ge, womit das Extemporieren, d.h. das Stegreifspiel zugunsten des memorierten Schauspiels, untersagt wurde.173 Bevorzugt wurden französische Stücke, das Thea- ter wurde als Schule der Sitten und des Ge- schmacks angesehen und verteidigt. Verstiess eine Vorlage insgesamt gegen die Moral oder befand sich «eine Haupt= oder Nebenperson oder ein sol- cher Karackter im Stücke, welche nach den Regeln als anstössig befunden wird», konnte das Schau- spiel verboten werden. Solches betraf beispielswei- se «Kabale und Liebe» von Friedrich Schiller, da eine fürstliche Mätresse auf der Bühne agierte.174 Dass dabei nicht nur die Sittlichkeit eine Rolle spielte, zeigt sich daran, dass auch Stücke verboten wurden, welche die gesellschaftliche und ästheti- sche Ordnung in Frage stellten. Dies galt gerade auch für historische Figuren, die eine Projektion in die Gegenwart erlaubten: die Ermordung Caesars, die Vertreibung" des Königs Tarquinius, Wilhelm Teil. Ferner war auch jegliche Darstellung von Mit- gliedern des Klerus verboten, vom Papst bis zum Priester.175 Auch im 19. Jahrhundert war die Theaterzensur allgegenwärtig und hielt sich länger als die Bücher- und Pressezensur.176 Der Grund lag vor allem da- rin, dass das Theater die illiteraten Massen errei- chen und begeistern oder - aus dem Blickwinkel der Obrigkeit - aufwiegeln konnte. In der Zeit auf- kommenden Widerstandes gegen die alte Herr- schaft, zunehmender sozialer Probleme und politi- scher Mobilisierung galten Theater als gefährliche Einrichtungen, die in der weniger gebildeten Bevöl- kerung einen Funken entzünden konnten.177 Inwieweit allenfalls Wanderbühnen nach Liech- tenstein gelangten und mitunter auch der Zensur unterlagen, ist dem Autor dieses Beitrages nicht bekannt. Bis zur Gründung des Theaters am Kirch- platz in Schaan im Januar 1970 gab es jedenfalls kein festes Theater in Liechtenstein.178 Theaterauf- führungen von Vereinen reichen jedoch weiter zurück. Ab 1861 war in Triesen über viele Jahre eine Theatergesellschaft tätig.179 Das Theaterspie- len von Laien in Vereinen hat sieb bis in die Gegen- wart erhalten. Die aufgeführten Stücke dienen da-bei 
meist der populären Unterhaltung. Sie sind und waren daher nicht mit Zensur konfrontiert. In der Polizeiordnung von 1843 unterlag die Mu- sik ebenfalls der Zensur, sofern sie ausschweifen- der Unterhaltung diente und insbesondere der ka- tholischen Lebensauffassung widersprach. Dabei ist zunächst an Aufführungsverbote zu denken. Ob es in Liechtenstein zu einem Aufführungsverbot kam, ist dem Schreiber dieses Beitrags nicht be- kannt. Dass auch die Musik selbst oftmals der Zen- sur unterliegt, ist reichhaltig belegt, wenngleich für Liechtenstein wiederum wohl nur mit indirekter Wirkung. Nicht nur im Mittelalter und der frühen Neuzeit unterlag Musik fallweise der Zensur, den damaligen Zensurbestrebungen folgend insbeson- dere aus religiösen oder politischen Gründen.180 Selbst in der Gegenwart ist die Musik von Zensur betroffen.181 Dabei greift heute das Zensurmuster der moder- nen Zeit: Zensur richtet sich gegen Populär- und Rockmusik mit sexistisch-pornografischen, men- schenverachtenden, gewaltverherrlichenden oder rassistischen Tendenzen. Das Repertoire der Zen- sur reicht vom Verkaufsverbot, dem Ausschluss bei Radio- und Fernsehsendern über öffentliche Auf- führungsverbote bis hin zum Verbot bestimmter Musikgruppen. In jüngerer Zeit stehen vor allem Gruppen im Kontext neonazistischer Bewegungen unter Beobachtung. FILM UND FERNSEHEN Wenigen dürfte bewusst sein, dass manche Filme, die im Kino oder im Fernsehen aufgeführt werden, in der einen oder anderen Form verändert wur- den.182 «Filmverstümmelungen hat es von jeher ge- geben», schreibt Habel.18'1 Dahinter steht nicht im- mer die Zensur. Die «Director's cut»-Fassung eines Filmes unterliegt oftmals Veränderungen aufgrund kommerzieller Interessen der Produzenten oder der Verleiher, es kann bei internationaler Verbrei- tung zu Anpassungen an nationale Bedürfnisse kommen, häufig werden auch Kürzungen vorge- nommen, um in einen zeitlich definierten Sende- 162
        

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