Mörder des Reichsministers Dr. Erzberger begna- digt, die Mörder von Potempa und Fememörder, die ihre Opfer nicht nur getötet, sondern in geradezu bestialischer Weise ums Leben gebracht haben, als untadlige Ehrenmänner hingestellt, sondern es werden die Mörder Rathenaus geradezu verherr- licht, indem man ihnen ein Denkmal setzt. Denken Sie an meine früheren Ausführungen - auch hier wieder das Motto: «Nicht/5-5'der Mörder, der Ermordete ist schuldig». Dafür wird das Ehren- mal für den kriegsfreiwillig 1914 zu den Fahnen ge- eilten und bald gefallenen Reichtagsabgeordneten Ludwig Frank abgerissen, nur weil er Jude war. Zu- gleich löscht man jeden Gedanken an Frieden und Freundschaft mit Stumpf und Stiel aus; das Ge- dächtnis Stresemanns wird vernichtet und dem- gemäss das Denkmal an seine Tat der friedlichen Rheinlandbefreiung abgetragen. Demgegenüber er- folgt durch alle Männer des neuen Regimes eine Verherrlichung des Krieges bis zu dem der Welt völ- lig unverständlichen Satze des deutschen Vizekanz- lers v. Papen: «Was der Frau die Mutterschaft, sei dem Manne das Schlachtfeld». Angesichts solcher offiziellen Verlautbarungen, die unablässig ertönen, können Sie es der Kultur- menschheit nicht verdenken, wenn sie Deutschland in einem latenten, doch tatsächlichen Kriegszustan- de sieht - in einem Kriege, der sich heute gegen die Juden, morgen gegen Andere richtet. An diesem Eindruck kann eine vereinzelte Friedenskundge- bung naturgemäss nichts ändern. Herr Präsident, meine Herren Richter! Glauben Sie nicht, dass ich hier ausser Zusam- menhang mit dem zur Erörterung stehenden Ver- fahren eine Abschweifung auf das Gebiet der Politik vorgenommen habe - im Gegenteil: meine Aus- führungen betreffen unmittelbar den Kern der hier zu behandelnden Fragen. Diese Tendenzen der na- tionalsozialistischen Führer und ihrer immer mehr anschwel-/5?lenden Gefolgschaft sahen die Rotters seit Jahren und mussten sie in immer steigendem Masse - ungeachtet ihrer der Gesamtheit dienenden Tätigkeit - am eigenen Leibe erfahren. Diesem Zu- stande wollten die Geschwister irgendwann einmal 
entgehen können. Sie hatten keine Neigung zur Mutterschaft im Sinne des Herrn von Papen, der übrigens selbst im Weltkrieg davon abgesehen hat, seine Ideale auf dem Schlachtfelde zu verwirkli- chen. So haben sie beizeiten, als sie noch auf der Höhe des Erfolges standen und ihr grosses Unter- nehmen in keiner Weise gefährdet war, dafür ge- sorgt, dass sie im Falle der von ihnen befürchteten weiteren antisemitischen Verschärfung eine Stätte der Ruhe und Befriedung hatten. Sie erwarben 1931, zu einer Zeit, wo sie auf der Höhe ihres Ruh- mes und ihrer Prosperität standen, das liechtenstei- nische Staatsbürgerrecht, übrigens gestützt auf Führungszeugnisse des Berliner Polizeipräsidiums. Dass sie dabei keinerlei unlautere Zwecke verfolg- ten, ergibt sich aus der Tatsache, dass ihre Voraus- sicht sich in der Erwerbung des Bürgerrechts er- schöpfte. Dagegen haben sie keinerlei Vermögen hierher gebracht. Angeklagter Schädler und Angeklagter Röckle: Können Sie, angesichts all dieser unwiderleglichen Tatsachen Ihren bisherigen Standpunkt gegenüber ihren Opfern noch immer aufrecht erhalten? Ich verlange nichts Unmögliches von Ihnen - geben Sie nur der Stimme Ihres Herzens, der Menschlichkeit Raum. Sie gehören alle vier der 
katholischen I54 Kir- che an - einer Konfession, die derartige Gewalttaten ebenso ablehnt wie den Judenhass, auch keines- wegs den ihr vielfach untergeschobenen vom Ange- klagten Röckle in diesem Falle wieder propagierten Satz: «Der Zweck heiligt die Mittel» ihrerseits ver- tritt. Ich selbst will den Angeklagten alle Gerechtigkeit widerfahren lassen und auch meinerseits zum Aus- druck bringen, welche Milderungsgründe Ihnen zur Seite stehen. Eigentlich sind Sie selbst die Opfer je- ner skrupellosen Hetze, mit der unverantwortliche Männer namenloses Unglück schufen. Auch den An- geklagten hat man die unbestreitbaren Wahrheiten, auf die ich hinweisen konnte, verschwiegen und statt dessen eine beispiellose Agitation auf falscher und verlogener Grundlage entfacht. Was hat man nicht z. B. alles von den Barmats erzählt? Und das Resultat: nach einem mehr als dreijährigen Verfah- ren mussten die Barmats von der Anklage des Be- 90
        

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