1956 1960/64 gebracht wurde.»80 Am 14. Februar 1945 schenkte die Fürstin «dem Fürsten und dem Lande Liechten- stein einen Erbprinzen». Die Regierung war über- zeugt, dass die Bevölkerung Liechtensteins «dank- baren und freudigen Herzens diese Nachricht» emp- fing, und die Taufe gestaltete sich zu «einem wahren Volksfest».81 Und 1967, bei der Vermählung des Erb- prinzen, wurde in der Grussbotschaft von Regie- rungschef Dr. Gerard Batliner die Thronfolge als «die natürliche Folge festgefügter Ordnung» bezeichnet, in der die Eheschliessung des Thronfolgers «eine staatspolitische Tragweite» erhält und «ein persönli- ches Erlebnis für die ganze liechtensteinische Bevöl- kerung» darstellt.82 Die seit 1912 erscheinenden liechtensteinischen Briefmarken sind nicht nur eine vielgepriesene Visi- tenkarte Liechtensteins,83 sondern auch Träger die- ser zentralen Botschaft. Die Marken der ersten Jahre zeigten fast ausschliesslich das Porträt von Fürst Jo- hann IL, ab 1917 kamen das Landeswappen und Wappenzeichnungen hinzu. 1920 erschienen erst- mals Marken zum Geburtstag und 1928 zum Regie- rungsjubiläum des Fürsten. 1929, anlässlich der Hul- digungsfeier, wurden je eine Marke für Fürst Franz I, und Fürstin Elsa sowie eine Briefmarke mit einem Ehepaarporträt veröffentlicht. 1938 erschien eine Trauermarke für Fürst Franz I. Die Tradition, an- hand der liechtensteinischen Briefmarken die gere- gelte Fortführung der monarchischen Ordnung öf- fentlich zu dokumentieren, wurde unter seinen Nach- folgern fortgesetzt. Nach den Marken für die Huldi- gungsfeier und einer ersten Porträtmarke für Fürst FranzJosefll. 1939 erschienen 1941,1942undl943 drei Serien «Fürstenbilder» mit den zwölf Porträts von Fürst Johann Adam bis Fürst Franz Josef IL, 1943 drei Briefmarken zur Vermählung des Fürsten mit Gräfin Georgine von Wilczek und 1945 drei zur Geburt des Erbprinzen «Johann Adam Pius». Fürst, Fürstin und Erbprinz, die ersten Garanten dieser Ordnung, wurden in den folgenden Jahrzehnten mit über 50 neuen Markenbildern geehrt, allen voran 
der Fürst, dessen Geburtstagsfeste und Regierungs- jubiläen rituelle Vergewisserungen des Fortbestan- des der Monarchie waren. 1967 folgten die Vermäh- lungsmarken für Erbprinz Hans-Adam und Gräfin Marie Aglae Kinsky, 1988 der Block «Thronfolge», der die drei Porträts des Fürsten, des Erbprinzen und des Prinzen Alois vereinigte, und 1993 ein Block zur Vermählung von Erbprinz Alois von Liechtenstein mit Sophie in Bayern. Als sinnbildliche Verkörperung des wohlorgani- sierten Staates vermittelte das (Marken)-Bild der Fürstenfamilie die geordneten Familienverhältnisse im Fürstenhaus. Seitdem vermehrt fotografische Vor- lagen für die Porträtmarken verwendet wurden, ver- stärkte sich die Illusion, dass der liechtensteinischen Bevölkerung und den Postkunden in aller Welt Ein- blick in das «private» Familienalbum des Fürsten- hauses gewährt werde. 1955 wurde die vierteilige «Rotkreuzserie» mit fotografischen Porträts der Fürs- tenkinder Prinz Johann Adam, Prinz Philipp, Prinz Nikolaus und Prinzessin Nora gedruckt, 1970 folgte die Porträtmarke «25 Jahre Liechtensteinisches Ro- tes Kreuz» für Prinz Franz Josef Wenzel. 1975 er- schien die Serie «Bildnisse aus dem Fürstenhaus» für die Prinzen Alois, Maximilian und Constantin, ge- folgt 1977 von einer Marke für Prinzessin Tatjana. Schliesslich runden die Marke für die Silberne Hoch- zeit des Fürstenpaares (1992) und der Block zur Ver- mählung des Erbprinzen (1993) das Bild einer intak- ten Fürstenfamilie ab. Die Marken erscheinen als Spiegelbilder einer idealtypischen Familienordnung, in der die Fürstenfamilie stets den Kern der  und des Staatskörpers in einem verkörpert. Dieses auf den Markenbildern propagierte Ver- sprechen auf Erhaltung der herrschenden Ordnung tritt uns dabei in verschiedenen Ausprägungen ent- gegen: in der Gestalt des Landesvaters, im väterlich sorgenden wie im patriarchal-strengen Fürsten so- wie in der Gestalt des ewigen Lenkers. 208
        

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