INTERPRETATION DER WAPPENSCHEIBE ZUR PERSON DES STIFTERS Graf Heinrich VII. von Montfort-Tettnang-Rothen- fels-Argen15 wurde 1456 als ältester Sohn des in Ro- thenfels und Langenargen regierenden Grafen Hugo XIII. (t 1491) und der Gräfin Elisabeth von Werden- berg geboren. 1465 wurde er Kaplan in Missen (Oberallgäu).16 1467 präsentierte ihn sein Vater als 
Patronatsherr auf die Pfarrei Missen, ohne dass er dort je anwesend gewesen wäre. 1472 wurde er Domherr in Augsburg, wo mit Graf Johann V. von Werdenberg ein Bruder seiner Mutter Bischof war. Am 9. Januar 1476 immatrikulierte er sich an der Universität Freiburg, wo er für das Sommerseme- ster 1476 zum Rektor Magnifikus gewählt wurde. 1483 wurde Graf Heinrich auch Domherr von Kon- stanz, wo er seit 1487 residierte. Weitere Domher- renstellen in Mailand (vor 1492), Basel (1503) und Strassburg (1506) waren als vage Anwartschaften blosse Aushängeschilder. Schwerpunkt seiner Tä- tigkeit blieb Konstanz. 1491 wurde er als Botschaf- ter in alle Kantone der Eidgenossenschaft ent- sandt. Graf Heinrich war in finanziellen Dingen ver- schwenderisch, er war kunstsinnig und ein Bücher- liebhaber; den Haushalt in seinem Konstanzer Domherrenhof in der Inselgasse Nr. 2 und auf einem bei Konstanz gelegenen Landgut («praedium»), das ein Lehen des Abtes von Petershausen war, führte seine «famula» Adelheidis. Alljährlich nahm er je- doch auch seine auf einige Wochen beschränkte Re- sidenzpflicht in Augsburg wahr. Graf Heinrich ist Ende November 1512, vermutlich bei einem dieser herbstlichen Besuche in Augsburg, gestorben. Die Glasscheibe wurde mit hoher Wahrschein- lichkeit als ein Freundschafts- oder Ehrengeschenk angefertigt. Möglicher Standort war ein Patrizier- haus in Zürich. Für die These spricht neben der überlieferten Provenienz die Entstehung der Schei- be um 1492. Da Graf Heinrich VII. von Montfort 1491 als Botschafter des Kaisers in alle Kantone der Eidgenossenschaft entsandt wurde, also auch nach Zürich, liegt die Vermutung nahe, dass der Graf die- se Scheibe für seinen Gastgeber in Zürich in Auftrag gegeben hat. Als unmittelbare Vorlage für die Herstellung der Wappenscheibe diente dieses Siegel, welches von Graf Heinrich in den Jahren 1486 und 1498 verwendet wurde. 308
        

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