ZENSUR IM GEBIET DES HEUTIGEN FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN / WILFRIED MARXER Verlagerung von der Vorzensur zur Nachzensur - mit entsprechendem strafrechtlichem und finanzi- ellem Risiko der Autoren und Herausgeber von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen - führte ten- denziell zu einer Selbstkontrolle oder Selbstzensur von Autoren und Journalisten oder Interventionen der Verleger und Herausgeber. "8 Das Repressions- system wurde noch mittels Geldkautionen und Ab- gaben verstärkt."9 Die Zensur und Pressekontrolle war nicht ohne Auswirkung auf die Zahl der Titel. In Deutschland stieg die Zahl der Titel zwischen 1832 und 1843 von 8000 auf 14000, sank aber nach der geschei- terten 1848er Revolution auf unter 10000. In Öster- reich brach das vorher boomende Zeitungs- und Zeitschriftenwesen ein: 1848 gab es 388 Titel, 1856 nur noch 128.120 ERSTE HÄLFTE DES 19. JAHRHUNDERTS IN LIECHTENSTEIN Von 1796 bis 1805 zogen mehrmals französische Heere durch Liechtenstein und besetzten das Land. Truppendurchzüge und Truppenstationierungen belasteten das Land stark. Landvogt Menzinger be- fürchtete einen Aufstand und beobachtete die kriti- sche Lage in der Schweiz und die dortigen Aufstän- de der  gegen die . Ihm er- schien vor allem die Lage in Werdenberg, Buchs und Grabs problematisch. Es verbreiteten sich re- volutionäre Ideen, Freiheitsbäume wurden ge- pflanzt. Auch in Pfäfers war es zum Aufstand ge- kommen, und einige liechtensteinische Untertanen hatten 1795 dem Abt von Pfäfers in Bendern den Novalzehnt verweigert.121 1808 wurde Menzinger durch Landvogt Schuppler ersetzt, der sich ener- gisch daran machte, die Aufträge des Fürsten aus der Dienstinstruktion umzusetzen.122 Die mit der Mitgliedschaft im Rheinbund erworbene Souverä- nität sollte nicht dazu genutzt werden, ein Natio- nalbewusstsein zu entwickeln. Im Gegenteil wur- den bürokratisch-autoritäre Reformen des Spätab- solutismus durchgeführt, die sich vor allem am ös- terreichisch-josephinischen Vorbild orientierten.123 
Die autonomen Rechtsbereiche und Entscheidbe- fugnisse der Untertanen gingen verloren. Es for- mierte sich bäuerlicher Widerstand, der 1809 vor allem in Balzers und Triesen offen ausbrach. Er war jedoch chancenlos.124 In der liechtensteinischen landständischen Ver- fassung vom 9. November 1818, welche aufgrund von Art. 13 der deutschen Bundesakte parallel zu den anderen Verfassungen der deutschen Glied- staaten erlassen wurde, fehlte jeder Hinweis auf eine Pressefreiheit. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die sich allmäh- lich aus der Untertanenmentalität befreite, zu. Die Unzufriedenheit der Bürger entlud sich unter ande- rn) Goldstern 1989, S. 41; Höbelt 2000, S. 218. 113) Höbelt 2000, S. 218 f.: vgl. auch Jones 2001. S. 149. 114) Goldstein 1989, S. 39-54. 115) Vgl. Wandruszka/Urbanitsch 1975 Bd. 2, S. 569-571. 116) Vgl. Goldstein 1989. S. 42. 117) Bundesboschluss vom 10. Dezember 1835. Nach Art. 1 über- nahmen sämtliche deutschen Regierungen «die Verpflichtung, gegen Verfasser, Verleger. Drucker und Verbreiter der Schriften aus der unter der Bezeichnung 
    

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