DAS KINO IM WIRTSHAUS «RÖSSLE» IN SCHAAN ANNETTE LINGG Resümee Mit dem Kino im «Rössle» erhielt Liechtenstein 1918 das erste ortsfeste Kino. Für die hauptsächlich bäu- erliche Bevölkerung im ländlichen Kleinstaat war das Kino eine willkommene Abwechslung und ein Fens- ter zur Welt. Von Beginn an wurde das Kino als Ge- fährdung für Sittlichkeit und Anstand der Bevölke- rung gesehen. Pädagogen und Geistliche als die mo- ralischen Instanzen wollten vor allem die Jugend vom vermeintlich schädlichen Kinobesuch fernhal- ten. Wie alle anderen Lebensbereiche musste sich das Kino den herrschenden Normen anpassen. Das Akzeptieren von diesen Regeln war für den «Rössle»- Wirt Karl Kaufmann selbstverständlich. Schon im Be- willigungsgesuch versicherte er, nur «gediegene und lehrreiche Filme» zeigen zu wollen. Um Kindervor- stellungen zu organisieren, bezog er die Kirche mit ein und zeigte Verfilmungen christlicher Stoffe. Die vorliegende Untersuchung wirft nicht nur ein Licht auf die Anfänge dieser Massenkultur in Liech- tenstein auf, sondern versucht auch das Kino in die Gaststätten-Vergnügungen einzureihen. Die Wirts- häuser hatten eine zentrale Stelle im Dorfgefüge inne und bündelten die gesellschaftlichen und unterhal- tenden Aktivitäten und Darbietungen. Auf das Kinoprogramm konnte im Rahmen dieser Arbeit, von der Auflistung sämtlicher beworbener Ti- tel abgesehen, leider nicht genauer eingegangen wer- den. Lohnend wäre beispielsweise eine Analyse des Programms und ein Vergleich mit anderen Kinos. Welche Filme für das «Rössle» ausgewählt wurden, was gezeigt wurde und was nicht, würde einen auf- schlussreichen Einblick in das kulturpolitische Klima gewähren. Dem Kino als Ort kollektiver Erfahrung gebührt ein fester Platz in der Geschichte des 20. Jahrhun- derts. Eine umfassende Kinogeschichte Liechten- steins steht allerdings noch aus. Dank gebührt meinen Interviewpartnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Liech- tensteinischen Landesarchivs. 50) Maase, Kaspar: Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der Massenkultur 1850-1970. Frankfurt am Main 1997, S. 111. 169
        

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