Täglich wurden auch grosse Gruppen von Frauen in andere Konzentrations- oder Arbeitslager, teils auch in Vernichtungslager, weitergeleitet.98 Wie es der Liechtensteiner KZ-Insassin von Hoff- mann vom September 1944 bis zur Befreiung Ende April 1945 im Einzelnen erging, ob sie in Ravens- brück blieb oder weiter verlegt wurde, ist nicht be- kannt, jedenfalls bisher. Es ist denkbar, dass sie die ganze Zeit im Lager und dort in verschiedenen Ar- beitskommandos war. Es ist auch möglich, dass sie in eines oder mehrere der zahlreichen auswärtigen Arbeitslager verlegt wurde. Den häufigen Tötungs- selektionen entging sie. Dass im «Blockbuch 1» Va- leskas Geburtsjahr, wie erwähnt, unzutreffend mit «95» (1895) statt richtig «94» eingetragen wurde und sie damit um ein Jahr jünger registriert war, mochte ein zufälliger Verschrieb sein. Es könnte auch eine bewusst falsche, lebensrettende Angabe gewesen sein, denn so war Valeska Hoffmann als 49-Jährige registriert, während kranke oder ar- beitsschwache Frauen ab 50 Jahren besonders von «Selektion» zur Tötung bedroht waren. Sicher ist, dass Valeska von Hoffmann auch 1945 noch KZ-Häftling war, sie sprach später von «meiner Rückkehr aus dem Konzentrationslager 1945».99 Wie sie die Befreiung erlebte, ist unbekannt: Ob als eine der 7500 Insassinnen, welche das IKRK und das Schwedische Rote Kreuz einige Wochen und Tage vor Kriegsende 1945 durch Verhandlungen aus Ravens- brück herausholen konnten; oder als eine der Tau- sende von Frauen und Kindern, welche in vier Trans- porten im Februar und März aus dem KZ Ravens- brück ins «Frauenlager» des KZ Bergen-Belsen ver- legt wurden, so allein am 2. März 3200 Frauen und Kinder;100 oder als eine der Zehntausende, die noch gegen Ende April 1945 durch die SS auf einen «To- desmarsch» getrieben wurden; oder als eine der 3000 im Lager zurückgebliebenen Kranken, welche schliesslich am 30. April 1945 von der Roten Armee befreit wurden.101 Wir haben zu solchen allfälligen weiteren Lager-Stationen nach der Einlieferung Va- leskas von Hoffmann in Ravensbrück keine Anhalts- punkte. So enthält etwa die Datenbank der 40 000 Häftlinge, welche aufgrund allerdings unvollständi- ger Bestandeslisten für das Konzentrationslager Ber-gen-Belsen 
bisher bekannt sind, Valeska von Hoff- mann nicht, ebenso keinen LIinweis auf Liechtenstei- ner Staatsbürger.102 Für die erlittene Behandlung in den Lagern aber gibt es überlieferte Aussagen von Valeska von Hoff- mann selber sowie indirekte Hinweise. Nach dem Krieg äusserte sie sich oft bitter über das, was ihr widerfahren war. Sie erzählte davon auch ihrer jun- gen LIaushaltspraktikantin Karoline Bauer: «Wie Schweine hat man uns eingepfercht, ohne Wasser zum Waschen, ohne Besuch, ohne Nachricht von Freunden, Verwandten und Bekannten, täglich mit der Ungewissheit lebend, ob man den nächsten Tag noch überlebte.» Im Konzentrationslager wurde sie täglich gede- mütigt und schikaniert. Sie musste zeitweilig mit ge- fesselten Händen schlafen. Sie litt unter unsägli- chem Hunger, ihre Seidenstrümpfe tauschte sie bei einem Wärter gegen eine alte Semmel.103 Der Be- richt der Meraner Israelitischen Gemeinde von 1947 über das Schicksal der Meraner Juden er- wähnt allgemein die von der Baronessa Walli Hoff- mann durchlebten verschiedenen Konzentrations- lager («vari Lager») und die erlittenen schwersten Leiden («gravissime sofferenze»).104 Valeska von Hoffmann traf andererseits im Lager auch auf eine einzelne Person, welche ihr sehr ge- holfen haben muss. Von ihr sprach sie später näm- lich öfter als von einem «Engel, ohne den ich nicht 98) Grit Philipp / Monika Schnell, Kalendarium. S. 170. 99) Bar. Walli Elisabeth Hoffmann an Fürst Franz Josef 11. von Liechtenstein. 4. Nov. 1949, LLA RF 250/076. 100) Schriftliche Auskunft der Gedenkstätte Bergen-Belsen (Wiss. Mitarbeiter Bernd Horstmann), Lohheide, an den Verfasser. 17. Sept. 2003. 101) Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück (1938-1945), Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Fürstenberg, wvvw.ravens- brueck.de (2003). 102) Schriftliche Auskunft der Gedenkstätte Bergen-Belsen (Bernd Horstmann). Lohheide, an den Verfasser, 17. Sept. 2003. 103) Aussagen von Valeska von Hoffmann gegenüber Karoline Kornprobst-Bauer, Meran, durch ihren Sohn Dr. Rudolf Kornprobst dem Verfasser mitgeteilt, 23. Mai 2003. 104) Zit. Steinhaus, Ebrei, S. 94. 126
        

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