für die Privatbeteiligte Fräulein Luzie Schaie, die zur Pflege des überlebenden Bruders Fritz nach Va- duz gerufen war. Dem Gericht sind die quittierten Rechnungen bereits überreicht. Auch zu der Höhe des geforderten Schmerzens- geldes brauche ich in Anbetracht der Sachlage kein weiteres Wort zu sagen, da nur die geringe Höhe der Summe auffallen kann. Die Bemessung der wohltätigen Zwecken von den Angeklagten gemäss Art. 40, Abs. 2 L.Z.B, zuzu- wendenden Geldsumme überlasse ich vertrauens- voll dem Ermessen des Gerichtes. Sie wird aller- dings nicht gering sein dürfen, da einerseits minde- stens 3 der Angeklagten in recht guten Verhältnis- sen sind, andererseits die öffentliche Meinung aus der Festsetzung die Kennzeichnung entnehmen wird, die das Gericht der verbrecherischen Tat hat geben wollen. Die Pflicht zu Kostenersatz folgt ohne weiteres aus den gesetzlichen Bestimmungen. Die Flöhe mei- nes Flonorars als Anwalt der Privatbeteiligten wird das Gericht, unter Berücksichtigung der aufge- wendeten Arbeit und der Bedeutung des Prozesses, angemessen 
festsetzen. IM 
aus diesem Prozesse eine Malmung zu reinem Men- schentum erklingen - zur Abkehr von Verfolgungen, die in ihrer Grundlosigkeit und Unmenschlichkeit einen Rückfall in längst überwundene Unkulturzei- ten bedeuten, zur Herstellung des Zustandes, der allein die Würde des Lebens bedeutet: eines friedli- chen Zusammenlebens auf der Grundlage der Frei- heit und Gleichheit. Wenn/65die traurigen Verirrun- gen, die den Gegenstand dieser Verhandlung ge- bildet haben, wenn der Tod des ohne schlüssigen Beweis entehrender Straftat dahingegangenen Al- fred Rotter und seiner Ehefrau, denen auch über das Grab hinaus wirkliche Freundschaft von wert- vollen und hochstehenden Menschen der verschie- densten Schichten und Länder bewahrt worden ist - wenn das alles, sage ich, die Menschen und Völker auch nur ein wenig der Besinnung zuführt, dann dürfen wir mit einem Gefühl gewisser Erleichterung aus diesem Saal hinausgehen, dann sind zwei Men- schen nicht umsonst gestorben! VII. Herr Präsident, meine Flerren Richter! Ich komme zum Schluss: Ich ging davon aus, dass Liechtenstein, dieses kleinste europäische Land, der Schauplatz dieser Aufsehen erregenden Straftat und dieser so bedeutsamen Verhandlung geworden ist. Schon vielfach hat es sich in dem Weltgeschehen gezeigt, dass die Grösse eines Landes nicht massge- bend ist für die Bedeutung, die es für die Menschheit hat. Von Palästina, dem kleinen jüdischen Lande, ging eine Heilslehre durch die ganze Welt, die für alle Menschen Frieden und Liebe verhiess. Leider sind wir auch heute noch, fast zwei Jahrtausende nach der Verkündung jener Botschaft, von ihrer Verwirklichung weit entfernt - vielleicht weiter noch, als es jemals der Fall war. Möchte von diesem kleinen Lande - in die Hass- und Kampfstimmung der heutigen, von Leidenschaften geschüttelten Zeit 94
        

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