Menschen, Vorschriften, kulturpolitische Diskussio- nen-zusammengeführt werden. Ziel ist es, diese Ki- novorstellungen und die Umgebung, in der sie statt- fanden, so genau wie möglich zu rekonstruieren und sie in einem sozialen Ort zu situieren. Dieser ima- ginäre Raum soll aus einer mosaikartigen Zusam- mensetzung von verschiedenen Informationen ent- stehen. Rekonstruieren lässt sich der Raum als Er- zählung, die bestimmt kein abgeschlossenes Bild er- geben kann; sie wird zwangsläufig fragmentarisch sein, Fragen offenlassen und vielleicht auch Wider- sprüche anzeigen. Entstehen werden eine Vielzahl von Geschichten, die vom Kino, vom Dorf, von Frei- zeitvergnügungen und vom Widerstand dagegen handeln. Der Saal, in dem die Filme gezeigt wurden, exis- tiert noch; Spuren, die daraufhinweisen könnten, dass hier einst Filme gezeigt wurden, sind jedoch nicht zu sehen. Die Funktion des Wirtshaussaales als wichtiger Ort des öffentlichen Lebens, wo beispiels- weise Feste gefeiert oder Vereinsversammlungen durchgeführt wurden, ist auch heute noch vorhan- den. Zu der Zeit des Kinos im «Rössle» kam Wirts- haussälen allerdings eine viel grössere und umfang- reichere Bedeutung zu als heute. Praktisch alles, was an Vergnügungen und an sozialem Leben geboten wurde - seien es Theater, Konzerte, Tanzveranstal- tungen - fand in Wirtshäusern statt. Es gab ansons- ten - ausser den Kirchen und Schulen (die beide als Institutionen jedoch kräftig mitbestimmten, wie das soziale Leben im Wirtshaus auszusehen hatte) - kei- ne anderen öffentlichen Veranstaltungsorte. Die Wirtshäuser können als eigentliche Institutionen des Vergnügens betrachtet werden, mit den Kinovorstel- lungen als einem Teil der dargebotenen Unterhal- tungen. Die Suche nach dem Kino im «Rössle» ist die Er- forschung eines verschwundenen Ortes. Hier soll es nur am Rande um die im «Rössle» gezeigten Filme gehen, wichtiger ist der kulturelle und gesellschaftli- che Ort «Kino». Das Lokale interessierte die weitläu- fige und per se internationale Filmgeschichte lange Zeit nicht. Im Gegensatz zur gut dokumentierten Ge- schichte des Films setzt die Geschichtsschreibung des Kinos spät ein, erst seit den 1980ern wird das 
Thema in einiger Breite behandelt. Damit entstand das Entdecken der Kinogeschichte zeitgleich mit der Erfahrung des Verlustes von Kinokultur, dem Ver- schwinden von lange bestehenden Kinos und dem Aufkommen von Multiplexen.3 Das Medium Film stiess von Anfang an auf ein enormes Interesse und entwickelte sich schnell zum Massenmedium, dessen Bedeutung nicht Über- schätztwerden kann. Das Leitmedium des 20. Jahr- hunderts spiegelt die Gesellschaft, erschafft Mythen und begründet Moden. Es spricht die Schaulust an und befriedigt Zerstreuungs- ebenso wie Informati- onsbedürfnisse und gehört zum wichtigen Erfah- rungsschatz des modernen Menschen. 3) Hickethier, Knut-. Die Bedeutung regionaler Filmforschung für die überregionale Filmgeschichte, S. 33. 140
        

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