ZUR ERSTVERÖFFENTLICHUNG DES ROSENBAUM- PLÄDOYERS / PETER KAMBER che gehalten wurde, dass die Rotter sich mit ihrem Ruf alles nur selbst zuzuschreiben gehabt hätten. Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) überschrieb die Berichterstattung bewusst doppeldeutig mit «Der Rotter-Prozess». Das Blatt stellte fest, «die Angeklag- ten waren in der Voruntersuchung , als sie es heute in der Hauptverhandlung sind»; und über den Vorsitzenden und sein Verhältnis zu den Ange- klagten des Gewaltverbrechens - Schädler, Röckle, Rheinberger und Frommelt - merkte die NZZ an, dass er diesen «Angeklagten zweifellos wohlwol- lend» gesinnt sei. Zum Angeklagten Frommelt hielt die NZZ fest, dass er «vor Gericht sehr forsch auf- tritt», während es über den Angeklagten Röckle heisst: «Röckle spricht gewählt und bestreitet, was ihm zur Last gelegt wird, indem er sich dabei hin und her wiegt in einer Art und Weise, die geradezu ge- nießlerisch genannt werden muss».28 Schädler er- klärte, dass er sich «vor der Tat keiner Schuld be- wusst gewesen sei», die «Brüder Schaie seien von ihm und den übrigen Angeklagten als Leute betrach- 22) LA Berlin, A Rep. 358-02, Nr. 108611, Bl. 4, Aussage vom 28. Ja- nuar 1933. 23) Im Januar 1933 bcliefen sich die Schulden der Rotter inklusiv aufgelaufener Zinsen allein bei der Dresdner Bank auf 1,4 Mio Reichsmark. 24) Ein Moritz Lederer, Geschäftsführer der Reibaro, sollte diesen Vertrieb für sie aufbauen; die «Gesellschaft der Funkfreunde» er- reichte mit einer einstweiligen Verfügung, ihre Monopolstellung bei den Rotter zu verteidigen; LA Berlin A Rep. 358-02, Nr. 108620, Bl. 127 f. (Aussage von Moritz Lederer vom 22. März 1933). Vgl. auch A. H. Zeiz im «Berliner Tagblatt» vom 27. Januar 1933: «Fritz Rotter soll, so wird von Leuten, die die Geschäftsverbindung Rotter-Henschke sehr gut kennen, versicher[n], schon vor Monaten die Notwendigkeit einer Lösung des Verhältnisses mit Henschke erkannt und daraufhin- gearbeitet haben. Aber Henschke soll dies verhindert haben». 25) LA Berlin, A Rep. 358 nuar 1933. 
-02, Nr. 108611, Bl. 2, Aussage vom 28. Ja- 26) Vgl. die begeisterten Besprechungen in der liberalen «Vossischen Zeitung» in der Morgen - und Abendausgabe vom 24. Dezember 1932. 27) Ich danke Herbert Michalzik vom Institut für Theaterwissenschaft (FU Berlin) für die freundliche Auswertung des Deutschen Bühnen- spielplans. 28) NZZ, Nr. 1033, Morgenausgabe, 8. Juni 1933. 
Wladimir Rosenbaum, geboren am 10. Dezember 1894 in Minsk, Weissruss- land, kam auf der Flucht vor Pogromen, die 1903 einen Höhepunkt erreich- ten, als Achtjähriger in die Schweiz. Sein Vater, eben- falls Anwalt, wurde 1905 Mitglied der ersten Duma, des ersten Parlaments in Russland. Wladimir Ro- senbaum wurde Schwei- zer, leistete im Ersten Weltkrieg 817 Tage Aktiv- dienst und schloss 1918 sein Jus-Studium ab. 35
        

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