DIE GÄRTEN DES FÜRSTEN ALOYS VON LIECHTENSTEIN / STEFAN KÖRNER den von ausländischen Bäumen als «so ein schönes mahlerisches GanzeLs], ... gleichsam ein Forsther- barium im Großen»55, weswegen das «Patriotische Tageblatt» aufrief: «So kann nun hier jeder lernen:... Man komme und sehe!»56 Die Pflanzung von Mutter- bäumen hatte im Garten Vorrang,57 denn «diese bil- den nicht nur eine angenehme Garten-Parthie; sie ist auch ein interessanter Gegenstand für den Sach- kenner und eine leichte Schule für den Lehrbegieri- gen».58 Daneben galt besonders der Küchengarten in Eisgrub, das Seminario Oeconomico, als «Segens- quelle»59 für forstliche und botanische Bildung, Na- turkunde, Landesentwicklung und -Verschönerung. Der Küchengarten war durch ein schmales Band von Gartenanlagen dem Schlossbezirk vorgelagert und mit einem Springbrunnen und Sandsteinvasen dekoriert: Dies und die Funktion des Areals als Lehr- und Schaugarten der Nutzhölzer, beweist, wie eng Gartengestaltung, Bildung und Forstbau unter Fürst Aloys zusammenhingen. Bei freiem Eintritt galt der Küchengarten ausdrücklich zur Belehrung des jungen Gärtners und des angehenden Forst- mannes, aber auch als Zuchtstätte für Pflanzen, die von hier aus «zur Verschönerung der verschiedenen Parthien des Parks dorthin versetzt werden».60 1804 waren 500 einheimische und fremde Forst- und Gartenbäume sowie Sträucher nach der No- menklatur Carl von Linnes im Küchengarten ge- pflanzt. Es fanden sich jedoch auch «ganze Beete, voll und reich an allen nützlichen Getreidearten, Oehl- und Manufakturpflanzen, an den vorzüglich- sten Wiesen- und Wildgräsern, die nur in unsern Staaten oder im Auslande anzutreffen sind».61 Im gleichen Jahr wurde ein Katalog der im Eisgruber Seminario Oeconomico angebauten Samengattun- gen in Auftrag gegeben.62 Wie im seit 1782 in Dessau bestehenden Garten des Philantropinums, sollten im Eisgruber Schau- garten für forst- und landwirtschaftliche Pflanzen neben der Sichtbarmachung des fürstlichen Sach- verstandes und patriotischen Handelns für Land und Untertanen dem interessierten Besucher Hin- weise gegeben werden, wie der Anbau effektiver ge- macht werden könnte. Eine ähnliche Rolle kam dem 
Botanischen Garten der Universität Wien zu, der da- mals zu den besten in Europa gehörte. Auch die Neuwaldegger Anlagen des mit Aloys befreundeten Grafen Franz Moritz Lacy beherbergten einen bota- nischen Schaugarten. Davon abgesehen finden sich zu diesem Zeitpunkt in Österreich keine derartigen Anlagen. - Das botanische Interesse bei der Gestal- tung der Gärten um Wien sollte kurz nach 1800 je- doch schnell an Bedeutung gewinnen, da sich die li- berale Vorstellung der Einbeziehung und Bildung des Volkes zu etablieren begann. 55) Ebenda, S. 469 f. 56) Patriotisches Tageblatt. 16. März 1805 (Nr. 24), S. 98. 57) Die Pflanzungen im Garten hatten Vorrang vor den Holzaus- pllanzungen in die Wälder: «auch ist so lauge nicht in der Walde zu vorsetzen, bis nicht die Gärton zu Eisgrub und Ecldsberg mit ver- schiedenen Mutterbäumen - und allen sonstigen fremden Hölzern ganz goreichert soyn worden» (Theobald von Walbcrg an Joseph Lieska, 8. September 1801: HALW. Hofkanzlei. Sig.: G-3/41). 58) Patriotisches Tageblatt, 9. Mai 1804 (Nr. 37). S. 505. 59) Patriotisches Tageblatt. 16. März 1805 (Nr. 24), S. 95. 60) Patriotisches Tageblatt. 5. Mai I S04 (Nr. 36), S. 482. 61) Patriotisches Tageblatt 16. März 1805 (Nr. 24), S. 94. 62) Vgl. HALW, Hofkanzlei. Registerband 1804, Eisgrub o.Nr.. o.D.; Bezug auf: Hofkanzlei. Sig.: E 2-8/76. 103
        

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