ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / PETER KAMBER phalen Fehlentscheid der Rotter hatte Flenschke «Krach gemacht», «Ende Dezember», als die Se- kretärin der Rotter Flenschke mitteilte, «dass ich 75.000.- RM für den 31. Dezember 1932 an Gagen brauche».34 Dabei standen die Rotter laut Aussagen des Buchhalters per 1. Januar 1933 gegenüber Henschke nur mit 157 000.-in der Kreide.55 So wurden Henschke und die «Gesellschaft der Funkfreunde» die grossen Gewinner der Rotter-Plei- te, die angesichts des Riesenerfolgs von «Ball im Sa- voy» geradezu grotesk und absurd schien, aber doch selbstverschuldet war. Die Rotter hatten nach den zwei Misserfolgen für einen Augenblick den Glauben an ihr Glück verloren und sich dadurch die bevorste- henden Gewinne des «Ball im Savoy» entgehen las- sen. Die Brüder Rotter waren zum Erfolg verdammt gewesen - und hatten verloren. Sie versanken im Schuldenberg. Die Beiträge für die Beschäftigten der Rotter-Bühnen an die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin wurden bereits seit November 1932 nicht mehr bezahlt,56 der Kohlenfirma seit Anfang Dezember nicht mehr;57 Zinsen für Hypotheken wa- ren «seit etwa Anfang 1932 rückständig»;58 Pla- katrechnungen59 blieben seit Oktober 1932 und An- zeigen in den Zeitungen des Ullstein Verlags seit der 44) Absetzung der Regierung von Otto Braun (SPD) in Prcusscn am 20. Juli 1932 durch die Reichsregiorung Franz von l'apen. 45) LA Berlin, A Rep. 358-02. Nr. 108620 (Zeugeneinvernahmen), Bl. 115 (Befragung von Thea Lorenz. Sekretärin des Vereins Berliner Presse vom 18. März 1933). 46) Vgl. die Zeugenaussage von Richard Bars vom 23. März 1933 in: LA Berlin. A Rep. 358-02, Nr. 108620. Bl. 133-135. 47) «Berliner Börsen-Courier». 18. Januar 1933. 48) Ebenda. 49) LA Berlin. A Rep. 358-02, Nr. 1 12764, «Anklage» des General- staatsanwalts bei dem Landgericht 1 vom 19. Juli 1933. S.II. 50) LA Berlin. A Rep. 358-02. Nr. 108620 (Zeugeneinvernahmen). Bl. 94 und 100 (Befragung der Schauspieler Hans Brausewetter und Friedrich Auer, genannt Honna. vom 17. März 1933). Wie schlecht die beiden Operetten waren, muss dem theaterhistorischen Urteil über- lassen bleiben. Das als links und demokratisch einzustufende «12 Uhr- blatt» schrieb am 27. Januar 1933: «Herrn Henschkcs Bonsystem war beispiellos und verheerend, aber wie sympathisch wird der Herr Henschke, wenn man hört, dass sogar er sich geweigert hat, seine Abonnenten in die Schundaufführungen der Rotters zu schicken. Die Rotters und ihre Vorkämpfer haben ja immer behauptet, dass mit 
dem. was die Leute, auf die sie verachtend herabgesehen haben, Kunst nannten, kein Geschäft zu machen ist. Was sie für Geschäfte gemacht haben, steht ja fest. Die Aufführungen des II. Teil des  im Staatlichen Schauspielhaus aber finden jeden Abend vor ausver- kauftem Hause statt. Hunderte müssen zurückgewiesen werden. An den Vorverkaufskassen bilden sich Schlangen, zu  war kein Mensch hineinzubringen, um fünf Stunden  reissen sich Berlins Theaterbesucher: das hätte jemand den Brüdern Rotter prophezeihen sollen». 51) LA Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108620 (Zeugeneinvernahmen), Bl. 101 (Befragung der Direktionssekretärin Ruth Falkenstein vom 17. März 1933). Die Gagen waren von der «Gesellschaft der Funk- freunde» vorgeschossen worden. Diejenige vom Dezember konnten mit einem letzten Vorschuss noch bezahlt werden. Dabei verkrachte sich Alfred Rotter aber Ende Dezember 1933 mit dem Leiter der «Ge- sellschaft der Funkfreunde» Henschke. Dazu die Direktionssekretärin der Rotten Ruth Falkenstein: «Ich weiß nur, dass Fritz Rotter mir wiederholt sagte, ich sollte zu Henschke immer höhere Beträge an- geben, als ich brauchte. Was Fritz Rotter mit den überschießenden Beträgen gemacht hat, kann ich nicht sagen. Einmal hat Henschke Krach gemacht, und zwar war das Ende Dezember 1932 als ich ihm sagte, dass ich 75.000 - RM für den .31. Dezember 1 932 an Gagen brauche. Er lief dann raus und hatte draußen eine Auseinanderset- zung mit Fritz, und Alfrod Rotter. Später kam jemand zu mir herein und sagte, es stände faul, Henschke wolle die Gagen nicht mehr zahlen». 52) LA Berlin, A Rep. 358-02. Nr. 108606. Bl. 1-3, Aussage des Buchalters der Brüder Rotter, Conrad Wolff, vom 30. Januar 1933. 53) Da das Theater nur gemietet war. ging die Hälfte der Einnahmen sowieso an den Besitzer dos Grossen Schauspielhauses: vgl. Berliner Börsen-Zeitung, 18. Januar 19.33: «Das Große Schauspielhaus, das mit  täglich volle Häuser macht, muss seine Kasse zu 50 Prozent an Reinhardt abführen, der Rest geht an die Gesellschaft der Funkfreunde>, deren Inhaber die Aufführung finanziert hatte». 54) Es ist bezeichnend, dass nach dem Konkurs der Rottet' Heinz Henschke von der «Gesellschaft der Funkfreunde» das Grosse Schau- spielhaus übernahm (vgl. LA Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108620, Bl. 69). 55) \A Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108620 (Zeugeneinvernahmen). Bl. 1 Ol f., Befragung der Sekretärin der Rottcr, Ruth Falkenstein, vom 1 7. März. 1933. Es mochte sich gerächt haben, dass Fritz Rotter der Sekretärin «wiederholt sagte, ich sollte zu Henschke immer höhere Beträge angeben, als ich brauchte. Was Fritz Rotter mit den über- schießenden Beträgen gemacht hat. kann ich nicht sagen». 56) LA Berlin, A Rep. 358-02. Nr. 108606. Bl. 2, Aussage von Conrad Wolff vom 30. Januar 1933; ebenda. Nr. 108620 (Zeugeneinvernah- men). Bl. 120 (Befragung von Herbert Lieske. Abteilungsvorsteher bei der Allgemeinen Ortskrankenkassc der Stadt Berlin vom 20. März 1933). 57) LA Berlin, A Rep. 358-02. Nr. 108620. Bl. 1. 58) Ebenda. Bl. 12. 59) Ebenda, Bl. 107. 43
        

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