EINE LIECHTENSTEINERIN IM KZ: BARONIN VALESKA VON HOFFMANN / PETER GEIGER 4 Jähe Wende 1943 STURZ MUSSOLINIS, DEUTSCHE BESETZUNG ITALIENS Im Juli 1943 eroberten die Alliierten Sizilien, sie drangen nordwärts vor. Am 25. Juli 1943 wurde Mussolini durch seine eigene faschistische Partei und den König gestürzt und verhaftet. Die neue itali- enische Regierung unter Marschall Badoglio schloss mit den Alliierten einen Waffenstillstand. Darauf liess Hitler ab dem 8. September Italien besetzen und Mussolini befreien. Er setzte den «Duce» an die Spitze einer italienischen republikanischen Gegen- regierung. Deren kulissenhafte «Repubblica Sociale Italiana», nach ihrem Sitz in Salö am Gardasee meist als «Republik von Salö» bezeichnet und von Mussolini bis zum Kriegsende geführt, erklärte im November 1943 alle Juden zu «Feinden» der italie- nischen Nation,38 TOD DES FREIHERRN VON HOFFMANN Genau in jenen italienischen Umsturztagen des Sommers 1943 starb Philipp von Hoffmann am 3. August an einem LIerzschlag. Valeska von Hoffmann teilte am 9. August den unerwarteten Tod ihres Gat- ten brieflich Regierungschef Hoop mit. Sie bat ihn, den Hinschied des Freiherrn von Hoffmann, den Hoop so sehr geschätzt habe, auch dem «verehrten Landesfürsten» mitzuteilen, und sie dankte für das ihnen erwiesene stetige Entgegenkommen. Vielsa- gend fügte sie zum Verlust ihres Gatten an: «Sie ... werden ermessen können, was ich verloren habe, gerade in einem so kritischen Augenblicke, wo ich seines Schutzes am meisten bedurft hätte. Sie war sich zu diesem Zeitpunkt ihrer heiklen Si- tuation bewusst. Doch ein Hilferuf nach Vaduz ist Valeskas Brief vom 9. August 1943 nicht. Sie ersuch- te nicht um Schutz. Sie kündigte nicht etwa ihre Ein- reise nach Liechtenstein an. In Meran hatte sie ne- ben der Beerdigung auch noch Formalitäten zu erle- digen. Am 27. August wurde dort das Testament ih- res Gatten vor Notar Rümpel eröffnet, Valeska war Alleinerbin.40 Sie mochte hoffen, dass nach Mussoli-nis 
Sturz und unter Badoglio für Italien der Krieg be- endet wäre. In jenen Wochen waren die Deutschen noch nicht da. Doch sie kamen bald, fünf Wochen nach dem Tod ihres Gatten. Nun wurde Valeska in den Strudel der NS-Unwelt gerissen. VERHAFTUNG Noch kurz vor dem Sturz Mussolinis hatte sich im Juni 1943 das von Ribbentrop geleitete deutsche Auswärtige Amt bei Mussolini beschwert, Italien lasse den Juden in den italienisch besetzten Gebie- ten zuviel Freiheit, statt sie nach Osten zu deportie- ren.41 Doch auch die neue italienische Regierung 2/) Decreto Legge del 7 settembre 1938 nr. 1381, zit. im Dokumen- tenanhang bei Steinhaus, Ebrei. S. 179. 28) Das geht aus der Liste bei Steinhaus. Ebrei, S. 149-178, hervor. 29) Picciotto, 11 Libro della Memoria. S. 854. 30) Ebenda, S. 876. 31) Titelblatt der Zeitschrift  (Anno 1, numero 2. 20 Agosto 1938 - XVI. Dirottore: Telesio InterlandiJ, wiedergegeben im Dokumentenanhang bei Steinhaus, Ebrei. - Carlo Moos: Der italienische Faschismus ge- gen die italienischen Juden (öffentlicher Vortrag vom 22. Sept. 2003 in Vaduz). 32) Steinhaus. Ebrei, S. 70. 33) Picciotto, 11 Libro della Memoria, S. 852 f. 34) . 1. April 2003, S. 25: « 
    

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