GLASMALEREIEN MONTFORTER PROVENIENZ 
BESCHREIBUNG DER WAPPENSCHEIBE DES GRAFEN HEINRICH VON MONTFORT Die Wappen der Montforter und Werdenberger sind in grosser Zahl auf Kunstwerken des Mittelalters und der Frühneuzeit überliefert, so unter anderem auf kunstvoll gestalteten Siegeln, in Wappenrollen und Wappenbüchern, auf Bildern und Porträts, auf Grabsteinen, auf Schatztruhen oder Schatzkästlein, auf Uhren, in Form von Bücherzeichen und nicht zuletzt auch auf Glasscheiben. Glasmalereien aus der Wappengruppe mit der Kirchenfahne sind in nennenswerter Anzahl überliefert4 oder doch we- nigstens bekannt. Neben den Kirchenfenstern in der Pfarrkirche von Eriskirch (nach 1412, Graf Heinrich IV. von Montfort-Tettnang mit seiner Familie)5 und in der Pfarrkirche von Viktorsberg (15. Jahrhun- dert, Graf Rudolf V. von Montfort-Feldkirch)6 sind noch einige Wappenscheiben zu nennen, u.a. eine Wappenscheibe, die Graf Wilhelm V. von Montfort- Tettnang (t 1439) und seine Ehefrau Kunigunde von Werdenberg für das Hauskloster Langnau stifteten, die im 17. Jahrhundert noch vorhanden war, heute aber verloren ist;7 aus dem Jahre 1498 stammt eine Glasscheibe von Graf Rudolf X. von Werdenberg, Gross-Komtur des Johanniterordens deutscher Zun- ge in Bubikon,8 weiters eine Scheibe, die Graf Hugo XVII. von Montfort-Bregenz 1517 für den Bregenzer Ratssaal stiftete,9 eine andere Scheibe, die derselbe Graf 1521 für den Kreuzgang des Klosters Mehrerau bei Bregenz stiftete, ist verloren gegangen.10 Zwei Wappenscheiben der Grafen von Tübingen-Lichten- eck (1523/24, Graf Konrad IV. und Graf Georg II.) befinden sich in der Pfarrkirche St. Nikolaus in El- zach (Breisgau),11 eine weitere Wappenscheibe, ver- mutlich ebenfalls von demselben Graf Konrad IV, im Rathaus von Endingen (Breisgau).12 Zu erwäh- nen ist noch eine bisher ungedeutete Allianz-Wap- penscheibe eines Grafen von Tübingen und seiner Verlobten oder Ehefrau aus der elsässischen Fa- milie von Rathsamshausen (16. Jahrhundert).13 Die- se Auflistung erhebt keinerlei Ansprüche auf Voll- ständigkeit. 
Die Beschreibung folgt mit einigen Abweichungen dem beispielgebenden Muster des «Corpus Vitrea- rum Medii Aevi». WAPPENSCHEIBE DES GRAFEN HEINRICH VII. VON MONTFORT-TETTNANG-ROTHENFELS- ARGEN, 1456-1512, DOMHERR ZU MAILAND UND AUGSBURG. Masse Höhe: 51 cm, Breite: 32 cm (ohne Rahmen); Höhe: 57 cm, Breite: 38 cm (mit Rahmen). Inschrift In gotischen Minuskeln auf dem Sockel: Hainrich Grauff / zu Montfort [floreales Zierstück] / thumbk zu Mim / vnd Augsburg. Datierung Auf einem Schriftband in der Mitte des oberen Bildrands: 1492. Ikonographie und Komposition Im Vordergrund kniet auf einem Rasenboden ein in eine faltige Albe gekleideter, jugendlicher Engel, den Blick frontal zum Betrachter gewandt. Mit der ange- winkelten Rechten hält er den Wappenschild, mit der ausgestreckten Linken den mit einer Helmzier geschmückten Helm (Wappen und LIelmzier: siehe S. 307). Im Sockel zweizeiliges Schriftband mit Nen- nung des Stifters (Inschrift siehe oben). Der Künstler hatte bei seiner Arbeit an der zen- tralen Figur des Engels sichtlich Probleme mit der Anatomie des menschlichen Körpers. So ist die linke Schulter verdreht und der linke Arm des Engels im Ellbogen ganz unnatürlich dargestellt. Auch lässt sich die Haltung des Engels nicht in aller Eindeutig- keit als «knieend» (für das Knien spricht allerdings der Faltenwurf), «schwebend» oder «stehend» aus- machen. 306
        

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