ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / WLADIMIR ROSENBAUM be, durch ideale Interessen und gemeinsame Arbeit aufs engste verbunden war, liegen im Grabe! Nicht die Vernichtung der Täter ist das Ziel seines und meines Strebens. Wir sind 
lediglich ge-/22tra- gen von dem Geist der Verantwortung, von dem Be- wusstsein der Solidarität mit unzähligen unserer verfolgten und geplagten Brüder, in deren Interesse wir ebenso wie im Interesse der Erforschung der reinen Wahrheit dafür sorgen müssen, dass diese un- selige Tat vor aller Öffentlichkeit klargelegt, unzwei- deutig und uneingeschränkt verurteilt und durch eine gerechte Urteilsfmdung des Gerichtes einer empfind- lichen Sühne zugeführt wird, welche die Attentäter verdientermassen hart, doch nicht derart trifft, dass ihr Dasein endgültig vernichtet ist. Mögen die Angeklagten aus dem Geist des Un- rechts, der Unmenschlichkeit gehandelt haben, — wir wollen dem Geist des Rechts und der Humanität zum Siege verhelfen. III. Nun zu dem Milieu, aus dem das Verbrechen er- wachsen ist: In gewissen Kreisen in Liechtenstein, den Krei- sen um Schädler herum, fürchtete man, dass die kri- tischen Äusserungen, die seit einiger Zeit in einem Teil der ausländischen, insbesondere der deutschen Presse, gegen Liechtenstein wegen seiner Einbürge- rungspolitik erschienen waren, das Geschäftsinter- esse der Liechtensteiner Bürger, insbesondere der Gastwirte, schädigen würden. Sagen wir es doch jetzt einmal frank und frei: Es ging den Herren Schädler und manchen seiner Gesinnungsfreunde keineswegs/- 'um die hohe Politik, um die Wahrung der «nationalen Belange» von Liechtenstein. Es handelte sich zuerst lediglich um das Geschäft. Wei- das nicht glauben will, muss einmal die Einvernah- me des Angeklagten Schädler auf Blatt 17 der Akten nachlesen. Dort sagt Schädler: «Ich hatte ursprünglich den Plan, eine Zusam- menkunft von sämtlichen Kurhausbesitzern, ferner von anderen Geschäftsleuten zu veranstalten, dazu auch den Herrn Regierungschef einzuladen und 
dann zu beraten, wie man etwa vorgehen könnte, um auf das Ausland einzuwirken. Es sind doch seit Monaten die wüstesten Artikel gegen Liechtenstein geschrieben und, wie ich schon früher sagte, haben mir alte Kurgäste geschrieben, man könne nicht mehr nach Liechtenstein kommen und dergl. Aus- serdem sollte man beraten wegen dem Fall Rotter, wie man da vorgehen könnte ...». Also: als Schädler die ersten Erwägungen wegen des Falles Rotter anstellte, da waren es lediglich sei- ne Gastwirtsinteressen, die ihn antrieben - von Pa- triotismus keine Spur! Wie aber konnte man die Rot- ters, diese vermeintlichen Schädlinge am gewinn- bringenden Saisongeschäft loswerden? Da fällt es dem Angeklagten Schädler ein, sich an Röckle zu wenden, als er hört, dass dieser wieder im Lande sei. Bei seinen nebelhaften Gedanken hat er die un- klare Empfindung, dass Röckle vielleicht Rat und Hilfe wisse. Auch bei diesem ist die idealistische Ge- sinnung im höchsten Masse zweifelhaft. Der stei- gende Reichtum des kleinen Landes beruht zum grossen Teil auf der von ihm so heftig angegriffenen Einwanderung. Die auf ihr beruhenden Bauaufträge hat er ebenso gern übernommen, wie zum Beispiel die Errichtung einer Synagoge in Frankfurt am Main. Wie verträgt sich das mit seinem Antise-/--* mitismus? Eine widerspruchsvolle Einstellung, die ebenso unsympathisch berührt, wie die vorurteils- freie Auftragserteilung von Juden an Christen, ihr Gotteshaus zu erbauen bemerkenswert ist. Wann und wo hat wohl eine christliche Gemeinde den Bau einer Kirche einem jüdischen Künstler übertragen? Bei der nun folgenden Unterhaltung im Cafe Real zwischen Schädler und Röckle erwähnt dieser, wie trotz seines Leugnens Schädler mehrfach glaubhaft aussagt, es habe in Deutschland schon ein Plan be- standen, die Rotter mit Gewalt aus Liechtenstein zu bringen. Dieser Gedanke wird bestärkt durch eine Mitteilung Rheinbergers an Schädler, dass auch in Konstanz in nationalsozialistischen Kreisen der Plan bestehe, die Rotters von Liechtenstein wegzu- holen; verschiedene Leute in Konstanz seien bereit, die Rotters zu entführen. Durch diese Mitteilungen von Röckle und Rheinberger gewinnen die Gedan- ken Schädlers immer festere Gestalt, sodass er so- 79
        

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