3 Leben in Meran «VILLA PAULINA» Das deutschsprachige Südtirol gehörte erst seit 1919 zum Königreich Italien, welches ab 1922 von Mussolini mit seiner faschistischen Partei diktato- risch beherrscht wurde. Im Kurort Meran, zur Pro- vinz Bozen gehörend, wohnten zahlreiche Auslän- der. Es bestand eine grosse israelitische Gemeinde. Das Ehepaar von Hoffmann wohnte in der «Villa Paulina» in Obermais, italienisch Maja Alta. Dieser Stadtteil von Meran liegt einige hundert Meter süd- lich des Zentrums und des Doms über dem Fluss. Dort breiten sich Villen in erhöhter, ruhiger Lage aus. Die «Villa Paulina», in den 1880er Jahren er- baut und ab 1890 im Besitz der Familie von Hoff- mann, war - und ist - in der Tat ein herrschaftlicher Sitz, ein eigentliches Schloss. Es ist die heutige «Vil- la Danica» an der Via Seena 28. Das Gebäude liegt in einem weiträumigen Park mit südländischen Bäu- men. Es weist verschiedene Flügel auf, zwei Ecktür- me, Ziergiebel, Balkone, Veranden, eine Freitreppe. Das reiche Dekor verwendet Neurenaissance-For- men. Der Blick geht nach Süden und Westen ins Tal und hinüber zu den Bergen. Die andern vornehmen Wohnsitze in der Umgebung nehmen sich neben dem Prachtbau geradezu bescheiden aus. Dem Äus- seren entsprach - und entspricht noch - das vorneh- me, lichtdurchflutete Innere mit Eingangshalle, Herrenzimmer, Bibliothek, Salons mit Stuckdecken sowie Wohnräumen.19 Das freiherrliche liechtensteinische Ehepaar von Hoffmann lebte «standesgemäss» - was seinerzeit sehr betont wurde - und mit regem gesellschaftli- chem Verkehr. Man unternahm Reisen, so einmal nach Ägypten.-0 Der Freiherr weilte zur Verwaltung seines Vermögens gelegentlich in Paris und in Zürich. Manchmal kam er nach Vaduz, in die kleine- re Welt Liechtensteins. 
KONTAKTE ZUR LIECHTENSTEINISCHEN REGIERUNG Der Freiherr pflegte regelmässig Kontakt mit der liechtensteinischen Regierung. Er erkundigte sich nach dem liechtensteinischen Ehegüterrecht und setzte seine Frau als Erbin ein. Kam er nach Liech- tenstein, machte er Regierungschef Hoop seine Auf- wartung. Mit Hoop wechselte von Hoffmann regel- mässig Neujahrswünsche, auch im Namen seiner Gattin. Er sandte 1938 Prinz Franz Josefeine Gratu- lationskarte zur Übernahme der Regentschaft. Re- gelmässig liess Philipp von Hoffmann sich den liech- tensteinischen Diplomatenpass, der das Reisen er- leichterte und das Ansehen erhöhte, verlängern.21 Von 1938 an - seit dem Anschluss Österreichs - gab es Passschwierigkeiten, besonders bei deutschen Posten. Hoffmann erlangte daher vorsichtshalber von der Regierung in Vaduz eine ausdrückliche schriftliche Bestätigung der liechtensteinischen Staatsbürgerschaft für sich und seine Frau, für den Fall, dass ihnen deutsche Beamte beim Grenzüber- tritt den Pass entziehen wollten.22 Noch zum Neujahr 1943 dankten Freiherr von Hoffmann und seine Gemahlin dem Regierungschef ausdrücklich für das ihnen «in jeder Lage bewiese- ne gütige Wohlwollen». Mit 1942, schrieb Hoff- mann, gehe ein «schweres Kriegsjahr» zu Ende, nun hege er «zunehmende Hoffnung», das Jahr 1943 möge den Frieden bringen.23 Eben waren im November 1942 die Amerikaner in Afrika gelandet, und Hitlers Niederlage bei Stalingrad zeichnete sich ab. Des Ehepaars Hoffmann Sympathien lagen of- fenbar auf der alliierten Seite. Anfangs des Jahres 1943 wollte Philipp von Hoff- mann mit seiner Frau für sechs Wochen in die Schweiz reisen. Als Einreiseort fixierten die Schwei- zer Behörden im Visum Chiasso. Hoffmann wollte aber mit seiner Frau nicht den oft bombardierten Weg über Mailand nach Chiasso in die Schweiz neh- men, sondern die sicherere und kürzere Route von Meran über das schweizerische Münstertal. Auf Empfehlung der liechtensteinischen Regierung wurde das Visum so erteilt, die Reise kam aber nicht zustande.24 Die Episode zeigt zweierlei: Das Ehe- 106
        

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