EINE LIECHTENSTEINERIN IM KZ: BARONIN VALESKA VON HOFFMANN / PETER GEIGER Sie blieb vorläufig über den März 1944 hinaus in Reichenau gefangen. Wie sie dieses Lager im Einzel- nen durchlebte, wissen wir nicht. Ein ehemaliger italienischer Häftling, Edgar Front aus Bozen, der ab dem März 1944 im Lager Reichenau gefangen war, erinnerte sich in einer späteren Zeugenaussage von 1948, in welcher er das Lager schilderte, an sie: «Eine der jüngsten weiblichen Häftlinge war eine Frau Baronin Hoffmann aus Meran-Obermais.»''7 Sie war jetzt 50 Jahre alt. Demnach waren die weni- gen im Lager Reichenau inhaftierten Frauen durch- wegs höheren Alters. Dem Vernichtungstransport nach Auschwitz ent- ging Valeska von HofTmann aufgrund ihrer liechten- steinischen Staatsbürgerschaft. Dies führt uns in die Welten der Diplomatie und der Behörden. DIPLOMATISCHE BEMÜHUNGEN Die Bemühungen um die Freilassung Valeskas von Hoffmann begannen sogleich nach der Verhaftung im September 1943, und sie dauerten während fast ihrer ganzen Lagergefangenschaft an. Erfolgreich waren sie insofern nicht, als sie die Freilassung nicht erreichten, und insofern doch, indem für die jüdische Gefangene Valeska von Hoffmann behörd- liche Aufmerksamkeit erreicht wurde und sie daher nicht einfach wie die andern Meraner Juden Ausch- witz zugeführt wurde. Involviert waren auf der einen Seite die schwei- zerischen Konsulate in Venedig, Wien und Bregenz, private Bekannte von Valeska von Hoffmann (dar-unter 
Fürstin Elsa), die liechtensteinische Regie- rung, das Eidgenössische Politische Departement (EPD, als Aussenministerium) in Bern, die schwei- zerischen Gesandtschaften in Rom und Berlin, dazu zeitweilig je ein Anwalt in Meran, in Vaduz und in Innsbruck. Auf der anderen, der deutschen Seite standen neben den lokalen Lager- und Polizeiver- waltungen das Auswärtige Amt in Berlin, hier vorab die Abteilung Inland II A («Juden»), die deutsche Gesandtschaft in Bern, das Reichssicherheitshaupt- amt (RSHA) in Berlin, in diesem die Gestapo, und 49) «Appunti», zit. Steinhaus, Ebrei, S. 95. 50) «Appunti», zit. Steinhaus, Ebrei, S. 94. 51) Vgl. Steinhaus, Ebrei, S. 102 f. 52) «Urteil des Schwurgerichts des LG Hechingen gegen den frühe- ren Polizeiwachtmeister Georg Mott», 10. Februar 1958, Auszug in: Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945. Eine Dokumentati- on. Bearbeitet von Peter Eppel, Brigitte Galanda et al. Hg. vom Do- kumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Bd. 1, Wien, München 1984, S. 572 f. 53) Das Oberstellungsdatum (28. Juli 1943) ist durch die Häftlings- kartei dos Landesgerichtes Innsbruck belegt, vgl. Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945, Bd. 1, S. 476. 54) Amtsbescheinigung der Städtischen Friedhofverwaltung Inns- bruck. 20. Juli 1945 (unterzeichnet von Amtsrat Sokopf), abgebildet bei Steinhaus, Ebrei, Anhang. 55) Steinhaus, Ebrei, S. 94, S. 102. - Picciotto, II Libro della Memo- ria, dort Angabe bei den alphabetisch aufgeführten Namen. 56) Picciotto, II Libro della Memoria, S. 28 ff, ermittelte total 6806 aus Italien deportierte Juden, von denen 837 überlebten. 57) Zeugenaussage des Edgar Front aus Bozen vor dem Landesge- richt Innsbruck als Volksgericht, 23. März 1948, zit. in: Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945, Bd. 1, S. 586 f. - In italienischer Sprache auch zit. bei Steinhaus, Ebrei, S. 103. 113
        

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