5 Konzentrationslager transportiert. Die Fahrt ging über den Passo di Gio- vo (Jaufenpass) und über den Brenner nach Inns- bruck. Mindestens zehn jener weiteren Juden, denen kurz zuvor noch die Flucht aus Meran gelungen war, wurden später in andern italienischen Städten doch gefasst: Zwei davon wurden in Rom erschossen, die andern wurden ebenfalls deportiert, bei ihren Na- men stand 1947 der Vermerk: «non fece ritorno», kam nicht zurück.49 Gleiches galt auch für die erwähnten 25 direkt aus Meran nach Innsbruck Deportierten - mit der einzigen Ausnahme von Valeska von Hoffmann. Der Bericht der Israelitischen Gemeinde Meran zieht nach dem Krieg 1947 die bedrückende Bilanz: «Soltanto uno dei 25 suelencati ebrei, deportati da Merano nel settembre 1943, ha fatto ritorno: unica superstite e la baronessa Walli Hoffmann, cid - cit- tadina, del Lichtenstein (sie), forse per interessa- mento delle autoritä consolari svizzere -fu rispar- miato il campo di sterminio di Auschwitz, e che, dopo aver soggiornato in vari Lager, dopo gravissi- me sofferenze e ora rientrata. a Merano.»50 Ins Deutsche übertragen heisst dies: Von den oben aufgelisteten 25 Juden, welche im September 1943 deportiert wurden, ist nur eine Person zurück- gekehrt: Einzige Überlebende ist die Baronin Walli Hoffmann, welcher - als Bürgerin von Liechten- stein, vielleicht dank konsularischer Bemühungen der Schweiz - das Vernichtungslager Auschwitz er- spart blieb und welche nach Aufenthalten in ver- schiedenen Lagern und nach schwersten Leiden nun nach Meran zurückgekehrt ist. In der Tat durchlitt Walli Hoffmann von 1943 bis 1945 während nahezu zwei Jahren die Welt der Konzen- trationslager. 
«ARBEITSERZIEHUNGSLAGER» REICHENAU Die 25 gemeinsam deportierten Meraner Juden wur- den ins Lager Reichenau geführt. Es lag zwischen Innsbruck und Hall auf offenem Feld und bestand aus Holzbaracken und Stacheldrahtumzäunung. Ur- sprünglich war es für entsprungene italienische Kontraktarbeiter eingerichtet, dann wurde es suk- zessive zu einem «Arbeitserziehungslager» bezie- hungsweise Konzentrationslager umfunktioniert, für Ausländer und ab 1943 auch für ausländische Juden und politische Häftlinge. Aus Zeugenaussagen der nach dem Krieg geführten Prozesse ist die un- menschliche Behandlung der Häftlinge im Lager Rei- chenau bekannt.51 Die zumeist etwa 500 Insassen, hauptsächlich Italiener, Polen, Russen und Fran- zosen, fast alles Männer, wurden zu Sklavenarbeit in umliegenden Betrieben und auch zur Sprengung von Blindgängern nach Bombardierungen eingesetzt.52 In diesem Lager Reichenau bei Innsbruck war Va- leska von Hoffmann während fast eines Jahres ein- gesperrt, vom 16. September 1943 bis zum 27. Juli 1944.53 Im Lager Reichenau starben vier der ältesten Deportierten aus Meran - wie nach dem Krieg die Innsbrucker Friedhofverwaltung auf Anfrage der Meraner Israelitischen Gemeinde im Juli 1945 Aus- kunft erteilte, anfügend, man wisse nicht, wann und wo die übrigen 21 namentlich aufgehsteten Perso- nen - darunter «Hofmann Wally, Baronin» - «beer- digt wurden».54 Dass sie alle tot wären, nahm man in Innsbruck an. Tatsächlich wurden jene 20 andern Meraner Juden - ausser Valeska -, nach halbjähri- gem Aufenthalt im Lager Reichenau weiter depor- tiert, die meisten am 7. März 1944, und zwar nach Auschwitz, in die Vernichtung, darunter war das nun 7-jährige Mädchen Elena de Salvo mit der Mutter.55 Um die Relationen zu überblicken, seien einige Zahlen genannt, mit dem Bemerken, dass jede Zahl für ebenso viele menschliche Tragödien steht. Von den insgesamt etwa 6800 aus Italien deportierten Juden überlebten nur rund 830 Personen,56 unter ihnen der Auschwitz-Häftling Primo Levi, Verfasser des berühmten Buches «Se questo e un uomo» (deutsch unter dem Titel «Ist das ein Mensch?»), und eben Valeska von Hoffmann. 112
        

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