BRANDBESTATTUNGEN AUS DER EISENZEIT VOM «RUNDA BÖCHEL» IN BALZERS / MARIANNE LÖRCHER Auf den allermeisten vorgeschichtlichen Gräber- feldern herrschen unabhängig von der Bestattungs- art Einzelbestattungen vor. Doppelbestattungen können auf verschiedene Art und Weise zustande kommen. Die bekannteste Variante ist diejenige mit Frau und Kind, wobei fast immer impliziert wird, dass es sich um Mutter und Kind handelt.33 Die Doppelbestattung zeichnet sich durch erwie- sene Gleichzeitigkeit des Bestattungsvorganges aus. Unterschiedlicher Verbrennungsgrad kann auf Doppelbestattungen hinweisen oder auch aufzei- gen, dass zu verschiedenen Zeitpunkten verbrannt worden ist. Bei Skelettfunden wird bei Mehrfachbe- stattungen angenommen, dass zwischen den ge- meinsam bestatteten Individuen auch im Leben eine soziale Verbindung bestanden habe. Diese Annah- me gilt wohl auch für Leichenbrand-Doppel- oder Mehrfach-Bestattungen. Nachbestattungen sind Be- stattungen von zwei oder mehreren Individuen, die in einem gewissen zeitlichen Abstand erfolgen und oft eine Störung des Skelettverbandes des oder der zuvor Bestatteten mit sich bringen. Mehrfachbestat- tungen sind zeitgleiche Bestattungen von mehreren Individuen, die gleichzeitig verstarben oder aber gleichzeitig bestattet wurden. Oft können verwandt- schaftliche Beziehungen nachgewiesen werden. Auch bei Leichenbränden sind aus verschiedenen Zeiten Dreifächbestattungen mit unterschiedlichen Kombi- nationen von Männern, Frauen und Kindern nach- gewiesen. Verstreute Einzelknochen in einer Grabgrube, die wahrscheinlich mit der Füllerde ins Grab gelangt sind und von gestörten Bestattungen stammen, re- präsentieren ein weiteres Individuum, rechtfertigen aber nicht die Bezeichnung Doppelbestattung. In dieselbe Kategorie zufälliger Beimischungen gehö- ren bei Brandgräbern die sogenannten Leichen- brandverschleppungen, die auf die Benutzung stän- diger Verbrennungsplätze (Ustrinen) hindeuten.34 Grösste Probleme entstehen bei der Bewertung sehr geringer Leichenbrandmengen, wenn zwei Indivi- duen repräsentiert sind. Verschiedene Verbren- nungsgrade können darauf hinweisen, dass Kno- chenteile, die schwächer oder kaum geschrumpft sind, dennoch zum gleichen Individuum gehören. 
In der Anordnung der Gräber gibt es zwischen den beiden Arealen Kaufmann und Foser Unterschiede, die in der Bearbeitung des Leichenbrandes berück- sichtigt werden mussten: Im Areal Kaufmann über- schneiden sich die Bestattungen nicht. Im Areal Fo- ser hingegen werden einzelne Gräber durch ihre Steinsetzungen oftmals von mehreren anderen Grä- bern überlagert.35 Die Koordinaten zur Lokalisation der Gräber, Fundkonzentrationen und Streufunde sind bei Gurt- ner36 nachzulesen und in Abb. 11 dargestellt. Anschliessend an die Auswertung wurden sämt- liche Funde nach der Usanz in der Archäologie in- ventarisiert. Alle bei der Untersuchung erhobenen Daten sind in der Archäologie des Fürstentum Liechtenstein unter den Inventarnummern Q 0115, Q 0116 und Q0118 archiviert. 29) Eiscnmangol im Blut kann 7.11 diesem Krankheitsbild führen: in der Folge beginnt im Augenhöhlendach ein Substanzabbau im Kno- chen und es entsteht eine siebartige Durchlöcherung des knöcher- nen Augendachcs. 30) l.inienförmige Verkalkungszonon in den l.angknochen. welche auf zeitlich beschränkte Wachstumsstillständc im Wachstumsalter hinweisen. Sie entstehen im Zusammenhang mit Eiwciss-Mange- lernährung oder auch mit einer durchgemachten schweren Infekti- onskrankheit. 31) Czarnetzki, 2000. 32) Gurtner. 2004. S. 67. 121. 128 und 157. 33) Wahl. 1994. 34) Wahl und Kokabi. 1988. 35) Gurtner. 2004. 36) Ebenda. S. 56-64. 185
        

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