rem an der Verwaltung des Gemeindevermögens, der Nutzung der Gemeindeböden, der Aufteilung der Gemeinheiten und am Militärkontingent.125 Vor allem in Schaan führte dies Anfang der 1830er Jahre zu einem Aufbegehren gegen die Ob- rigkeit. Landvogt Pokorny sandte 1832 einen Be- richt an die Hofkanzlei, in welchem er aufflackern- de Unruhen beschrieb und sich beklagte, dass sich das Oberamt in einer schwierigen Situation befin- de.126 Einerseits sollte die Ordnung erhalten wer- den, andererseits musste auf die Stimmung des Volkes Rücksicht genommen werden. In Punkt 7 ei- ner zehn Punkte umfassenden Liste bemängelte er das Fehlen einer gesetzlichen Bestimmung über das politische Verhältnis zwischen dem Oberamt und den Untertanen. Dazu schrieb er, dass die Un- tertanen bei «Behandlung immer das Gesetz se- hen» wollten.127 Die Obrigkeit war letztlich zu keinerlei Konzes- sionen bereit und wusste auch die militärische Macht Österreichs und des Deutschen Bundes not- falls auf ihrer Seite. In den  des Deutschen Bundes von 1824, 1830 und 1832 wurden klare Signale zur Herstellung und Erhal- tung der Ruhe und Ordnung ausgesandt. Darin hiess es explizit: «Die Censoren der öffentlichen Blätter politischen Inhalts sollen auf das Bestimm- teste angewiesen werden, bei Zulassung von Nach- richten über stattgefundene aufrührerische Bewe- gungen mit Vorsicht und mit Vergewisserung der Quellen, aus welchen derlei Nachrichten geschöpft sind, zu Werke zu gehen, und die bestehenden Bundesbeschlüsse vom 20. September 1819 sich gegenwärtig zu halten.»128 In der Folge wurden in Liechtenstein Reden ge- gen die Obrigkeit, ebenso schriftliche und bildliche Verunglimpfungen, welche die Bürger gegen die Staatsverwaltung einnehmen sollten, als öffentliche Ruhestörung gewertet und sollten mit Verhaftung und Verurteilung bestraft werden.129 Der Deutsche Bund wurde in seinen Bundesbeschlüssen immer heftiger. Im Juli 1832 wurde die Zensurdurch- führung in allen Bundesstaaten angemahnt, Verei- ne mit politischen Zwecken verboten, ausseror- dentliche Volksversammlungen und Volksfeste ver-boten, 
ebenso das öffentliche Tragen von Abzei- chen in Bändern, Cocarden in anderen Farben als jenen des Landes, welchem der Untertan angehört, ferner das nicht autorisierte Aufstecken von Fah- nen und Flaggen, das Errichten von Freiheitsbäu- men «und dergleichen Aufruhrzeichen».130 Das Schlussprotokoll der Wiener Ministerkonferenz vom 12. Juni 1834 legte neuerdings Wert auf eine wirksame Zensur.131 Das liechtensteinische Polizeigesetz von 1843 lö- ste das alte Polizeigesetz von 1732 ab, welches sich in manchen Punkten als ungenügend herausgestellt hatte.132 Es wies auch starke Anlehnungen an die Reichspolizeiordnung von 1577 auf. Die neue Poli- zeiordnung, in welche auch viele Regelungsberei- che aufgenommen wurden, die sonst in keinem Ge- setz Platz gefunden hatten, brachte gleichzeitig eine neue Organisation des Polizeiwesens. Die Voll- zugskompetenz lag nunmehr beim Amtsschreiber. Die vordem zuständigen Ortsrichter waren nämlich eher gegen als für das erlassene Gesetz und hatten auch in der Vergangenheit meist nicht derart ein- gegriffen, «dass eine gleichförmige ordentliche Handhabung der Polizeiordnung erzweckt wer- den» konnte.133 Die Polizeiordnung von 1843 verfolgte unter an- derem das Ziel, die öffentliche Sittlichkeit zu erhal- ten. An Sonn- und Feiertagen durften demgemäss am Vormittag gar keine, und am Nachmittag erst nach abgehaltenem Gottesdienst Unterhaltungs- musik dargeboten werden. Tanzbelustigungen wa- ren ganz verboten von der Adventszeit bis Drei-Kö- nig, vom Beginn der Fastenzeit bis zum ersten Sonntag nach Ostern, an Quatember- und sonstigen Festtagen, sowie - besonders weitgehend - an allen Freitagen und Samstagen des ganzen Jahres.134 Viele Veranstaltungen benötigten zudem eine ge- bührenpflichtige Bewilligung des Oberamtes, so öf- fentliche Aufzüge, Schauspiele, Volksversammlun- gen, Feierlichkeiten, Abhaltung von Tanzmusiken, öffentliche Bälle, aber auch Hausbälle, Tanzunter- haltungen im Familienkreis und Hochzeiten. Die Polizeiordnung war nicht nur um die Sitt- lichkeit, sondern auch um die öffentliche Sicherheit besorgt. Daher galten nach Paragraph 1 «geheime 156
        

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