ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / WLADIMIR ROSENBAUM zu dürfen Sie mir nicht nur verholfen, sondern es in ein prunkvolles Gewand gekleidet haben. Würde ich Ihnen schablonenmässig meinen in- nigsten Dank aussprechen, wäre es viel zu wenig, um meine Gefühle zu schildern! Der jetzt erzielte Sensationserfolg kann ja nur das Ergebnis einer jah- relangen Freundschaft, gewachsen in eifriger und ehrlicher Zusammenarbeit sein. Meine herzlichste Freude ist aber, dass ich in Ih- nen, lieber Herr Direktor Alfred, diesen meisterhaf- ten Regisseur und Freund gefunden habe, der mei- ne Kunst nicht nur versteht und schätzt, sondern mir die grössten Möglichkeiten in die Hand gibt, meine Musik so 
aufhauen f39und vortragen zu dür- fen, wie es sonst von keinem Direktor europäischer Bühnen einem Komponisten geboten wird. Ihnen das alles mitzuteilen ist das Ziel dieses Briefes, welcher unsere Freundschaft und erfolgrei- che Zusammenarbeit nicht nur dokumentieren, sondern verstärken soll. Indem ich Ihnen und Ihrer lieben Frau Gemahlin - auch seitens meiner Frau - ein fröhliches und er- folgreiches Neujahr wünsche, verbleibe ich mit den besten Grüssen als Ihr ewig dankbarer gez. Paul Abraham». Dieser Brief ist nur eines der aus eigenem Antrieb eingelaufenen Zeugnisse dankbarer Künstler; wei- tere könnte ich Ihnen in beliebiger Menge vorlesen. Nun wird demgegenüber eingewandt, dass zwar einzelne prominente Künstler glänzend gestellt, die anderen Schauspieler aber schlecht bezahlt worden seien. Die Stars wurden von den Rotters allerdings hoch bezahlt; darin liegt jedoch keinerlei Vorwurf weder gegen sie noch gegen die Theaterdirektoren, die sich diesen Forderungen fügen. Auch Künstler nehmen das Gesetz von Angebot und Nachfrage für sich in Anspruch und tun das umsomehr, als sie aus vielen Beispielen von Vorgängern wissen, dass ihre Blütezeit vielfach nur sehr kurz ist. Dass die Rotters die Gagen in die Höhe getrieben hätten, ist ebenso unwahr wie absurd; die Künstler wussten ihren Wert infolge der zahlreichen Möglichkeiten im In- und Auslande durchaus zutreffend einzuschätzen - die Rotters andererseits, denen selbstverständlich 
daran gelegen war, die Ausgaben so gering wie möglich zu gestalten, haben nur soviel bewilligt, wie unbedingt erforderlich 
war. I40 Wenn die Gagen mancher Künstler dem Nicht- kenner der Theaterdinge gleichwohl exorbitant hoch erscheinen mögen, so braucht man sich nur darüber zu unterrichten, was die Lucca, Caruso, die Taglioni, Joseph Kainz u.a.m. verdienten. Sie kön- nen es mir schon glauben: die Rotters waren nicht die Erfinder der hohen Stargagen! Denken Sie an den Film, da wurden bis in die letzte Zeit noch weit höhere Gagen bezahlt. Aber auch die anderen Schauspieler hatten nicht zu klagen; auch hier sind die Vorwürfe völlig unberechtigt. Bei der straffen Handhabung der Tarifbestimmungen war es sowie- so ausgeschlossen, unter Tarif zu zahlen; in Wirk- lichkeit haben die meisten der bei Rotter engagiert gewesenen Schauspieler höhere Gagen erhalten, als sie ihnen nach den Tarifbestimmungen zustanden. Durch diese Theaterbesessenheit und eine gewisse Grosszügigkeit gegenüber Autoren und Künstlern haben die Brüder Rotter den Gesichtspunkt der Rentabilität vielleicht nicht in dem Masse beachtet, wie es an sich und bei der sinkenden Konjunktur zweckmässig gewesen wäre. Die Schulden des Kon- zerns lagen in der Natur der Sache und hätten ihn nicht im geringsten gefährdet, wenn nicht durch die sinkende Konjunktur ihre Aktiven, besonders der überaus wertvolle Grundbesitz, entwertet und da- durch unvorhergesehenerweise in Missverhältnis zu den ursprünglich normalen Belastungen geraten wäre. Das alles hätte aber keineswegs zum Zusam- menbruche führen können; erst die bei dem ersten Gerücht von Schwierigkeiten planmäs-/4;sig insce- nierte Hetze hat diesen Erfolg gezeitigt. Sie alle, meine Herren, die Sie als ehrenhafte Männer sol- chem Treiben fern stehen, ahnen gar nicht, welche entsetzlichen Wirkungen die Feindschaft der öffent- lichen Meinung mit Hilfe entsprechend informierter Zeitungen zuwegebringen kann. Napoleon sagt ein- mal: «Mit den Zeitungen kann eine einzige Feder die Welt aufwiegeln, während ein einziger Degen das niemals zustandebrächte». 85
        

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