HISTORISCHER VEREIN FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN 2003 Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein TÄTIGKEITSBERICHT 2003 Zu Beginn des Berichtsjahres wurden die Druckvor- lagen für die vierte Lieferung von Band III (Morpho- logie) hergestellt. Dazu waren wieder viele Wortlisten aus dem Originalmaterial zu exzerpieren, die Kom- mentare zu verfassen, die Reinschrift herzustellen und die Codierungslisten für die Druckerei anzufer- tigen. Diese Lieferung ist im Juli 2003 erschienen. Diese Lieferung enthält die sogenannten «Kurz- verben» haben, tun, sein, gehen und stehen, wo es bei den Formen grosse Unterschiede zwischen Un- ter- und Oberland gibt: Im Unterland heisst es zum Beispiel einheitlich (wir, ihr sie) honn «haben», tonn «tun», gönn «gehen» und stonn «stehen»; im Ober- land hingegen heisst es hend, tuand (oder duand), wobei goon und stonn für beide Landesteile identisch sind. Einen feinen Unterschied gibt es zwischen g'sä «gewesen» im Unterland und g'se «gewesen» im Oberland. Sehr lebendig sind auch in Liechtenstein die Konjunktivformen für «er hat gesagt»: (er) hei «habe», sowie für das Verb «tue» die Form tau (in Schaan und Vaduz: dei). Im Unterland heisst es (wenn er doch) gängt, ständ, läss(t) für «ginge», «stünde» und «liesse»; im Oberland hingegen sagt man die dieselben Verben giangt, stiand, liass. Die Gemeinde Triesenberg bildet insofern wieder eine Sprachinsel, da hier der sogenannte zweiförmige Plural erhalten blieb, das heisst, dass die erste und dritte Person unterschieden wird: (wir, sie) händ, (ihr) haid für «haben» respektive «gehabt», oder auch (wir, sie) gaand beziehungsweise (ihr) ganged für «gehen» respektive «geht»; ferner (wir, sie) sind und (ihr) süd für «sind» beziehungsweise «seid». Auch das Walserische (du) geischt, (ihr) geid für (du) «gehst» und (ihr) «geht» oder etwa (du) steischt und (ihr) steid für (du) «stehst» und (ihr) «steht» ist hier bewahrt geblieben. Es liessen sich weitere Beispiele finden. Im Anschluss an die Publikation der vierten Liefe- rung von Band III wurde die Überarbeitung der Kar- ten und Kommentare für die dritte Lieferung von Band V (Wortgeographie) weitergeführt. Hier konnte sich der Bearbeiter wiederum auf die von Dr. Hubert Klausmann geleistete Vorarbeit abstützen. Zehn wei- tere Karten wurden hier hinzugefügt. Diese Karten dokumentieren erneut zahlreiches altes, ausser Ge-brauch 
geratenes, Wortgut wie beispielsweise Angla für «Barthaare der Gerste», Putzmühle beziehungs- weise -Maschine für «Gerät zum Reinigen des gedro- schenen Getreides», Roggeler (Unterland) bezie- hungsweise Reckholder (Oberland) für «Wachhol- der», Phegg für «Rauhreif». Aber auch noch ge- bräuchliche Wörter werden dargestellt wleStäga für «Stiege», Strech für «Zitzen der Kuh», Cotta für «Taufpatin», Gölte für «Taufpate», (der) Luft für «Wind», Köölfür «Worsing» sowie g'winna, für «Kir- schen pflücken». Zu allen Karten wurden Kommen- tare verfasst, deren Reinschrift ebenso zu besorgen war. Auch für den Abbildungsband ist wieder eine Lieferung fertig gestellt worden. Verschiedene heute nicht mehr verwendete landwirtschaftliche Geräte sind darin abgebildet. Wangen, 2. Dezember 2003 VORARLBERGER SPRACHATLAS MIT EIN- SCHLUSS DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN Professor Dr. Eugen Gabriel ANSCHRIFT Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürsten- tums Liechtenstein Flandernstrasse 13/1 D-88239 Wangen im Allgäu Tel. 0049/7522/809 11 Fax 0049/7522/293 01 275
        

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