DIE WAPPENSCHEIBE DES GRAFEN HEINRICH VON MONTFORT / KARL HEINZ BURMEISTER Wappen und Helmzier In silbernem Schild befindet sich die rote dreilätzige Kirchenfahne, die am oberen Rand mit drei Ringen besetzt ist. Sie war ursprünglich die Gerichtsfahne der Pfalzgrafen von Tübingen, die als Wappensym- bol von den Grafen von Montfort und den von ihnen abstammenden Linien übernommen wurde. Der Helm erscheint als Spangenhelm mit geschlosse- nem Gittervisier, wie er vom Hochadel getragen wurde. Rechts und links des Helms sind die Helm- decken zu sehen in der Form doppelter Akanthus- blätter und in den Farben des Wappens: Rot und Weiss. Die Helmzier bildet ein Mannsrumpf in Rot mit markantem, bärtigen Kopf im Halbprofil mit In- hal (Bischofsmütze) mit aufgesetzten Kugeln in Weiss und auf die weisse Mitra aufgesetzten golde- nen Zierbändern. Diese spezielle Form des Mont- fort-Wappens mitsamt der entsprechenden Helm- zier ist der 1574 ausgestorbenen älteren Linie Montfort-Tettnang-Rothenfels-Argen zuzuordnen, der Graf Heinrich VII. angehört hat. Farbigkeit Der Engel kniet auf einem Rasenboden mit kaltgrü- nen Gräsern und lanzettförmigen Blättern, die auf der rechten Seite in herz- und lanzettförmige Blätter in natürlichem Grün übergehen. Er trägt eine zartli- la Albe mit weissem Stehkragen. Die inneren Flügel nehmen die zartlila Gewandfarbe auf, während die äusseren Flügel dunkelgrün sind. Das Inkarnat ist in gebrochenem Weiss gehalten. Das gelockte Haar ist silbergelb und mit einer für den süddeutschen Raum typischen gedrehten Schnüre (Schappel)14 so- wie am Hinterkopf mit einem blumigen Schmuck geziert. Der Damastgrund zeigt hellblaue Ornamen- te auf dunkelblauem Grund. Die gelben kannelier- ten Rundsäulen der Rahmenarchitektur, auf einer eckigen mehrfach gestuften Basis ruhend und abge- schlossen durch ein ebenfalls gestuftes Kapitell, en- den oben in einem Astwerkbaldachin mit gelben lappigen Blattranken mit Früchten (Hagebutten) in beiden Ecken, in der Mitte einmündend in ein weis- ses Schriftband mit der Jahreszahl 1492, desglei- chen in Weiss ist die Inschrift auf dem Sockel (siehe Abb. aufS. 304). 
Provenienz Aus altem Zürcher Patrizierbesitz. Erwerbung 1997 auf einer Auktion von Sotheby's in Zürich für die Sammlungen des Liechtensteinischen Landes- museums. 4) Die Montforter (Ausstellungskatalog des Vorarlberger Landesmu- seums, 103). Bregenz, 1982. S. 80, Nr. 241; S. 135. Nr. 497. 5) Gebhard Spahr: Spätgotische Glasmalerei im Bodenseegebiet. Die Fenster der Liebfrauenkirchen in Ravensburg und Eriskirch. In: JbLMV 1978/79, S. 288 ff.: Rüdiger Becksmann: Die Glasmalereien. In: Elmar L. Kuhn u.a. (Hgg.): Die Pfarrkirche Eriskirch. Spätgotik am Bodensee (Kunst am See 17, 1986). S. 51-66. 6) Dagobert Frey: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Feldkirch (Österreichische Kunsttopographie, 32), Wien, 1958, S. 546 ff. 7) Elmar L. Kuhn: Das Kloster Langnau. In: Kunst am See 8, 1982. S. 165-170, hierS. 168. 8) Hans Lehmann: Das Johanniterhaus Bubikon. Bubikon, 1947. Tafel III. 9) Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz. 10) Karl Heinz Burmeister: Die Montforter und die Kultur, in: Kunst am See 8, 1982, S. 34-42. hier S. 41. 11) Rüdiger Becksmann: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Baden und in der Pfalz ohne Freiburg i. Br. (Corpus Vitrearum Medii Aevi in Deutschland, Bd. 2. Baden und Pfalz, Teil 1). Berlin. 1979. S. 35-41. mit Abb. 46 und 47 auf Tafel 15. 12) Karl Kurrus: Wappenscheiben im Endinger Ratshaus und das Kaiserstühler Heimatmuseum. In: Bernhard Oeschger (Hrsg.): Endingen am Kaiserstuhl. Die Geschichte der Stadt. Endingen. 1988. S. 609-622, hierS. 612, mit Abb. auf S. 611. 13) Privatbesitz in Bregenz. 14) Henriette Mendelsohn: Die Engel in der bildenden Kunst. Berlin, 1907. S. 12. 307
        

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