EINE LIECHTENSTEINERIN IM KZ: BARONIN VALESKA VON HOFFMANN / PETER GEIGER i i IVWL 
«Villa Paulina», Meran- Maja Alta (Obermais), ehemaliger Familiensitz Hoffmann, heute «Villa Danica», Aufnahme aus dem Jahre 2003 paar Hoffmann konnte im Krieg noch reisen, auch in die Schweiz und nach Liechtenstein, und offen- sichtlich war Valeska von Hoffmann bis 1943 nicht in Gefahr, obwohl sie jüdischer Herkunft war. Im Machtbereich Hitlers aber war die Vernich- tung der Juden schon lange im Gange. Sie hatte auch die betagte Mutter von Valeska in Wien erfasst: Karoline Seidner (verwitwete Koralek geborene Ro- senzweig) wurde 1942 deportiert. Sie starb am 5. Januar 1943 in Theresienstadt, 75 Jahre alt.2"' Über Bemühungen Valeskas für ihre Mutter ist nichts Näheres bekannt. Die Sorge der Tochter über das Schicksal ihrer Mutter und der weiteren Famili- englieder in Wien kann man sich vorstellen. Valeska selber aber schien in Italien noch geschützt, durch ihren Ehemann und durch den liechtensteinischen Pass. Hier ist ein Blick auf die Welt der Juden in Ita- lien zu werfen. RASSENGESETZE 1938 IN ITALIEN Das faschistische Mussolini-Regime hatte 1936 eine deutlicher antisemitische Politik eingeschlagen. Die- se wurde 1938 offiziell. Auf den 22. August 1938 ver- anlasste das Regime ein «censimento degli ebrei», eine Zählung der jüdischen Einwohner Italiens. Sie ergab 58 412 Personen. Und ab dem September 1938 wurde eine Reihe von Rassengesetzen gegen die Ju- den erlassen. Sie entsprachen im Kern jenen Hitler- deutschlands. Umschrieben wurden sie als «Leggi per la difesa della razza italiana», als «Gesetze zur Verteidigung der italienischen Rasse».26 
Unter die diskriminierenden italienischen Ras- sengesetze fielen alle jüdischen Personen, ein- schliesslich Ausländer. Nach einem der ersten anti- jüdischen Gesetze vom 7. September 1938 mussten alle ausländischen Juden, die nach dem 1. Januar 1919 in Italien Wohnsitz genommen hatten, Italien verlassen (einschliesslich libysche und ägäische Be- sitzungen), und zwar innert sechs Monaten, also bis spätestens im Februar 1939; der entsprechende Ar- tikel lautete: 19) Besichtigung der «Villa Danica», ehemals «Villa Paulina», Meran- Maja Alta (Obermais), durch den Verfasser am 8. März 2003. 20) Im alten liechtensteinischen Reisepass von Valeska von HofT- mann vom 26. Nov. 1932, der 1935 ablief, ist ein ägyptisches Visum eingetragen, im Pass fehlt leider das Foto, LIJ\ RF 156/127. - LLA RF 198/44. 21) LLA RF 126/9, 126/374, 133/258, 145/079, 153/090, 156/127, 161/386, 178/382, 171/194, 179/411, 197/114, 198/44, 208/349, 218/003, 218/224. 22) Frh. von Hoffmann an liecht. Regierung, 9. Okt. 1938. - Staats- bürgerschafts-Bestätigungen, 15. Okt. 1938, LLA RF 183/339. 23) Frh. von Holtmann an Regierungschef Hoop, 26. Dez. 1942, LLA RF 218/003. 24) LLA RF 218/003. 25) Matrikelführerin H. Weiss, Israelitische Kultusgemeinde Wien, an den Verfasser, 17. Juni 2002. 26) Liliana Picciotto: II Libro della Memoria. GH Fbrei deportati dall'Italia (1943-1945). Nuova Edizione, Milano, 2002, (1. Ausgabe 1991), S. 853 f. - Federico Steinhaus: Ebrei/Juden. Gli ebrei dell'Alto Adige negli anni trenta e quaranta. Firenze, 1994, S. 33 ff., S. 43 ff, S. 57 ff., S. 179-184: Auszüge aus den antijüdischen italienischen Gesetzen. 107
        

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