. Die Grä- ber 6 und 7 enthielten keinerlei Tierknochenreste. 56) Siehe Abbildung 11. Seite 192. 57) Bill, 1983. 58) Müller-Karpe,1980. 59) Am hinteren äusseren Rand des Schläfenbeins gelegener Kanal, dicht neben der Schädelnaht. 60) Öffnung am gegen die Mitte gelegenen Ende des knöchernen, oberen Augenrandes. Die Incisura frontalis ist eine Einkerbung an dieser Stelle. 201
        

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