ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / PETER KAMBER «Rotters am Ende?», hatte die - deutschnational ausgerichtete - «Deutsche Zeitung» am 14. Januar 1933 gefragt und gemeldet: «kritische Zeichen für die Lage der Rotter-Bühnen»: «Die Gebrüder Rotter haben es immer glänzend ver- standen, in Zeiten der Spielplan- und Wirtschafts- krise ein großes Vergnügungstheater zu führen, sind aber stets an der Überorganisation ihrer Betriebe ge- scheitert. Sie haben ein Theater nach dem anderen besetzt, haben außer einem Operettenspielplan li- terarischen Ehrgeiz bekundet, haben durch ein Netz von Verträgen und Packten das Berliner Bühnenle- ben bestimmt - bis sie diesem Riesenapparat nicht mehr gewachsen waren.» Die Nachricht, «eine Reihe der Rotter-Bühnen» ar- beite «mit großen Fehlbeträgen», liessnoch nicht das Schlimmste befürchten: «Man will sich jetzt zu einem vernünftigen Haushalt entschließen, d. h. man wird einige Stockwerke dieses Theaterwarenhauses schließen».37 Doch dann geriet die Sache ausser Kontrolle, wur- de «ein Stück aus dem Tollhaus», wie sich die «Vossi- sche Zeitung» am 18. Januar 1933 ausdrückte. Das- selbe Presseorgan berichtete an diesem 18. Januar über den «Konkursantrag gegen die Brüder Rotter», währenddem die Berliner Börsen-Zeitung am selben Tag den «Zusammenbruch der Rotterbühnen», titel- te und weiters berichtete: «Die Krise des Rotterbühnen-Konzerns nähert sich ihrem unglücklichen Ende. Die ursprüngliche Hoff- nung, den Rotterbühnen durch Gewährung eines Überbrückungskredits ein Weitervegetieren zu er- möglichen, hat sich zerschlagen: Der Zinsendienst der etwa 4 Millionen betragenden Bank- und Hypo- thekenschulden ist so hoch, dass bei glänzendem Ge- schäftsgang aller Bühnen mindestens 10 Jahre nötig wären, ihn abzudecken.»™ 
GRÖSSTE THEATERPLEITE ALLER ZEITEN: PRESSESTIMMEN Seitdem sie wer waren beim Theater, nannten sich Alfred und Fritz Schaie, geboren am 14. November 1886 und 3. September 1888 in Leipzig, nur noch Al- fred und Fritz Rotter. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatten sie als Studierende der Jurisprudenz in Berlin mit der finanziellen Unterstützung ihres Vaters erste Theater-Aufführungen zustande gebracht und waren im Deutschen Schauspielhaus, an dessen Gründung ihr Vater finanziell mitbeteiligt war, sozusagen in die Lehre gegangen, ehe sie, während des Krieges mit dem Erwerb des Trianon-Theaters und anschlies- send des Residenz-Theaters selbst Berliner Theater- direktoren wurden. Zuletzt bespielten sie - haupt- sächlich als Pächter - neun Theater und standen ei- nem aus der verschlechterten Finanzlage des Jahres 193139 entstandenen Konzern von sechs GmbH's und zwei Aktiengesellschaften vor, der auf von aussen völ- lig unübersichtliche Weise verschachtelt war.40 Der Zusammenbruch der sogenannten Rotter- Bühnen im Januar 1933 war zwar der «größte Berli- ner Theaterkrach» («Der Westen», 18. Januar 1933), «Die größte aller bisher dagewesenen Berliner Thea- terkrisen» («8 Uhr-Abendblatt», 18. Januar 1933), es war aber zunächst ein gewöhnlicher Konkurs und - selbst in Anbetracht der Flucht Fritz Rotters vor sei- 35) NZZ, Nr. 1041. Morgenausgabe. 9. Juni 1933. 36) LA Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108614 (Hauptband II), zwischen Blatt 99 und 101. 37) «Deutsche Zeitung», 14. Januar 1933. 38) LA Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108586: grosse Zeitungsausschnitt- sammlung zum Fall. 39) LA Berlin. A Rep. 358-02. Nr. I 12764, «Anklage» des Coneral- staatsanwalts bei dem Landgericht 1, Berlin, vom 19. Juni 1933, S. 7; vgl. auch ebenda, Nr. 108603. «Liquiditätsprüfungsberichte betr. Rotter-Bühnen vom 28. November 1932», «Zusammenfassender Bericht», S. 3. 40) Das belegt auch die Akte im LA Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108615: Der Haftbefehl vom 9. Februar 1933 gegen Alfred und Fritz Rotter war exakt nach dem Vorbild des Haftbefehls gegen den «Bankdirektor Willy Seiffert» vom 12. Juli 1932 verfertigt, der gleich mit in der Akte abgelegt wurde. 39
        

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