ZUR DEUTUNG DER INSCHRIFT Die Inschrift wirft zwei Fragen auf. Das Wort «thumbk» würde man zunächst gerne mit dem ge- wohnten «Thumbher» (Domherr) auflösen; denn eine Auflösung als «thumbk[antor]» oder «thumb- k[ustos]» verbietet sich deshalb, weil Graf Heinrich - soweit bekannt - nie die Dignitäten eines Domkan- tors oder Domkustos bekleidet hat. Ein Ausweg wären allerdings die auf ihn zutreffenden Lesarten «thumbk[anonikus]» oder «thumbk[apitular]». Die Lesart «thumbk» ergibt daher durchaus einen Sinn und bedarf keiner Korrektur. Die zunächst ungewohnt und rätselhaft erschei- nende und in einem deutschen Text nicht zu erwar- tende lateinische Abkürzung «Mim» für «Mediola- num»24 (Mailand) birgt ein weiteres Problem, weil es bisher keine urkundlichen Belege für ein Kanoni- kat des Grafen Heinrich am Mailänder Dom gibt. Eine andere Erklärung dürfte aber kaum zu finden sein. Zudem ist es denkbar, dass Graf Heinrich sich bei einem Romaufenthalt oder auch sonst irgendwo durch Kauf oder Tausch eine - später nie realisierte - Anwartschaft auf eine Domherrenstelle in Mailand verschafft hat, die sein Ansehen steigerte und die ihm deswegen persönlich viel bedeutete; er wollte damit wohl in der Glasscheibe prunken, vielleicht auch einen Betrachter dazu anregen, Fragen zu der nicht jedermann ohne weiteres verständlichen Ab- kürzung «Mim» zu stellen. Graf Heinrich blieb, wie seine fünffache Innehabung von Domherrenstellen in Augsburg, Konstanz, Mailand, Basel und Strass- burg zeigt, Zeit seines Lebens ein Pfründenjäger. Später pflegte er mit besonderer Vorliebe auch seine 1506 für ganz kurze Zeit erlangte Pfründe in Strass- burg, wo er indes nie residiert hat.25 24) Adriano Cappelli: Dizionario di Abbreviaturc latino cl italiane. 6. Auflage. Milano, 1961, S. 220. 25) Burmeister, Graf Heinrich (wie Anm. 15). S. 26. 310
        

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