DAS BILD DES FÜRSTEN SASCHA BUCHBINDER / MATTHIAS WEISHAUPT irWRStEMTUFl! ff. . 
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Iii l;6 FÜRSTENTUM \(| 1944/47 1945 1947 1949 ein», heisst es in der Schlussszene. Der sehnlichst er- wartete Fürst tritt auf die Bühne, gibt den Bauern ihr Vieh zurück, befreit Barbara aus dem Kerker, legt dem Volk ein neues Gesetz vor und nimmt den bösen Vogt gefangen. Während des Schlusschors «Land der Väter» mit den abschliessenden Zeilen: «Wir gehen hin und dauern nicht, / Die Krone ist das Pfand / Der Ewigkeit, das goldne Licht, / Der Segen unserm Land», huldigen die Vertreter der elf Gemeinden dem Fürsten. Das historische Festspiel von 1956 ist geprägt von  und , von (katholischer) Gottes- fürchtigkeit, von symbiotischer Vereinigung von Fürst und Volk und der Treue zum Fürsten. All diese Werte sind spezifisch für die liechtensteinische Ge- dächtniskultur.0'' Eine nationale , wie sie für die Nationenbildung im 19. Jahrhundert typisch ist, fehlt aber für Liechtenstein. Der «Balan- ceakt zwischen Fürst und Volk»,70 der Ausgleich zwi- schen Monarchie und Demokratie, ist ein viel disku- tiertes konstitutives Element der liechtensteinischen Gesellschaft, das allerdings keine Entsprechung in einem ausgeglichenen Verhältnis von monarchi- schen und bürgerlich-nationalen Geschichtsbildern findet. Wenn Sieglinde Gstöhl meint: «Die Geschichte unseres Landes ist zwar eng mit der Geschichte des Fürstenhauses verquickt, sie darf sich aber aufgrund einer vermeintlichen Geschichtslosigkeit bzw. Be- deutungslosigkeit keineswegs darauf beschränken»,71 so kann dem sicher zugestimmt werden. Doch ist unübersehbar, dass kein bürgerlich-nationales Bild aus der liechtensteinischen Geschichte der Strahl- kraft des Fürstenbildes gewachsen ist, was ange- sichts der konstitutiven Bedeutung der Geschichte für die Identitätsstiftung eine weitreichende Rele- vanz hat. An Anstrengungen, dieses ungleiche Verhältnis von bürgerlich-nationaler Identitätsfmdung und monarchischen Angeboten der Identitätsstiftung zu korrigieren, fehlte es nicht: Die Gründung des Histo- rischen Vereins 1901 zielte wesentlich darauf ab, die 
Nationalgeschichte zu fördern,72 die 1972 eröffnete Reihe «Liechtenstein - Politische Schriften» der Liechtensteinischen Akademischen Gesellschaft und das 1987 gegründete Liechtenstein-Institut lassen immer wieder den Versuch erkennen, auf wissen- schaftlicher Erkenntnis die demokratischen Tradi- tionen Liechtensteins zu begründen und ein ausge- glichenes Kräfteverhältnis in der «Mischverfassung» des Fürstentums Liechtenstein zu schaffen. Schliess- lich zeigt die Neuauflage von Peter Kaisers «Ge- schichte des Fürstenthums Liechtenstein» 1989 (die zweite nach 1923) und die zahlreichen Untersuchun- gen zur Person von Peter Kaiser das starke Bemühen, aus dem demokratischen Traditionsbewusstsein ein nationales, demokratisches Gegenbild zum Bild des Fürsten aufzubauen. Der Historiker Peter Kaiser gehört so, zusammen mit dem «Heimatkomponi- 64) Ebenda, S. 36-40. - Lesebuch 1938, S. 282. 65) Liechtensteinische Lieder, S. 49 f. 66) JBL 42 (1942), S. 87. Das Schauspiel von Peter Geiger 1992 kommt - historisch richtig - ohne die Figur des Fürsten aus. Geiger, Peter: Die Teilung von Sargans und Vaduz vor 650 Jahren. Kleines historisches Schauspiel. Schaan. 1992. [Unveröffentlichtes Typo- skript]. 67) Katalog Schweiz / Liechtenstein. Campione und Vereinte Natio- nen. Genf, 2004. Red. Max und Christoph Hertsch. Bern, 2003, S.484. 68) Beck, Josef: Festspiel. 250 Jahre Liechtenstein. 1699-1949. Drei historische Bilder. Schaan, 1949. Siehe dazu Vogt, Wendepunkt, S. 9-11. - Eberle, Oskar: Liechtenstein. Festspiel zur Hundertfünfzig- Jahrfeier der Unabhängigkeit dos Fürstentums Liechtenstein. [Typoskript. Vaduz, 1956]. - Allgemein zu den historischen Festspie- len siehe Weishaupt, Matthias: Sankt-gallische Geschichtskultur. Historisierende Sinnsuche im 19. und 20. Jahrhundert. In: Sankt- Galler Geschichte 2003. Bd. 8: Die Zeit des Kantons 1945-2000. Hrsg. Wissenschaftliche Kommission der Sankt-Galler Kantonsge- schichte. St.Gallen, 2003. S. 227-253, hier S. 249-251. 69) Vogt, Wendepunkt, S.II. 70) Gstöhl, Wir sind wer, S. 24 f. 71) Ebenda, S. 23 f. 72) Biedermann, Geschichtliche Forschungen, S. 26. 205
        

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