lieh hat mann sonst bey anlegung englischer Gärten che ... Regeln noch überall angenohmen, nemblich: wenn die anläge aus einer verstrauchten oder mit Bäumen verwachßenen Gegend zu machen, so sieht mann mit so wenig Gängen durch zu kommen als möglich; um nicht zu viel Holtz zu verderben; und auch die Reinigung der mit Wurtzeln durch wachße- nen Steige zu viel Unkosten zu verwenden».78 Die Gestaltung eines Englischen Gartens leitete sich demnach vordergründig von ökonomischen Ge- sichtspunkten ab. Dies erinnert an die Vorstellun- gen Christian-Cajus-Lorenz Hirschfelds, der das «Anmuthige», das zugleich nutzbar ist, propagier- te79 und lässt sich in dem Stand und Macht legitimie- renden Streben nach gemeinnütziger Landespflege und bürgerlicher Angemessenheit im Umfang der Veränderung begründen. Hinzu kommen der Bil- dungscharakter der Pflanzen für den Besucher, die Funktion des Gartens als Werbung für die zu ver- kaufenden Plantagepflanzen, der veränderte Gar- tengeschmack in Europa und ein neues Naturemp- finden. Hirschfeld mahnt an, dass die Axt eines eifri- gen Gärtners das zerstören kann, was die Natur in Jahrhunderten wachsen liess und bezog sich damit auf William Chambers und dessen Kritik an den Be- stehendes negierenden Englischen Gärten. Dass die Schönheit des Gartens damit einherging, beweist die 1804 über Eisgrub geäusserte Auffassung, dass sich «hier Natur und Kultur vereinigen, eine der schönsten Gegenden der Erde zu schaffen».80 Mit dem Wunsch des Fürsten «in dem grossen Eisgruber Natur Garten ein grosses Arboret... von den besten Mieten Äpfel und Birnen»81 zu pflanzen, wurden auch einheimische Nutzhölzer in den «Kunstgarten» integriert. Dieser «Obst Garten, den man aber mit Recht, wegen dem Irregolären Verfah- ren, Walde nennen kann»,82 spiegelte die Verbin- dung eines pittoresk-ästhetischen, ökonomischen und botanisch-wissenschaftlichen Interesses des Fürsten am Ende seiner Regierungszeit wieder. Dass die Anlage eines Gartens in einer «Obstplanta- ge» besondere Faszination des aufgeklärten Geistes erregte, zeigt sich bei Shaftesbury und Jean-Jacques Rousseau. Ersterer entwirft 1712 den Idealgarten, 
der eine Mischform aus Küchengarten und Parterre, Obst- und Blumengarten ist; Letzterer drängt 1761 in «La nouvelle Heloise» auf die Verbindung von Park und Obstplantage. Rousseau macht deutlich, dass der Garten als extravagantes Prunkstück eines Potentaten ausgedient hat und durch den Nutz- und Ziergarten des Bürgers abgelöst werden soll. Der Begriff Naturgarten findet sich auch in Bezug auf die Landwirtschaft, Landschaft und Garten ver- bindenden Anlagen im böhmischen Kuks und frän- kischen Sanspareil. BAUTEN IM GARTEN Im zeitgenössischen Geschmack, der den Garten gern als «Mikrokosmos der Weltkulturen» sah, ver- banden sich auch in Eisgrub die gestaltete Natur mit einer Vielzahl von Kleinarchitekturen im und um den Garten. Vorbildlich für diese europäische Ent- wicklung gelten die königlichen Gärten in Kew (bei London), die ab 1752 von William Chambers mit exotischen Staffagebauten ausstattet wurden: Der grosse chinesische Pagodenturm, die maurische Al- hambra und die Moschee, aber auch griechische Tempel, römische Ruinen und kleine Denkmäler schützten den Wanderer des Gartens vor Langewei- le, waren Teile einer vereinfachten Bildungswelt, in der sich Fernweh mit Vergangenheit mischte. Es galt, alle Schönheit und Merkwürdigkeit der Kultu- ren im Garten zu vereinen und den Wanderer durch eine «Galerie» mit Bildern exotischer Landschaften zu führen. 78) Carl Kudzinsky an Hofkanzlci, 5. August 1793; HALW, Hofkanz- lci. Sig.: G-4/4. 79) Vgl. Hirschfold. Christian-Cajus-Lorenz: Theorie der Garten- kunst. Leipzig 1779-1785. gekürzte Neuausgahe, Berlin 1990. S.21Ü. 80) Patriotisches Tageblatt 2. Mai 1804 (Nr. 35). S. 467. 81) Eisgruber Amt an Ignatz. Holle und Joseph Lieska. 7. Dezember 1802: HALW. Hofkanzlci. Sig.: G-3/52. 82) Joseph Lieska an l-'ürst Aloys von Liechtenstein. 20. Dezember 1804: HALW. Hofkanzlci. Sig.: G-3/45. 110
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.