1942 Diese Publikationen - darunter gewichtige Bild- bände mit grossformatigen Fotografien, Auszügen aus Ansprachen des Fürsten sowie Lobreden auf den Fürsten und das Fürstenhaus - sind in den meisten Fällen kaum anders denn als positivistische Hofge- schichtsschreibung zu bezeichnen, die dem Fürsten- haus und der Monarchie einen klaren Vorrang vor der liechtensteinischen Bevölkerung und den de- mokratischen Entwicklungen einräumen. Selbst ge- schichtswissenschaftliche Werke wie die beiden Quellenbände von 1978 und 1988, die den inhaltli- chen Schwerpunkt nicht auf die Geschichte des Für- sten legen,50 orientieren sich an seiner Regierungs- zeit und setzen mit dem Zeitrahmen 1938 bis 1988 eine fürstlich-monarchische Periodisierung für die Geschichte des Fürstentums Liechtenstein. In Anleh- nung an das von Eric Hobsbawm definierte «kurze 20. Jahrhundert» (1914 bis 1991)51 müsste im Falle Liechtensteins vom kürzesten 20. Jahrhundert) (1938 bis 1988) gesprochen werden. Bei dem Bild- band «Der Landesfürst: Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein. Ein Jahr in Bildern und Texten»,52 der das 45. Regierungsjahr von Fürst Franz Josef II. mit der Pilgerfahrt zu Papst Johannes Paul II. und der Einsetzung von Erbprinz Hans-Adam II. als Stellver- treter dokumentiert, sowie bei dem 1990 erschiene- nen Bildband «Thronfolge»53 nimmt die Darstellung hagiographische Züge an. 
DAS FÜRSTENHAUS ALS FLUCHTLINIE Das Bild des Fürsten überstrahlt in der Geschichts- schreibung Liechtensteins alle anderen Bilder. Er- eignisse, die  mit der Landesgeschichte zu tun haben, aber nicht mit dem regierenden Monarchen und seiner Familie verknüpft werden können, sind in der liechtensteinischen Gedächtniskultur klar zweit- rangig. Dies belegt eine Feststellung von Paul Vogt: «Die Feier <250 Jahre Fürstentum Liechtenstein) 1969 fand nur drei Jahre nach dem 60. Geburtstag von Fürst Franz Josef II. und nur zwei Jahre nach der glänzenden Hochzeit des Erbprinzen Hans-Adam statt: Nach diesen Feierlichkeiten schien ein etwas kleinerer Rahmen angebracht.» Und auch die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Verfassung mit einer Gedenksitzung des Landtages am 5. Oktober 1971 fiel im Vergleich zu den Volksfesten zu Ehren des Fürsten und seiner Familie «geradezu bescheiden» aus.54 Bereits die ersten patriotischen Gedenkfeiern im Fürstentum Liechtenstein, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mittels kollektiver Geschichtsbilder ein liechtensteinisches Nationalbewusstsein zu schaf- fen versuchten,55 standen im Bann des Fürsten. Das 200-Jahrjubiläum 1899 zum Kauf der Grafschaft Schellenberg war geprägt durch eine Huldigungs- adresse der Unterländer Vorsteher an Fürst Jo- hann IL, durch die Einweihung eines Gedenksteins bei Schellenberg, der an die Erwerbung der Herr- schaft durch Fürst Johann Adam erinnerte, sowie durch einen Festakt, bei dem der Fürst-Jubiläums- Marsch von Sobotka gespielt wurde. Schliesslich schickte man an Fürst Johann II. ein Glückswunschte- legramm, mit dem das Versprechen «der unver- brüchlichen Treue und Ergebenheit» gegenüber dem Fürstenhaus erneuert wurde.56 Die Hundertjahrfeier zur Erlangung der Souveränität des Fürstentums Liechtenstein im Rahmen des Rheinbundes wurde im Jahr 1906 ausgelassen, doch boten sich 1912 weitere Gelegenheiten für nationale Jubiläen: Dem 202
        

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