DIE GÄRTEN DES FÜRSTEN ALOYS VON LIECHTENSTEIN / STEFAN KÖRNER Eisgrub und sein Naturgarten. Nützliche und schöne Garten- anlagen als Spiegelbild der Zeit Die erste publizistische Äusserung über das Eisgrub des Fürsten Aloys findet sich 1793 in der «Topogra- phie der Markgraftschaft Mähren» und nennt den Ort mit dem «ganz neu erbauten, schonen, vortreff- lich eingerichteten Sommer=Schloße, ... dabey neu angelegten, sehr großen außerordentlich kostba- ren, kunst- und geschmackvollen Garten des regie- renden Fürst von Lichtenstein, am rechten Ufer der Thaya Der kleine Ort war als fürstlicher Sommersitz ei- ner der häufigsten Aufenthaltsorte des Fürsten Aloys. Kurz vor seinem Tode wurde die umgebende Herrschaft als zu einem «wahren Elysium umge- schaffen»64 bezeichnet. Eisgrub lebte von der Land- wirtschaft, was auch unter Aloys beibehalten wurde und zum zentralen Gedanken der Gestaltung des Gebietes avancierte. DER SCHLOSSBEZIRK. AUSGANGSPUNKT DES GARTENS Im Mittelpunkt des Ortes lag am Ende der Allee von Feldsberg das fürstliche Sommerschloss. Reisende um 1800 beschreiben den dreiflügeligen Bau, der 1766 bis 1772 von Isidor Ganneval klassizistisch überformt wurde, als «für den Umfang der übrigen Umgebung kleines, - aber sehr niedliches Sommer- schloß».6r' Es barg nur wenige private Räume des fürstlichen Paares und zeigte sich «ohne Ansprüche auf Pracht und architektonische Bedeutung»66 mehr als Schlösschen des Gutsbesitzers, denn als Sitz ei- nes schwerreichen Hocharistokraten. Im westlich ans Schloss angrenzenden Wirt- schaftshof entstand unter Aloys eine dreiteilige Säu- lenhalle,67 durch die der Garten zu erreichen war. Östlich des Schlosses lag die fürstliche Orangerie - die damals grösste des deutschen Raumes68 - mit ei- ner Sammlung exotischer Zierpflanzen. Der Schlossanlage südlich vorgelagert war zwi- schen 1794 und 1797 unter der Leitung des fürstli- chen Baumeisters Joseph Hardtmuth der Mayer- und Amtshof entstanden, der als Musteranlage für die Landwirtschaft des Fürsten in Eisgrub diente. Mit neuesten Erkenntnissen in Hygiene und Eintei-lung 
für Viehhaltung, Lagerung von Früchten, Wohn- und Verwaltungseinheiten gab der Hof zu Beginn einer Diskussion um die Frage nach ästheti- scher Gestaltung von landwirtschaftlichen Nutz- bauten mustergültig Antworten. DER «GROSSE EISGRUBER NATUR-GARTEN» Über den Eisgruber Garten des Fürsten Aloys nörd- lich des Schlossbereiches heisst es 1793 in Bezug auf die Anlagen aus dem ausgehenden 17. Jahrhun- dert: «von all dem ... ist nichts mehr übrig, indem der itzige herliche Garten samt dem angenehmen schönen Schloße, ganz neue erst zu unserer Zeit im neuesten Geschmacke angelegte, und hergestellte Werke sind».69 Entgegen dieser positiven Beschrei- bung wird der Garten Aloys' seit den Gestaltungsar- beiten unter Fürst Johann I. von Liechtenstein seit 1805 bis heute meist negativ dargestellt. So be- schreibt ein Text 1829 die Anlagen Aloys' als Auen- landschaft mit dammartigen Wegen, die zum Lust- wandeln «größtentheils zwischen Pfützen und ste- henden Wässern»70 wenig einluden. Die heutige For- schungsliteratur beschäftigt sich daher kaum mit dem gänzlich umgestalteten Garten aus der histori- schen und gartenkünstlerischen Umbruchszeit um 63) Schwoy, Pran/. Joseph: Topographie vom Markgraflhum Mähren. Bd. 2. Wien. 1793, S. 116 f. 64) Patriotisches Tageblatt. 2. Mai 1804 (Nr. 35), S. 467. 65) Ebenda, S. 468. 66) Schmidl 1839. S. 35. 67) Vgl. Gebäudebeschreibung der Herrschaft Eisgrub zum Gebrau- che der hohen l.andständischen Fidei-Commiß-Comission im Jahre 1837. |S. 3 f.l; HALW Herrschaftsarchiv. Sig.: H 1601. 68) Patriotisches Jageblatt. 2. Mai 1804 (Nr. 35). S. 468. 69) Schwoy 1793 (wie Anm. 63), S. 116. 70) Haderen Joseph: Die schönsten Bauten und Gartonanlagen Seiner Durchlaucht des regierenden Fürsten Johann von Liechten- stein. In: Neues Archiv für Geschichte Staatcnkunde. Literatur und Kunst. 27. Februar 1829 (Nr.17. Jg. 1. XX als Fortsetzung). S. 129- 132. hier S. 129. 105
        

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