berger mit einem Steuervermögen von 2360 Gul- den vor seinem Sohn Johann noch der grösste Steuerzahler in Vaduz gewesen,25 so übertraf nach dem Kauf der St. Johanner Güter der Sohn den Va- ter um etliches. Dazu kam noch, dass der ehemali- ge Klosterbesitz zehentberechtigt war.26 Johann Rheinberger starb im Jahr 1815 im «Ad- ler» im Alter von 52 Jahren. Er hinterliess einen grossen Besitz, der aber auch mit erheblichen Schulden belastet war. Auf Grund des Testamentes fiel der «Löwen» (Haus Nr. 74 mit Stallscheune 74 1/2) je zur Hälfte an die Söhne Josef Ferdinand aus erster Ehe und an Alois aus zweiter Ehe. Die beiden Anteile waren je auf 2850 Gulden geschätzt. Der Sohn Johann Nepomuk aus der ersten Ehe er- hielt das Haus Nr. 129 im Möliholz «samt Gips- und Sägemühle» im Schätzwert von 3498 Gulden. Die Gerberei fiel Johann Georg aus der zweiten Ehe zu. Die Tochter Theresia aus erster Ehe wurde mit Grundstücken und Geld bedacht, ebenso Josef An- ton aus zweiter Ehe, welcher Jura studierte; denn Studenten wurden in jener Zeit im Erbe regelmäs- sig zurückgesetzt, da einerseits die Studienkosten erheblich waren und andererseits ein Akademiker später mit einem grösseren Einkommen rechnen konnte. Die Witwe Barbara, geborene Neil, erhielt als Erbe einen Geldbetrag von 1700 Gulden. Ausser- dem ging der St. Johanner Weingarten in Mauren samt Torkel im Jahr 1816 käuflich an ihre Brüder Josef Anton und Karl Friedrich Neil über. Um die Schulden tilgen zu können, kamen die Erben überein, das Rote Haus mit Torkel und Wein- garten zu verkaufen. Im «Königlich Baierischen In- telligenzblatt» vom 30. Januar 1816 Hess Johann Nepomuk Rheinberger als Wortführer der Erben die «St. Johanner Realitäten in Vaduz» zum Ver- kauf an den Meistbietenden ausschreiben. Der Schätzwert dieser «Realitäten» belief sich auf 8379 Gulden. Es meldete sich aber kein Kaufinteressent, so dass das Rote Haus im Besitz der Erben ver- blieb.27 
WIEDERERÖFFNUNG DES «LÖWEN» UNTER ALOIS RHEINBERGER Am 9. Juni 1827 trat Josef Ferdinand seinen Hälf- teanteil am «Löwen» käuflich an seinen Halbbru- der Alois ab, so dass dieser Besitzer des ganzen Löwenanwesens wurde. Josef Ferdinand zog dar- aufhin mit seiner Familie in das Rote Haus und be- wirtschaftete einen Teil der dazugehörigen Wein- berge. Sein jüngster Sohn Alois, geboren 1827, wanderte im Revolutionsjahr 1848 nach Nordame- rika aus und holte seine junge Frau Margarethe, seinen Vater Josef Ferdinand sowie seine jüngste Schwester Anna Maria ebenfalls nach Amerika. Alois Rheinberger wurde in Nauvoo im Staat Illi- nois ein bedeutender Weinbaupionier. Er ist der Stammvater aller heute in Nordamerika lebenden Rheinberger.28 Wie schon erwähnt, hatte der Jüngste aus der zweiten Ehe des Johann Rheinberger mit Creszen- zia Steger namens Alois (1804-1832) im Jahr 1827 den Hälfteanteil des Halbbruders Josef Ferdinand am Löwenbesitz übernommen. Alois hatte in den Jahren 1813/1814 das Seminar St. Luzi in Chur be- sucht, erlernte dann aber das Gerberhandwerk. Er heiratete mit 24 Jahren Crescenz Schlegel, eine Tochter des Franz Josef Schlegel und der Anna Sele aus Triesenberg.29 Das junge Ehepaar übernahm im Jahr 1829 den «Löwen» in Vaduz, in welchem der Schankbetrieb bis dahin volle 20 Jahre geruht hatte.30 Aber Alois Rheinberger erkrankte an einer 25) Stcucrbeschriob vom Jahre 1804. Gemeindearchiv Vaduz (GAV). 261 Die Zohentablösung erfolgte erst etwa 100 Jahre später. 27) Siehe dazu die Abhandlungsakten im LLA. 28) Rudolf Rheinberger: Alois Rheinberger - Weinbaupionier in Illinois. In: Norbert Jansen, Pio Schurti (Hrsg.): Nach Amerika! 2 Bände. Vaduz. Zürich. 1998, Band 2. S. 175-187. 29) Siehe auch: Rudolf Rheinborger: Liechtensteiner Ärzte des 19. Jahrhunderts. In: JBL Band 89, S. 1 9-11 2. hier S. 99 f. In der Folge zitiert als: Liechtensteiner Ärzte. 30) Geschichte des Weinbaus. S. 65. 234
        

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