beiden Damen gerieten auf ihrer Flucht offenbar in die sehr steilen Felspartien bei Gaflei und stürzten ab. Die Verunglückten wurden von dem Jäger Eberle, dessen Jagdhund beim Suchen gute Dienste leistete, aufgefunden. Es stellte sich heraus, dass Alfred Rot- ter und seine Frau bereits tot waren, während die an- dere Dame schwere Verletzungen erlitten hat. Die beiden Toten, sowie die Verletzte, wurden dann nach Masescha überführt...».10 UND DOCH: «VERSTÄNDNIS» FÜR DIE ENTFÜHRER Die «Liechtensteiner Nachrichten» verwiesen wei- ters auf die ihrer Ansicht nach zweifelhafte Vergan- genheit der Gebrüder Rotter. Im Zuge der Einbür- gung des Geschwisterpaares in Liechtenstein sei zu- dem in Deutschland eine heftige Pressekampagne ge- gen das Fürstentum in Gang gekommen, was wie- derum dem Ansehen Liechtensteins geschadet hätte. Vor allem der Fremdenverkehr nach Liechtenstein sei infolgedessen beeinträchtigt. Und der Bericht schloss mit der Aussage: «Aus diesem Gesichtspunk- te heraus wird man das abenteuerliche Entfüh- rungsunternehmen vom letzten Mittwoch sich eini- germassen verständlich machen müssen, wenn man es auch nicht billigen kann».11 Die «Liechtensteiner Nachrichten» als Presseor- gan der oppositionellen Volkspartei benannten ei- nerseits klar die «leider sehr tragischen Folgen» des Entführungsversuchs, zeigten jedoch andererseits zwar nicht für die Tat selbst, aber für die dahinter ste- henden Motive Verständnis. Damit begaben sich die «Liechtensteiner Nachrichten» in Widerspruch zum «Volksblatt», welches die tragischen Geschehnisse ohne wenn und aber verurteilte. Die Schilderung des Tathergangs ist in den «Liech- tenstein Nachrichten» vergleichsweise knapp gehal- ten. Der Hinweis auf das zweite, von Rudolf Schädler gesteuerte Auto fehlt hier: Schädlers Wagen und das Auto der anderen Entführer, die bereits auf der Flucht waren, verschmelzen irrtümlicherweise zu ei- nem Fahrzeug. In Übereinstimmung mit dem «Volks- blatt» verwies auch das Oppositionsorgan auf die er-folgten 
Verhaftungen in Liechtenstein, benannte in- des keinen der Verdächtigten namentlich.12 Auch gemäss den «Liechtensteiner Nachrichten» waren die «jüngeren Leute aus Deutschland» als Drahtzie- her des Komplotts zu betrachten. Dies stand aber im Widerspruch zur Presseer- klärung, welche die Regierung kurz darauf abgab: Erste Untersuchungen hätten ergeben, dass das Komplott nicht von deutschen Nationalsozialisten ausgegangen sei.13 «IM MITTELPUNKTE DES AUSLÄNDISCHEN INTERESSES» Diese Berichterstattung der «Liechtensteiner Nach- richten» wurde im «Volksblatt» kritisiert: «(Von einem Liechtensteiner im Auslande wird uns geschrieben:) [Das Oppositionsorgan] unterschlug und entstell- te die Tatsachen, indem es verschwieg, dass die Ge- brüder Rotter von einem Liechtensteiner auf das Gaflei gelockt worden und dass es der gleiche war, der den Fritz Rotter in Gaflei neuerdings zum Mit- fahren einlud. Es schob die Schuld auf die jüngeren Leute a. Deutschland, angeblich Nationalsozialis- ten ab ... Auf die verrücktesten und verlogendsten Anklagen der Auslandpresse wusste es nichts zu sa- gen, als (Werter Lese?; urteile selbst>...».14 Tatsächlich: «Was keine Propaganda bisher erreicht hatte, wurde durch den Ueberfall in Gaflei zustande gebracht. Für Tage [stand] das Land Liechtenstein im Mittelpunkte des ausländischen Interesses. Weit über das deutsche Sprachgebiet hinaus [brachten] Blätter aller Länder, teils in grosser Aufmachung, Meldun- gen über den Vorfall».15 Und die «Liechtensteiner Nachrichten» veröffentlichten mehrere solche Be- richte, die-je nach politischer Ausrichtung-das Für- stentum oder auch die Theater-Vergangenheit der Rotter in Berlin in schlechtem Licht erscheinen Hes- sen.15 Das «Volksblatt» berichtete zwar ebenfalls nicht gerade schmeichelhaft über die Rotter,17 mach- te aber nicht so offen wie die «Nachrichten» Stim- mung gegen das Brüderpaar.18 20
        

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