ran, zumeist Mitglieder des «Südtiroler Ordnungs- Dienstes», die zugleich in die Gestapo, den deut- schen SD und die SS eingegliedert waren. Die unter Gewaltanwendung Verhafteten wurden ins Unter- geschoss der «Casa del Baliila» in der Via Ottone Hu- ber gebracht, ein Freizeitzentrum mit Turn- und Ki- noraum. «Baliila» war die faschistische Jugendor- ganisation. Eine 75-jährige Kranke wurde herbeige- tragen, ebenso zwei alte Schwestern, die sich der Verhaftung durch Gift zu entziehen suchten. Zwei Frauen wiederum, die Tage zuvor Zuflucht bei Be- kannten in der Umgebung gesucht hatten, wurden aufgespürt und unter Verzweiflungsschreien durch die Strassen Merans herangeschleppt. Auch Valeska von Hoffmann wurde aus der «Villa Paulina» wegge- führt und in die Via Ottone Huber verbracht. Die Männer, welche sie abholten, spuckten sie an. Es war ein drückend heisser Spätsommertag. Im Kellergeschoss der «Casa del Balilla» blieben die Fenster geschlossen, um kein Rufen und Weinen nach aussen dringen zu lassen. Den ganzen Tag gab es weder Essen noch Wasser noch Toilettenerlaub- nis. Gegen Abend wurden die Personen einzeln und in entwürdigender Weise vom Meraner Gestapochef Niederwieser verhört und registriert. Man nahm ih- nen alles Wertvolle ab. Noch am selben späten Abend wurden diese 25 unglückseligen Meraner Juden, darunter Valeska von Hoffmann, mit einem Bus oder Lastwagen ab- 42) Ebenda, S. 87 f. 43) Ebenda. - Picciotto, II Libro della Memoria, S. 992, löst dagegen die Abkürzung SOD mit «Sicherheits- und Ordnungsdienst» auf. 44) Steinhaus, Ebrei, S. 89 ff. 45) Ebenda, S. 93. 46) Die folgende Schilderung stützt sich auf die bei Steinhaus, Ebrei, S. 92-99, in längeren Auszügen wiedergegebenen «Appunti circa gli ebrei di Merano in relazione alla occupazione tedesca», 1947 ver- fasst von der neu organisierten Comunitä Israelitica di Merano auf- grund von damaligen Zeugenaussagen; die «Appunti» («Feststellun- gen», «Vorwürfe») wurden 1947 in fast identischer Form an das «Comitato Nazionale di Liberazione» gesandt; vgl. Steinhaus, Ebrei, S. 99. 47) Steinhaus, Ebrei, S. 95 ff. 48) Aus den «Appunti», zit. Steinhaus, Ebrei, S. 93. 
EINE LIECHTENSTEINERIN IM KZ: BARONIN VALESKA VON HOFFMANN / PETER GEIGER Deutschland N Innsbruck iHLager Reichenau «Ostmark» \Brennerpass . S---.. * § 
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Brixen O \ Bozen 0 8 16 24 32 40 km Deportationsroute am 16. September 1942: Meran - Jaufenpass - Brenner - Innsbruck - Rei- chenau 111
        

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