zu der einen oder andern Einbürgerungsgemeinde geschah nach Bedarf, in Absprache zwischen Regie- rung, Gemeinde und Rechtsvertreter des Kandida- ten.9 Hoffmann wurde der Gemeinde Eschen zuge- wiesen. Eschen erhielt im Jahre 1932 mindestens sechs solche Einbürgerungen, mit den Taxen konnte sie in der Krise öffentliche Arbeitsgelegenheiten fi- nanzieren, wie die Regierung auch.10 Die Gemeinde- versammlung von Eschen stimmte im Februar 1932 der Einbürgerung zu, mit 89 Ja zu 19 Nein. Die Re- gierung empfahl Zustimmung. Fürst Franz, der sein Einverständnis schon vorgängig kundgetan hatte, genehmigte die Einbürgerung abschliessend am 4. März 1932. Freiherr von Hoffmann schwor in Va- duz den Staatsbürgereid vor Regierungsrat Peter Büchel aus Mauren und zahlte die Einbürgerungsta- xen, 7500 Franken an die Gemeinde Eschen, 5000 Franken dem Land (einschliesslich Taxe für Beibe- haltung des Freiherrentitels) sowie die jährliche Einbürgerungssteuer von 400 Franken.11 Kaum Bürger geworden, erhielt Hoffmann im Frühjahr 1932 auf die oben erwähnte Empfehlung von Fürst Franz hin einen liechtensteinischen Dip- lomatenpass, mit dem etwas relativierenden Ein- trag «Bayerischer Geschäftsträg er».12 Noch im glei- chen Jahr heiratete er. Das führt uns in die Welt der Braut, nämlich Österreichs und der Donaumonar- chie. 
VALESKA KORALEK Die Familie der Braut Valeska Koralek war jüdisch. Sie wurzelte in der alten Donaumonarchie, wie die weiter unten folgende Genealogie der Familie zeigt (siehe die Darstellung auf Seite 104). Diese Über- sicht gibt zugleich die Gesamtschau bis zum Tod. Die Fotografie von Valeska Hoffmann-Koralek zeigt eine gemütvolle, lebensfrohe Person. Der Vater von Valeska, Sigmund Koralek, war Handlungs-Angestellter in Wien, er stammte aus dem damaligen Südungarn, aus Eszeg (dem heuti- gen Osijek in Kroatien). Die Mutter Karoline Koralek geborene Rosenzweig kam aus Wessely in Mähren, damals österreichisch (heute tschechisch). Nach der Heirat in Ungarn zog die jüdische Familie, wie viele Tausende in der Donaumonarchie, in die Metropole Wien. Dort wurde die Tochter Valeska am 5. März 1894 geboren. Man rief sie «Walli». Geschwister er- hielt sie offenbar nicht mehr, der Vater starb schon im gleichen Herbst an Tuberkulose, 27 Jahre alt. Fünf Jahre später heiratete die Mutter den um eine Generation älteren Witwer und Schneider Philipp Seidner, der aus dem damals ungarischen Arad (heute rumänisch) stammte. Als Valeska elf Jahre alt war, starb 1905 auch der Stiefvater. Über Valeska Koraleks schulische und berufliche Ausbildung und spätere Tätigkeit bis zur Heirat im Jahre 1932 ist bisher nichts bekannt. Aus späteren Briefen und Äusserungen lässt sich schliessen, dass 9) Das zeigen die Einbürgerungsakten und die Landtagsbesprechun- gen zu Einbürgerungsfragen in den 1930er Jahren, LLA Einbürge- rungsakten; LLA LT-ProtokoIIe 1930 ff. 10) Genieindearchiv Eschen, Rechnung der Gemeinde 1932, S. 5. - Vgl. allgemein Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissi- gerjahren 1928-1939. 2. Aufl., Vaduz, Zürich, 2000. Bd. 1, S. 200 f. S. 207 f., S. 498 f. - Ritter, Tobias: Die Einbürgerungspolitik des Fürstentums Liechtenstein unter innen- und aussenpolitischen As- pekten von 1930 bis 1945. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit Bern 2001, als Kurzfassung unter gleichem Titel veröffentlicht in: Schwei- zerische Zeitschrift für Geschichte, 53/2003, Nr. 1, S. 58-79. 11) LLA Einbürgerungsakt Frh. von Hoffmann 1932. - Gemeindear- chiv Eschen, Nr. 597, 1-7. 12) LLA RF 133/258, 126/374. 153/090. 161/386. 171/194, 208/349. 102
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.