ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / WLADIMIR ROSENBAUM die Augen von Gasschüssen, wie Fritz Rotter bei sei- ner Einvernahme ausgesagt hat, aber sie versu- chen, sich gegen den Ueberfall zu wehren, so gut es geht. Wie wild schlagen sie mit den Fäusten um sich, wehren sich gegen eine Uebermacht junger, kräfti- ger und bewaffneter Menschen. Die Ueberfallenen haben es schwer: zwei Frauen und zwei Männer sind sie nur - der eine Mann Alfred Rotter dazu noch sehr krank; trotzdem gelingt es ihnen, gegen die be- waffnete Uebermacht aufzukommen. Fritz Rotter wird vom Kampfplatz abgedrängt - eine Gruppe der Attentäter schleppt ihn in einen Vorraum des Ho- tels. Dort geht die Schlägerei von neuem los: 4 oder 5 junge bewaffnete Burschen gegen einen älteren Mann! Aber es gelingt den Attentätern nur, ihm eine Handfessel um ein Flandgelenk zu legen; die Fesse- lung der Hände auf dem Rücken kann er abwehren, obgleich man so auf ihn einschlägt, dass er im Ge- sicht und an der Stirn zu bluten anfängt. - Als Fritz Rotter bereits die Kräfte zu erlahmen beginnen, hört er ein Auto vorfahren; er hört, wie der Chauffeur den Angreifern «Einsteigen» zuruft. Die Attentäter lassen von ihm ab, laufen zum Auto und fahren da- von. Wenige Augenblicke danach kommt Schädler zu Fritz Rotter; er gibt sich den Anschein, als sei auch er durch den Überfall aufs höchste überrascht, beruhigt Fritz Rotter auf dessen erste Frage nach den Geschwistern mit der Versicherung, dass diese in Sicherheit seien und ver-/77anlasst ihn schliess- lich, in sein Auto einzusteigen, das ihn nach Vaduz bringen solle. Fritz Rotter, der in der Arglosigkeit des anständigen Menschen gegen Schädler auch jetzt noch kein Misstrauen gefasst hat, steigt zu ihm ein und bittet ihn, der ihm, dem Verletzten, noch freundlich beim Einsteigen hilft, nur bis Masescha zu fahren, weil Fritz Rotter glaubt, dort Hilfe zu fin- den. Schädler, der dies unter Beibehaltung seiner Rolle als liebenswürdiger, hilfsbereiter Mann sofort zusagt, fährt los, hält jedoch keineswegs bei Mase- scha, sondern rast dort in wildem Tempo vorbei! Rotter in seiner Ahnungslosigkeit begreift immer noch nicht, was das zu bedeuten hat. Er bittet Schädler zu halten - dieser, in der Meinung, er sei durchschaut, ruft: «Wir verunglücken, wenn Sie mir etwas tun». Fritz Rotter aber erkennt immer noch 
nicht die Situation. Da sieht er plötzlich den deut- schen Wagen vor sich; schnell prägt er sich die Auto- nummer ein - reisst dann, als er drei Arbeiter auf der Strasse sieht - die Tür des schnellfahrenden Au- tos auf, springt heraus und bleibt mit zerschmetter- ter Schulter auf der Landstrasse liegen! Eine vorbei- kommende Dame hilft ihm auf, er begibt sich in das nächste Haus und telefoniert um Hilfe für die ande- ren Ueberfallenen. Jetzt erst erfasst er, dass er, seine Geschwister und Frau Wolf die Opfer eines schändli- chen Ueberfalles geworden sind, jetzt erst begreift er die Verräterrolle, die der liebenswürdige junge Mann, Herr Schädler - unter Missachtung des gera- de von den Germanen als heilig verehrten Gastrech- tes -/"'gespielt hat; jetzt auch ahnt er, fast hellsich- tig, dass seinen Geschwistern grösseres Unheil wi- derfahren sei. Und leider sollte ihn seine Ahnung nicht getäuscht haben. Während die Angreifer Fritz Rotter in den Vor- raum des Kurhauses abgedrängt hatten, war auch vor dem Hause ein Kampf entbrannt. Einer der Tä- ter war Frau Wolf nachgelaufen. Diese schildert bei ihrer Einvernahme, wie der Angreifer ihr bei der Verfolgung einen kleinen Revolver vor das Gesicht hält. Sie hat auch eine Wunde am Auge gehabt - kann aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob ihr der jugendliche Fleld, der seine Tapferkeit an dieser un- beteiligten, fast 50jährigen Frau erprobte, diese Verletzungen zugefügt hat. Sie erinnert sich nur ei- nes Geräusches, von dem sie vermutet, es sei ein Pi- stolenschuss gewesen. Dann gelingt es Frau Wolf, sich zu befreien und Umschau zu halten; sie sieht, wie Alfred und Gertrud Rotter sich vor dem Hotel gegen den Angriff einiger Leute wehren, sie sieht die Eheleute Rotter auf sich zueilen. - Alfred blutet am Halse, wie sie feststellen kann - und dann flieht sie in namenloser Angst bergab. Dabei sieht sie plötz- lich noch Alfred und Gertrud Rotter den steilen Berghang herunterrollen, sie hört einen Schmer- zensschrei der Frau - dann stürzt sie selbst den Ab- hang herunter. Wie durch ein Wunder kommt Frau Wolf mit dem Leben davon. Alfred und Gertrud Rot- ter aber werden einige Stunden später als Leichen gefunden - die auf das tiefste zu beklagenden Opfer eines verbrecherischen, schändlichen Anschlags! /'9 77
        

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