ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / WLADIMIR ROSENBAUM truges freigesprochen werden. Fiat man Ihnen et- was von den unzähligen Fällen der Korruption im christlichen, rechtsstehenden Lager erzählt? Sind Sie unterrichtet über die scheusslichen Korrupti- onsfälle Devaheim und Norddeutsche Kämmerei Lahusen, die durch gewissenlose Wirtschaft unzäh- lige kleine Sparer um das Ergebnis ihrer Lebensar- beit gebracht haben? Wieviel hat man Ihnen nicht erzählt von der Verjudung der deutschen Presse! Wissen Sie, dass von 4703 politischen Zeitungen, die 1932 in Deutschland bestanden, nur 8,3 % der viel angefochtenen Linken anzurechnen waren/55und auch von diesen nur ein kleiner Bruchteil der Verle- ger und Redakteure Juden waren? Was hat man fer- ner gescholten über den starken Anteil der Juden an den leitenden Stellen, den Ministerposten! Wissen Sie, dass in den 19 Nachkriegskabinetten des deut- schen Reiches mit etwa 250 Reichsministern nur 5 Männer jüdischer Abkunft waren? Angesichts dieser unbestreitbaren Tatsachen fragt man sich, wie es möglich ist, dass die Wahrheit derart unterdrückt, die Verleumdung dagegen al- lenthalben geglaubt und zum einzigen Wissen der grossen Menge wird. Meine Herren, wer sich die Welt- und Menschheitsgeschichte ansieht, wird zahl- reiche Beispiele finden dafür, dass Lüge und Ver- leumdung oft stärker sind als die Wahrheit - minde- stens für einige Zeit. Statt langer historischer Bei- spiele und Darlegungen will ich mich darauf be- schränken, Ihnen den Wortlaut der berühmten Arie aus dem «Barbier von Sevilla» in Erinnerung brin- gen, dessen tiefe bittere Lebenserfahrung die heite- re Fassung überschattet: «Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen, Kaum vernehmbar, in dem Entstehen, Still und leise ist ihr Wehen: Horch, nun fängt es an zu säuseln - Immer näher, immer näher kommt es her. - Sachte, sachte! - Nah zur Erde: Kriechend, schleichend! Dumpfes Rauschen! Wie Sie horchen, wie sie lauschen! Und das zischelnde Geflüster, Dehnt sich feindlich aus und düster, Und die Klugen und die Tröpfe Und die tausend hohlen Köpfe 
macht sein Sausen voll und leer! /56 Und von Zungen geht's zu Zungen - Das Gerede schwellt die Lungen - Das Gemurmel wird Geheule - Wälzt sich hin mit Hast und Eile: Und der Lästerzungen Spitzen Zischen drein mit Feuerblitzen, Und es schwärzt sich Nacht und Schrecken Schaurig immer mehr und mehr. Endlich bricht es los das Wetter, Unter grässlichem Geschmetter: Durch der Lüfte Regionen Tobt's wie Brüllen der Kanonen, Und der Erde Stoss und Zittern Widerhallt in den Gewittern! - In der Blitze Flöllenschlund! Und der Arme muss verzagen, den Verleumdung hat geschlagen, Schuldlos geht er dann, verachtet, Als ein Ehrenmann zugrund.» Meine Herren Angeklagten, Sie glauben patriotisch und deutsch zu sein, wenn Sie einen rücksichtslosen Kampf gegen alle Juden, weil sie Juden sind, führen. Sie handeln aber undeutsch, wenn Sie in dieser Wei- se vorgehen, wenn Sie der Verleumdung Ihr Ohr lei- hen. Sie wollen doch, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll - Deutsche Männer sind es, deutsche Männer edel- ster Art, die so gefühlt und gesprochen haben, wie ich es hier vertrete; Luther und Nietzsche nannte ich Ihnen bereits; lassen Sie mich Ihnen noch drei hoch- bedeutende Männer aus der deutschen Politik nen- nen: Bismarck sagt in einer Rede vom 30. Januar 1872: «Sobald wir den Staat in konfessionelle Stücke schneiden, an dem jede Konfession ihren verhält- nismässigen Anteil haben muss, so kommt auch die ganz beträchtliche Kopfzahl der jüdischen Bevölke- rung in Betracht, deren Mehrheit sich durch beson- dere Fähigkeit und Intelligenz für die Staatsgeschäf- te 
auszeichnet». I57 91
        

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