von fünf Burschen zu fesseln versucht wurde. Es ge- lang ihnen dann auch, die Handschellen ans rechte Handgelenk des verzweifelnd Kämpfenden zu brin- gen. So am rechten Arm befestigt, wurde die massi- ve Handschelle zur Waffe und es gelang Fritz Rotter, nachdem die Burschen den Kampf aufgegeben, ins Kurhaus zu entkommen. Fritz Rotter wusste um sei- ne Verwandten nichts weiter, als dass sie talwärts geflüchtet und von einem Menschen verfolgt worden waren. Die Burschen fuhren nach dem misslungenen Entführungsversuch im Fluchttempo talwärts, ras- ten über die liechtensteinische Grenze bei Tisis. Der Halt gebietende Posten musste weichen oder wäre überfahren worden. Es war ein badisches Auto, das dann in Götzis gestellt werden konnte, während die Insassen nach Feldkirch ins Gefängnis verbracht wurden. Unter ihnen befand sich auch der 22jährige Peter Rheinberger aus Balzers. Der Akt nach Wildwest war nun vorbei. Nun er- schien Rudolf Schädler und lud Fritz Rotter ein, nun. mit ihm zu Tal zufahren, die Luft wäre nunmehr rein. Um rasch gegen Masescha zu kommen und Hilfe zu schaffen, stieg Fritz Rotter in den Wagen; trotz wie- derholter Aufforderung aber hielt Schädler in Mase- scha nicht, sondern beschleunigte sein Tempo. Nun war es Fritz Rotter klar, dass er ein zweites Mal be- trogen war, drohte dem Fahrer, vergebens. In den Kurven beim «Walde» nun sprang Rotter beherzt aus dem Wagen, fiel aber und zog sich eine Quetschung am Oberarm, sowie eine Auskugelung des Gelenkes zu. In Unruhe um seine Verwandten versuchte er, sich sofort mit dem Tal in Verbindung zu setzen, die Re- gierung wurde verständigt, die augenblicklich das Nötigste zur Auffindung der Vermissten und. zur Ver- haftung der am Komplott Beteiligten vorkehrte. Die hereinbrechende Dunkelheit aber hinderte die Arbeit der Ortskundigen bald. In der Halde unter Gaflei wurden Geld, Handtasche und Schuhe gefunden, ein Zeichen, dass die Flüchtlinge der Erblerüfe sich zu- gewandt hatten. Jagdaufseher Gottlieb Eberle schlug mit seinem Hund nun den Weg durch Oberprofat- scheng dem Erble zu ein und wurde durch den Hund auf die Spur gebracht. Um Viertel nach 8 konnte sich Jäger Eberle nur vom Tod der zwei Vermissten, Al- fred und Gertrud Rotter, überzeugen. Frau Wolf war 
bereits am Nachmittag ins Waldhotel verbracht und Herrn Dr. Batliner in Behandlung übergeben worden. Das Ehepaar war auf der Flucht den etwa 20 Me- ter hohen Hang auf der Erblerüfe hinuntergestürzt und in der Rüfe weiter talwärts gekollert. Mann und Frau lagen, nur etwa zwei Meter voneinander ent- fernt, im Geröll der Erblerüfe. Mit Kopfwunden und zerschundenem Körper wurde das Ehepaar, nach- dem die Gerichtskommission den Tatbestand aufge- nommen hatte, durch die Rettungsmannschaft nach Masescha. verbracht und in der Garage bei der Villa Strack untergebracht. Es sei uns hier Gelegenheit ge- geben, den Rettungskolonnen von Triesenbergfür ihr beherztes Eingreifen zu danken. Um 11 Uhr waren die Verunglückten geborgen. Inzwischen waren auf Antrag der Staatsanwalt- schaft Rudolf Schädler, Eugen Frommelt, Franz Roeckle als Mitwisser oder an der Affäre Beteiligte in Haft genommen worden. Die Burschen, die den Ueberfall angezettelt hat- ten, waren in der Nacht zuvor in dem bereits ge- nannten badischen Auto in Gaflei eingetroffen, um die Opfer zu erwarten. Es handelt sich scheinbar um junge Burschen aus Konstanz. Sie sind, wie bereits berichtet, in Feldkirch in Haft.» «EIN GREULICHES VERBRECHEN IST GESCHEHEN» Der «Volksblatt»-Bericht schliesst mit folgendem Fa- zit: «Ein greuliches Verbrechen ist geschehen, das von jedem rechtlich Denkenden verurteilt werden muss».3 Das «Liechtensteiner Volksblatt» informierte aus- führlich und benannte Peter Rheinberger sowie Ru- dolf Schädler als am Entführungsversuch mitbetei- ligte Akteure. Ebenso erfolgte der Flinweis auf die Verhaftung von Eugen Frommelt und Franz Roeckle, die im Verdacht standen, Mitwisser oder ebenfalls Mitbeteiligte an dieser Untat gewesen zu sein. Nicht namentlich genannt wurden hingegen «junge Bur- schen aus Konstanz», die aber im Verdacht standen, den Überfall organisiert zu haben. - Ferner wies das «Volksblatt» an anderer Stelle daraufhin, dass «das 18
        

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