dende und sittlich Gefährdende ...»,23 so dass der Kino-Besuch von Kindern grundsätzlich abgelehnt wird. Autoritäten wie Lehrer und Pfarrer fürchteten um ihre bisher dominierende Weltsicht. Als die traditio- nellen Erklärer der Welt betrachteten sie den Einfluss der Kinobilder auf die Menschen mit Misstrauen. Sie versuchten einen Schutzwall vor die Flut der Bilder zu errichten und einen gewissen Sittlichkeits- und Bildungsstandard zu wahren. Die Diskussion um die Moral des Kinos begann erst zu der Zeit, als das Kino sesshaft wurde und vom saisonal begrenzten Jahrmarktsvergnügen mit Ku- riositätswert zur dauerhaften Einrichtung und der Kinobesuch zur Gewohnheit wurde.24 Zudem lehnte sich das Kino in Architektur und Ausstattung deutlich an das Theater an, nannte sich vornehm Kino-Thea- ter oder Lichtspiel-Theater. Eine klare Anmassung, mit der das Kino versuchte, seine Herkunft vom Jahr- markt abzustreifen und Publikum vom Theater ab- zuziehen drohte. MORAL RUND UM DAS «RÖSSLE»-KINO «... bei der bekannten sittlich tiefen Qualität der Bilder...»25 Auch in Liechtenstein war Kino von den 191 Oer bis zu den 1930er Jahren ein von verschiedenen Seiten kri- tisch beäugtes Vergnügen. Kinobetreiber und Kino- verächter stiessen öfter aneinander mit Argumenten für oder wider dieses Vergnügen. Kinobetreiber rechtfertigten sich damit, dass lediglich sittlich ein- wandfreie und belehrende Filme gezeigt werden, auf gar keine Fälle jedoch irgendwie anrüchige. Filme sollten wenn möglich einen belehrenden Charakter haben und politisch und sittlich untadelig sein. Juli- us W. Meier, der 1917 mit dem Antrag zur Aufstellung eines Wanderkinematographen aus Wien an die liechtensteinische Regierung gelangte, sicherte sich gegen allfällige Einwände folgendermassen ab: «... Ich erlaube mir, meinen Vorschlag mit dem Hin- weis zu unterstuetzen, dass es bei diesen evtl. Vor- stellungen sich nicht um Vergnügungsvorstellwigen 
handelt, sondern mehr um bildende, bildnerische Darstellungen. Es werden unter den Darbietungen vielleicht auch einige Scenen aus dem Kriegsleben auf oesterreichischer bezw. deutscher Seite sein, die dem deutschfreundlichen Wesen der hiesigen Be- wohner sicherlich sehr sympathisch sein duerften. Ebenso wuerden sich noch einige Darstellungen wissenschaftlicher Art einfuegen lassen u.s.w. ...».2fi Vergnügen per se schien unzulässig zu sein, Kino nur um des Vergnügens Willen war wohl ein allzu frivo- ler Gedanke. Nur bei gleichzeitiger Belehrung war Kino-Unterhaltung akzeptiert. Auch Karl Kaufmann und Carl Schlumpf weisen in ihrem Gesuch daraufhin, dass nur «gediegene und lehrreiche Filme» aufgeführt würden. Ihre Idee, ei- nen Teil der Einnahmen zu gemeinnützigen Zwecken zu verwenden, scheint eine beliebte Taktik gewesen zusein, das Ansehen des Kinos zu steigern. 1924 bei- spielsweise fand in Zusammenarbeit mit dem Schaa- ner Pfarrer Büchel eine Filmvorstellung für Kinder statt, deren Reingewinn für den Kauf einer Kirch- turmuhr verwendet wurde.27 Kinogegner gelangten verschiedentlich mit der Bitte an die Regierung, die Auflagen strenger durch- zusetzen. Die Regierung gab solchen Bitten, soweit dokumentiert, jeweils nach, legte aus eigenem An- trieb den Kinobetreibern aber auch keine Steine in den Weg. Widerstand gegen das Kino «Rössle» ist vor allem von kirchlicher Seite feststellbar. Als die Wahrer von Sitte und Anstand waren die Pfarrer besorgt um die Seelen ihrer Schäflein. Auch von der Seite der Lehrer regte sich gelegentlicher Unmut, nämlich dann wenn Schüler im Kino gesehen wurden. Wichtigster Sitten- wächter in Liechtenstein war aber die katholische Kirche und mit ihr der jeweilige Pfarrer im Dorf. Meinrad Lingg erinnert sich: «Damals hat der Pfarrer regiert in der Gemeinde. Er hat die Richtlinien gege- ben. Alles Vergnügen musste nach der Kirche ausge- richtet sein und musste der katholischen Moral ent- sprechen.» Dieser katholischen Moral war nun alles ein Dorn im Auge, was von einem sittlichen Leben ab- halten könnte. Neben dem Kino machte die Kirche auch Tanz- und Theaterveranstaltungen verantwort- 158
        

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