DIE GÄRTEN DES FÜRSTEN ALOYS VON LIECHTENSTEIN / STEFAN KÖRNER te. Mit der aus dem Besuch resultierenden Ausbil- dung des späteren Eisgruber Hofgärtners Joseph Lieska in Anhalt-Dessau entstand wohl auch dessen Freundschaft zum Gärtner auf Georgenhaus, Die- trich Wilhelm Albert Klewitz.87 Der Garten an der Elbe, nach Plänen von Frie- drich Wilhelm von Erdmannsdorff, Hans Jürge und Schoch ab den 1780er Jahren angelegt, liegt - wie Eisgrub - am Rande ausgedehnter Auen und Wie- sen, verbindet waldartige Parkteile mit Feldern und Gartenanlagen. Schnurgerade Alleen durchschnei- den das Gelände, schliessen Felder der Umgebung ein, führen bis an die Elbe, was das Eingewobensein von Georgenhaus in die Landschaft unterstreicht. In Dessau wie in Eisgrub verbanden sich Elemente der bis dahin üblichen Achsenteilung mit Merkmalen früher englischer Landschaftsgärten, waren die Al- leen mit Obstbäumen und Pappeln abwechselnd be- pflanzt, gab es einen Obst- und Küchengarten. In beiden Fällen lag das Schloss mit seinen unmittelba- ren Gartenflächen am Rande einer alleenumsäum- ten Auen- und Wiesenfläche, war somit Ausgangs- punkt vieler Sichten in den Garten. Wichtigster Staffagebau für das Georgium war ein ionischer Monopteros auf erhöhtem Platz. Ge- nau wie in Eisgrub bildete er den Schnittpunkt der meisten Sichten des Gartens und war von hohen Pappeln umschlossen. Auch das Repertoire der son- stigen Kleinarchitekturen in Eisgrub gleicht dem in Dessau: Ein Ruinentor, ein Denkmal mit Aufschrift für einen Helden und ein gotisches Lusthaus finden sich in beiden Anlagen wieder. Die Bekanntheit Georgenhauses für die Verbin- dung des Schönen mit dem Nützlichen, seine bota- nischen Verbindungen nach Eisgrub, die anzuneh- mende Bekanntschaft der Fürsten, die Freundschaft der Hofgärtner, die Art der Anlage des Gartens als ornamentalfarm - besonders mit den charakteristi- schen Alleen - sowie das sehr ähnliche Repertoire der Kleinbauten weist auf die Übertragung von künstlerischen Anregungen von Dessau nach Eis- grub hin. Der Schöpfer der Gärten von Wörlitz und Georgenhaus, Johann George Schoch, war 1797 wichtigster Ansprechpartner für die Entsendung Jo- seph Lieskas zur Ausbildung in Anhalt-Dessau 
1798/99, in einem Brief vom 6. Januar 1798 bittet Fürst Aloys Schoch die versprochene Zeichnung zu übersenden.88 Dass es sich hierbei um eine Garten- planung handelte, ist wahrscheinlich, lässt sich je- doch nicht belegen. UMGESTALTUNGEN DES GARTENS NACH 1805 Noch im Sommer des Todesjahres Aloys', er starb am 24. März 1805, begannen die gewaltigen Umge- staltungsarbeiten im Gebiet des Parterres vor dem Schloss, im Tiergarten und auf der südlichen Plaka, deren Ergebnis heute noch das Bild des Eisgruber Parks ausmacht und dessen wichtigstes Gestaltungs- merkmal die bewegten Gewässerufer des Schwa- nenteiches sind. Ab 1805 bewegten hierfür rund 700 Menschen gewaltige Erdmassen.89 Da Arbeiten solchen Ausmasses grosser konzeptioneller und or- ganisatorischer Vorplanungen bedurften, ist, wie auch in der Literatur vermutet, anzunehmen, dass bereits Aloys an den Plänen zur Umgestaltung zum Englischen Park mit dem zentralen Schwanenteich mitwirkte. Die Akten der Hofkanzlei berichten im April und Mai 1805, dass Johann nach der Regie- rungsübernahme die Arbeiten im Garten weiter- führen liess, hierbei waren Hofgärtner Lieska und Wirtschaftsrat Petri «für Geschmack und Soli- dität»90 zuständig. 85) Vgl. Palriotisches Tageblatt. 2. Mai 1804 (Nr. 35). S. 468. 86) Eisgruber Amt am Hofkanzlei. 12. Januar 1797: HALW. Hofkanz- lei, Sig.: E 2-1 1/24. 87) Vgl. Dietrich Wilhelm Albert Klewitz Junior an Joseph Lieska. 24. August 1803; HALW. Hofkanzlci. Sig.: G-3/55. in dem Klewitz Lieska als «guter bester Freund» bezeichnet. Dietrich Wilhelm Al- bert (1 767 bis 1840) war Sohn Heinrich Wilhelm Friedrich Klewitz' (1738 bis 1806), der ebenfalls Gärtner in Georgenhaus war. 88) Vgl. HALW. Hofkanzlei, Registerband 179S, Miscellen Nr. 11. 6. Januar 1798; Bezug auf: Hofkanzlei. W-9/14. S9) Vgl. Neues Archiv. 27. Februar 1829. S. 130. 90) HALW, Holkanzlei. Registerband 1805, Eisgrub Nr. 51. 9. Juni 1805: Bezug auf: Hofkanzlei. Sig.: E 2-11/62. 117
        

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