Das Kurhaus auf Gaflei gerät infolge des hier geschehenen Überfalls auf die Rotter in die interna- tionalen Schlagzeilen. Kurhaus Gaflei In Liechtenstein Der Schauplatz der Rotter-Tragödie 5. April 1933 der Familie Schaie-Rotter in unserem Land widerfahren ist, ist von einem Ausmass, dass ein jeder, und zwar bis an den heutigen Tag, zumin- dest Teile davon von seinem Bewusstsein fernzuhal- ten versuchen wird. Der Schreibende möchte sich hiervon nicht ausnehmen. Doch so unerträglich die Katastrophe ist, sie nahm ihren Ausgang im «Alltäglichen». Und wenn es gelin- gen sollte, die Aufmerksamkeit auf das Triviale des historischen Geschehens zu lenken, wären wir einen Schritt über die monumentale Geschichtsschreibung hinaus, der diese selbst problematisieren könnte. Ich beginne daher mit Einzelheiten, «Kleinigkeiten», wie man vielleicht meinen könnte: Dass der Triesenber- ger Gemeindevorsteher dem überlebenden Fritz Rot- ter acht Franken berechnet für «Bemühungen und Zeitversäumnis im Falle Rotter», das heisst dafür, dass er sich ein-, zweimal an den Tatort bemüht hat. Das ist grauenhaft, und nur schwer ist über solches zu reden. Dass das Tränengas «Lacrimae-Spezial» hiess, das die Rotter wehrlos machen sollte, dass auch Morphium und Giftspritze bereit lagen. Dass Fritz Rotter wenige Tage nach dem Tod seines Bru- ders und seiner Schwägerin im Gasthaus «Samina» 61 Flaschen Bier für den Suchtrupp bezahlt hat, der die Suche recht bald abgebrochen hatte.8 Dass nach dem Bericht des Triesenberger Jägers Gottlieb Eber- le, der die Leichen gefunden hat, das Hündchen der Frau Wolff, die ganz zufällig in die Katastrophe ver-wickelt 
und dabei schwer verletzt worden war, ober- halb der Absturzstelle bei einer «Kralle», das heisst Perle aus der zerrissenen Halskette seiner Herrin ausharrend aufgefunden worden ist.9 Und dass die Spitalschwestern in Vaduz für den verletzten überle- benden Fritz Rotter einen Wachdienst organisiert ha- ben aus Angst, der liechtensteinische Mob könnte im Krankenhaus auftauchen, um ganze Sache zu ma- chen. In all dem steckt das Grauen. Es ist das Grauen des Jahrhunderts. Am 5. April 1933 ist dieses Land (das eigentlich gar nicht gern auf sich aufmerksam macht und das so froh wäre, wenn niemand wüsste, dass es Rumpelstilzchen heisst) «ins Licht» der europäischen Geschichte des 20. Jahr- hunderts getreten. Eine Geschichte fortgesetzter Menschheitskatastrophen. Und Liechtenstein war ein Teil davon, nicht nur erleidend, sondern durch- aus aktiv. 8) Eine zweite Rechnung, ausgestellt vom Gasthaus in Masescha, diesmal adressiert an die «hohe, Fürstliche Regierung», weist neben 3 Vi Liter Wein und einigen Gläsern Cognac und Kirsch weitere 92 Fla- schen Bier aus. - Vgl. Bellasi, Andreas; Riederer Ursula: Alsleben alias Sommerlad. Liechtenstein, die Schweiz und das Reich. Zürich, 1997, S. 109. 9) Alle Angaben hier mit Ausnahme der Information über die Vadu- zer Spitalschwestern nach Dokumenten im Landesarchiv (LLA S 66/43). 60
        

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