hervorgehoben: Die kinderlose Fürstin errichtete mit dem Fürsten die «Franz- und Elsa-Stiftung für die Jugend Liechtensteins», förderte die Pfadfinder- bewegung und besuchte jährlich die Volksschulen. Regelmässig beschenkte sie ihre Landeskinder und liess an Weihnachten jedem Kind ein Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen. Als Fürstin Georgine im April 1945 an der Landes- grenze erschien und ihre Anteilnahme für das Schick- sal der Flüchtlinge bezeugte,115 wurde dies als Tra- dierung des Bildes von der Fürstin als der guten Lan- desmutter wahrgenommen. Mit der Übernahme der Präsidentschaft des im gleichen Monat gegründeten Liechtensteinischen Roten Kreuzes bestätigte die junge Fürstin dieses Rollenverständnis. Zusammen mit der präsidialen Mitarbeit für das Heilpädagogi- sche Zentrum wurde das Engagement für das Rote Kreuz zum Beweis ihrer mütterlichen Sorge um das Wohl anderer. In zahlreichen Reden oder mit der dreiteiligen Markenausgabe zum 40-Jahr-Jubiläum der Rot-Kreuz-Präsidentschaft 1985 wurde diese fürstliche Mutterliebe öffentlich gewürdigt. Die Übergabe dieser Präsidien an ihre Schwiegertochter, Erbprinzessin Marie, in den Jahren 1983 bezie- hungsweise 1985 war einerseits Zeichen der erfolg- reichen Fortführung eines zentralen Selbstbildes der Fürstin und verdeutlichte andererseits den Stellen- wert, der den gemeinnützigen Aufgaben im gesell- schaftlichen Bild der Fürstin eingeräumt wurde.116 Die Landesmutter hatte ihren festen, klar definierten Platz an der Seite des Landesvaters. In seiner Rede zum 40. Regierungsjubiläum von Fürst Franz Josef II. lobte Dr. Gerard Batliner unter anderem dessen langjährigen Einsatz für das Gemeinwohl und schloss mit dem Satz: «In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Fürstin nennen, die, seit sie bei uns ist, in ihrer fraulichen und mütterlichen Art zum Wohle vie- ler tätig wurde.»117 Die Fürstin begleitete den Fürsten regelmässig bei den Besuchen der einzelnen Gemeinden. Diese Für- stenbesuche hatten einen ausgeprägt familiären 
Charakter, vor allem auch dann, wenn damit eine Ge- burtstagsfeier für den Fürsten oder die Fürstin ver- bunden war. Hinzu kam der regelmässige Besuch bei Vereinen, in Heimen oder von Wohltätigkeitsveran- staltungen. Bei diesen Besuchen wurde die Fürstin an der Seite des Landesvaters als die wahre Landes- mutter wahrgenommen. Die Rolle der Fürstin ist klar die der dienenden Frau und Mutter. Wie dominant das beharrende, die Ordnung be- wahrende Element bei dieser Rolle ausfällt, lässt sich am Widerstand gegen neue Geschlechtermodelle er- kennen: Nachdem im Fürstentum Liechtenstein 1984 das Frauenstimmrecht (im dritten Anlauf) angenom- men worden war, erwies sich das fürstliche Hausge- setz als immun gegen eine so grundsätzliche Ände- rung. Noch das 1993 erlassene Hausgesetz gesteht den weiblichen Mitgliedern der Fürstlichen Familie, auch der Fürstin, kein Stimmrecht im Fürstenhaus zu.118 Das Bild der fürstlichen Landesmutter zeigt somit stark patriarchalische Züge, was angesichts des Vorbildcharakters, der dem Fürstinnenbild zu- kommt, von nicht zu unterschätzender gesellschafts- politischer Relevanz ist. 214
        

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