DAS BILD DES FÜRSTEN SASCHA BUCHBINDER / MATTHIAS WEISHAUPT Charakteristischerweise wird das am Körper an- setzende Dispositiv der Macht nicht als unter- drückende Disziplinierung, als einschränkendes Programm der Verhinderung wahrgenommen. Zu- gleich ist festzustellen, dass das System in seiner Komplexität von keinem einzelnen gedacht oder be- wusst entworfen werden könnte.1"1' In der Konse- quenz entfaltet sich die Bio-Macht als gestaltende, das Wissen und die Entwicklung fördernde Macht, die vom einzelnen Körper zustimmend angenom- men werden kann. In der bewussten Wahrnehmung befürwortete Fürst Franz Josef II. diese Rolle als Lan- desvater, wobei sein Selbstbildnis durch eine tiefe, im katholischen Glauben verwurzelte Religiosität ge- stützt wurde. Diesen Strang in seiner ganzen Kom- plexität weiter zu verfolgen, würde hier zu weit führen. Fest steht indessen, dass die «entschiedene Katholizität» seit den Konversionen von Mitgliedern der Familie am Anfang des 17. Jahrhunderts dem Hause Liechtenstein eigen war. Diese starke Identifi- kation mit dem katholischen Glauben fand am Ende des 19. Jahrhunderts Anschluss an die christlich-so- ziale Bewegung und an die katholische Sozialleh- re.1"1 Im 20. Jahrhundert zeigte sich diese Tradition in der wohltätigen Zuwendung des Fürstenhauses zu verschiedenen Kreisen der liechtensteinischen Be- völkerung. Dabei war die katholische Gläubigkeit von einer äusserst konservativen Grundhaltung ge- prägt, die während der Regierungszeit von Fürst Franz Josef II. in einer engen Beziehung zum Vatikan ihren Ausdruck fand. Die Taufpatenschaft von Papst Pius XII. für den Erbprinzen 1945, die Pilgerfahrt des Fürsten und seines Volkes 1983 nach Rom oder der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Liechtenstein 1985 sind Zeichen dieser Religiosität.1" Mit dem Hausgesetz des Fürstlichen Hauses Liechtenstein von 1993 wurde diese Grundhaltung erneut festge- schrieben: «Zur Tradition der Familie gehört seit Jahrhunderten der katholische Glaube, der auch bei zukünftigen Entscheidungen als Richtschnur dienen soll...».112 
DIE FÜRSTLICHE LANDESMUTTER Die Fürstin als Personifikation der Landesmutter ist seit den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine wichtige Ergänzung des Bildes vom väterlichen Fürsten. Da Fürst Johann II. nie geheiratet hatte, wurde Fürstin Elsa, die sich 1929 mit dem regieren- den Fürsten Franz vermählt hatte, die «erste Lan- desmutter».111 «Gaben des Geistes und Gefühle des Herzens hatten sie zu diesem Rang und zu dieser Stellung geradezu vorbestimmt», hiess es in ihrem Nachruf.114 Vorab ihre Zuwendung zur Jugend wird 99) Lesebuch der 1. Klasse. Bearbeitet von Marzia Meier unter Mit- wirkung einer Kommission. Bilder von Jakob Falk. Hrsg. Landes- schulrat für das Fürstentum Liechtenstein. Vaduz, 1939, S. 156. 100) Ebenda, S. 158. 101) Ebenda, S. 161. 102) Lesebuch. Bearbeitet von Alfons Kranz unter Mitwirkung einer Kommission. Handzeichnungen von Johannes Troyer. Hrsg. Landes- schulrat für das Fürstentum Liechtenstein. Vaduz, 1938 [recte: 1940]. [Reprint: Vaduz, 1988]. 103) Martin, Lehrmittel, S. 227 f., 233. 104) Lesebuch 1938. 105) Ebenda, S. 286. 106) Ebenda. S. 289. 107) Liechtensteiner Vaterland, 17. August 1963, zitiert nach Liechtenstein 1938-1978, S. 305. 108) Franz Josef, Thronreden, S. 162. 109) Foucault, Michel: Dits et Ecrits. Schriften. Bd. 2. Frankfurt a. M., 2002, S. 932-941. 110) Press. Volker: Fürst Franz Josef II. von Liechtenstein und die Habsburgermonarchie. In: Kleinstaat und Menschenrechte. Festgabe für Gerard Batliner zum 65. Geburtstag. Basel, 1993, S. 90 f. 111) Vgl. Katalog Schweiz / Liechtenstein, S. 502, 558, 564: 1959 Trauermarke für Papst Pius XII; 1983 und 1985 Sondermarken für Papst Johannes Paul II. 112) Hausgesetz, S. 1. 113) Hoop, Josef: Fürstin Elsa von Liechtenstein. In: JBL 47 (1947), S. 7. 114) Ebenda. 213
        

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