BRANDBESTATTUNGEN AUS DER EISENZEIT VOM «RUNDA BÖCHEL» IN BALZERS / MARIANNE LÖRCHER Material und Methode Das in die anthropologische Bearbeitung einbezoge- ne menschliche Knochenmaterial aus Balzers, «Run- da Böchel», stammtaus den Arealen Foser (Q 0115), Kaufmann (Q 0116) sowie Strasse Mälsner Dorf (Q0118). Insgesamt sind Leichenbrandreste aus sieben bronzezeitlichen, 30 eisenzeitlichen Gräbern, fünf Fundkonzentrationen und vielen Streufunden un- tersucht worden. Die anthropologische Datenerhe- bung liefert sowohl Angaben über die Lage der Be- stattungen (anhand der fotographischen Dokumen- tation anlässlich der Grabung) als auch Daten über Körpergrösse, Alter, Geschlecht, pathologische Ske- lettveränderungen und epigenetische Merkmale. An verbrannten Knochenresten werden grundsätzlich dieselben Methoden angewandt wie an nichtver- branntem menschlichem Knochenmaterial.13 Die Bestimmungen erfolgten ohne Kenntnis der archäo- logischen Beigabenfunde.14 Die anthropologische Bearbeitung der Leichen- brandreste erfolgte gemäss den Empfehlungen von Rösing,'5 Wahl16 sowie Herrmann et al.17 Die Aus- wertung der Leichenbrandfunde wurde im Wesent- lichen nach dem Schema von Wahl18 durchgeführt. Die Leichenbrandreste waren nach Fundnummern und Abstichnummern geordnet, in Plastiksäcke ver- packt und teilweise gewaschen aufbewahrt worden. Bei der Erstellung der Inventarlisten und Kataloge wurden die auf den Fundsäckchen angebrachten Bezeichnungen, durch die Erkenntnisse von Gurt- ner19 teilweise korrigiert, übernommen, um Ver- wechslungen vorzubeugen. Alsdann wurden die Funde geordnet ausgebreitet und je Fundnummer nach den Körperregionen sortiert und gewogen. Die anschliessende Untersuchung beschränkte sich auf makroskopische Kriterien: Das Gesamtgewicht des Leichenbrandes wird je- weils auf ein Gramm genau angegeben. Die Lei- chenbrandmenge ist abhängig davon, wie viel von den Brandresten vom Verbrennungsplatz aufge- sammelt worden ist und wie die Beisetzung erfolgte; die Behandlung des Leichenbrandes bei und nach der Bergung muss ebenfalls berücksichtigt werden. Für vollständige Leichenbrände schwanken die an-gegebenen 
Durchschnittswerte bei Männern zwi- schen etwa 1800 und 2000 Gramm und bei Frauen von etwa 1500 bis 1700 Gramm.20 Die aufgrund von Krematoriumsuntersuchungen gefundenen Variati- onsbreiten sind jedoch bei beiden Geschlechtern er- heblich und liegen für Männer und Frauen gleicher- massen bei ungefähr 970 bis 2600 Gramm. Die Ma- terialbeschaffenheit beim hier untersuchten Lei- chenbrand (Kleinheit der Fragmente) und die geringen Gewichte, - sie liegen alle unter den rezen- ten Erfährungswerten und teilweise sogar unter den Werten der zeitgleichen Brandgräber von Tamms2' - beeinflussen den Sicherheitsgrad der anthropolo- gischen Alters- und Geschlechtsbestimmungen ne- gativ.22 Die Verfärbung der Brandknochen wurde beobach- tet und registriert; im Katalog ist dann lediglich der Verbrennungsgrad vermerkt worden. Der Verbrennungsgrad der Knochenreste wurde nach einem Schema von fünf Verbrennungsstufen klassifiziert. Dabei wurden Färbung, Festigkeit und allgemeines Aussehen beobachtet, um allenfalls zu- sätzlich Schlüsse zu ziehen auf Verbrennungstech- nik oder besondere Verbrennungsrituale. Teilab- deckung, Witterungsbedingungen, die Menge des Feuerungsmaterials können sich ebenso auf den Verbrennungsgrad auswirken (Abb. 2a-d). 13) Bräuer. 1988. 14) Die archäologischen Untersuchungen sind in der Dissertation von Gurtner. 2004 nachzulesen. I 5) Rösing, 1977. 16) Wahl, 1982. 17) Herrmann et al.. 1990. 181 Wahl und Kokabi. 1988. 19) Gurtner, 1999. 20) Herrmann. 1976. 21) Kaufmann, 1978. 22) Herrmann. 1972. 179
        

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