DIE GÄRTEN DES FÜRSTEN ALOYS VON LIECHTENSTEIN / STEFAN KÖRNER Joseph Folwarcny. Schloss Eisgrub von Süden mit Wirtschaftshof, Säulenhal- le zum Garten und Ehren- hof (v.l. n.r). Um 1810. Von der Feldsberger Allee kommend, gelangte der Gast Eisgrubs in den Eh- renhof des Schlosses. Westlich davon führte der Weg über den Wirtschafts- hof durch eine repräsenta- tive Säulenhalle in den Gar- ten, der für das Publikum kostenfrei offen stand. (daher) Schöne zur vielapostrophierten Maxime ei- ner ganzen Epoche wurde. Deren Inbegriff war der amerikanische Baum, der - als botanische Spezia- lität interessant und als Hoffnungsträger der Wirt- schaft - nach einer neuen Form der Gartengestal- tung verlangte. Wie der Bürger sich aus der feudalen Gesellschaft emanzipierte, konnte sich der Baum aus dem Ba- rockgarten zum wesentlichen Bestandteil der land- schaftlichen Gartengestaltung entwickeln. So wie sich hier gesellschaftliche und künstlerische Ent- wicklung gleichen, sah auch Schiller einen imma- nenten Zusammenhang von Freiheit und Kunst. Dem gebildeten Bürger traute er zu, Reformen für eine neue Gesellschafts- und Staatsform umzuset- zen. Auch Wilhelm Beyer sah in seiner Schrift «Der Nationalgarten», 1782, allein die Gartenkunst be- fähigt, den Verfall der Künste seit dem Barock zu be- seitigen. Die Bemühungen des Fürsten um eine exotische Pflanzenzucht fallen mit den Umgestaltungsarbei- ten der Gärten in Eisgrub, Feldsberg und dem Gar- ten in Wien zusammen. Die barocken Modi ver- pflichteten Repräsentationsunternehmungen lassen im gleichen Zuge deutlich nach. Die mithin überha- steten Bemühungen um Landschaftsentwicklung, Forst- und Gartenbau erscheinen zunächst dilettie- rend und deuten nicht auf die Nutzung von Garten-kunstliteratur 
hin. Oberste Prämisse in der Garten- gestaltung war nach der fürstlichen Hofkanzlei, dem «Naturgarten nach Euer Durchlauchts höch- ster Bestimmung und Wille noch auch das schöne und Gute ... zu verschafen», also das epochenbe- stimmende Programm der Verbindung des Nützli- chen mit dem Schönen auf den Garten als höchste Kunstform für eine gesellschaftliche Verbesserung anzuwenden. Gegen dieses für das aufkommende Gemeinwesen verantwortungsvolle, wenn auch nur eingeschränkt uneigennützige, Handeln des Fürsten Aloys, das sich in dessen «eben so reizenden als nutzbaren An- lagen»1OT widerspiegelte, steht die Herrschaftsauf- fassung seines in der Regierung nachfolgenden Bru- ders, Fürst Johann I. (er regierte von 1805 bis 1836). Als Herrscher im Sinne des josephinischen Spätabsolutismus, wonach die Macht allein beim Landesherrn lag, vollzog er ab 1805 eine konse- quente und obrigkeitlich geleitete Neustrukturie- rung der Besitzungen. Hierin nutzte er die Vorarbei- ten Aloys' und erntete in der Rezeption die Meriten. Johanns weitreichende und kostspielige Gartenpla- nungen in der Region Feldsberg-Eisgrub erscheinen 109) Patriotisches Tageblatt. 2. Mai 1804 (Nr. 35). S. 467. 131
        

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